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Absurd komisch aber inszenatorisch holprig: Kritik zu „Die Känguru-Verschwörung“

Seit vielen Jahren begeistert Marc-Uwe Kling mit seinem kommunistischen Känguru in Büchern und Hörbüchern. In der heutigen kapitalistischen Konsumgesellschaft nimmt das sympathische Beuteltier auf absurd komische Art und Weise das Zeitgeschehen aufs Korn. Wenn andere lieber schweigen spricht das witzige Fantasietier in falschen Momenten das Richtige aus, welches hierzulande begeisterte und Bestseller-Listen stürmte. Vor zwei Jahren kam das Känguru dann erstmals auf die große Leinwand und das trotz großer Hindernisse sehr erfolgreich.


Bildnachweis: © X Verleih


Denn nur wenige Tage nach dem Kinostart kam der erste Corona-Lockdown, doch trotz allem war die Verfilmung „Die Känguru-Chroniken“ ein voller Erfolg. Mit über 800 Tausend Kinobesuchern belegte der Film den zehnten Platz der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres 2020. Kaum verwunderlich also, dass eine Fortsetzung kommen würde. Und nun kam der zweite Teil „Die Känguru-Verschwörung“ in die Lichtspielhäuser.


Darum geht es:


Nach einem verpatzten Date gehen Marc-Uwe und das Känguru eine gewagte Wette ein, um ein weiteres Treffen mit Maria möglich zu machen. Doch der Einsatz ist hoch, denn wenn es ihnen nicht gelingt, Marias Mutter vom Leugnen der Klimakrise abzubringen, verlieren sie ihre Wohnung. Auf dieser Mission geraten Kleinkünstler und Beuteltier in einen wilden Roadtrip zur Conspiracy Convention, die in Bielefeld stattfinden soll.


Da es das Känguru nicht lassen kann, in falschen Momenten das Richtige zu sagen, wird es ziemlich gefährlich und es geht um Leben und Tod. Werden sie es trotzdem schaffen? Sehr wahrscheinlich. Ist ja ‘ne Komödie.


Die Rezension:


Nachdem die erste Verfilmung „Die Känguru-Chroniken“ aus dem Jahr 2020 von Regisseur Dani Levy inszeniert wurde, übernahm Marc-Uwe Kling bei der Fortsetzung die Zügel, schrieb führend das Drehbuch und führte gemeinsam mit Alexander Berner Regie. So bekommen wir in den 103 Minuten von „Die Känguru-Verschwörung“ voll und ganz die absurd komische Vision von Marc-Uwe Kling und man sieht, dass ihm weitestgehend freie Hand gelassen wurde, doch im dramaturgischen Aufbau kommen so auch erhebliche Defizite zutage.


Marc-Uwe Kling, Känguru und Hauptdarsteller Dimitrij Schaad:

Bildnachweis: © Stefan Erhard für X Filme Creative Pool, X Verleih


Das Road-Trip-Abenteuer kann so kaum Spannung aufbauen und die Geschichte plätschert vor sich hin, da der Humor gegen Ende hin auch nicht bissiger wird. Anstatt auf schwarzhumorige Art und Weise das aktuelle Zeitgeschehen aufs Korn zu nehmen, verliert sich der Film irgendwann in unoriginellen Übertreibungen.


So wird die Thematik der Verschwörungserzählungen eher als lustiges Gimmick verwendet, welches recht austauschbar ist. Denn über die Erkenntnis hinaus, dass Verschwörungstheoretiker von Ideologien verblendete Menschen sind, ist keine weitere Vertiefung der Materie zu finden. Gerade weil es die Aufgabe von Marc-Uwe und dem Känguru ist, Marias Mutter von den Verschwörungserzählungen zu lösen, bietet der Film nur wenig Antworten. So bekommen wir teils abgedroschene, teils clever pointierte Witze über Aluhutträger, doch mehr als ein ersetzbarer Hintergrund der Handlung war es nicht.


Bildnachweis: © X Verleih


Langweilig wird es dennoch nicht und das liegt an der Vielseitigkeit des Humors. Denn Marc-Uwe Kling bedient ein großes Humor-Spektrum, welches sowohl Fans von Flachwitzen wie schwarzhumorig-politischer Witze begeistern kann. Stichwort: Wannseekonferenz. Auch die Referenzen, die zum Film und zur Filmgeschichte gezogen werden, sind durchaus spaßig. So kommentiert die Geschichte immer wieder ironisch das Drehbuch und Budget.


Auch nimmt die Handlung spaßig Genres aufs Korn und spielt mit ihnen. Vom Hinterwäldler-Horror, der in einem deutschen „Stranger Things“ Upsite Down voller Rechtsradikaler mündet, über Western-Elemente hin zu Sitcom-Anleihen, mit eingespielten Lachern. Nicht zu vergessen, dass Kung-Fu-Schnick-Schnack-Schnuck - „Die Känguru-Verschwörung“ wechselt im Humor oftmals die Tonalitäten.


Bildnachweis: © X Verleih


Hauptdarsteller Dimitrij Schaad kann wieder als Marc-Uwe begeistern, der dieses Mal noch facettenreicher spielt. Mit ihm ist wieder das kommunistische Känguru, welches falbelhaft animiert wurde und von Marc-Uwe Kling unverkennbar krächzend eingesprochen wurde. Die weitere Besetzung um Petra Kleinert, Michael Ostrowski, Volker Zack und Benno Fürmann schlüpft in überspitze Figuren, in welchen sie sichtlich Spaß hatten...


Fazit:


Nachdem sich das Känguru im ersten Film mit dem Kapitalismus anlegte, sind es nun Verschwörungstheorien, denen das Beuteltier den Kampf ansagt. Der zweite Teil bietet noch mehr von der absurd komischen Vision von Marc-Uwe Kling, der „Die Känguru-Verschwörung“ federführend schrieb und inszenierte. Wer die Bücher mag, wird hier auf seine Kosten kommen und kann sich von der Humor-Bandbreite begeistern lassen. Doch im dramaturgischen Aufbau gibt es erhebliche Defizite.


6 von 10 Punkten


„Die Känguru-Verschwörung“ ist seit dem 25. August 2022 in den Kinos.



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