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„Everytime“ geht für Deutschland ins Oscar-Rennen

Autorenbild: Toni Schindele
Toni Schindele
26. Aug.
2 Min. Lesezeit

Deutschland hat seinen Kandidaten für die Oscars 2027 gefunden: Sandra Wollners Drama „Everytime“ geht für die 99. Academy Awards ins Rennen um eine Nominierung als bester internationaler Film.


Szenenbild aus Sandra Wollners „Everytime“: Drei junge Menschen blicken von einem Berghang auf eine zerklüftete Küstenlandschaft und das Meer.
Bildnachweis: © TheBarricades, PanamaFilm, Gregory Oke

Elf Filme standen zur Wahl, zwei Tage lang beriet eine unabhängige Fachjury in München, ehe am Dienstag die Entscheidung fiel: „Everytime“ von Sandra Wollner wird als deutscher Oscar-Beitrag eingereicht. Das Drama setzt damit seine erfolgreiche Festivalsaison fort: Nach dem Hauptpreis der Reihe Un Certain Regard in Cannes folgte zuletzt das Herz von Sarajevo für den besten Spielfilm. German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, organisiert das Auswahlverfahren für den deutschen Oscar-Beitrag – die Entscheidung selbst trifft jedoch eine unabhängige neunköpfige Jury aus verschiedenen Bereichen der Filmbranche. Ihr Votum fiel in diesem Jahr auf „Everytime“, das sich gegen zehn weitere Produktionen durchsetze.


Inhaltlich rückt Sandra Wollners drei Menschen in den Mittelpunkt, deren Wege sich durch einen Verlust kreuzen: Ella hat ihre Tochter Jessie verloren; gemeinsam mit Jessies jüngerer Schwester und einem Jungen, dem das Umfeld eine Mitschuld gibt, reist sie nach Teneriffa, wo Erinnerung und Gegenwart zunehmend ineinanderfließen. In der Begründung heißt es: „In 'Everytime' gelingt Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Wollner das bemerkenswerte Kunststück, Trauer als eine in Unordnung geratene Welt mit rein filmischen Mitteln und überraschender Feinfühligkeit greifbar zu machen. [...] Das Ensemble überzeugt durch seine Natürlichkeit, die Charakterzeichnungen bleiben durchweg präzise und ambivalent. [...] Erinnerung und Gegenwart, Realität und Fantasie fließen beinahe unmerklich ineinander und machen diesen Film zu einem wahrhaft poetischen Kinoerlebnis.“


Ebenfalls im Rennen waren „23.000 Leben“, „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, „Babystar“, „Das geträumte Abenteuer“, „Der Heimatlose“, „Heimsuchung“, „Minotaurus“, „No Good Men“, „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ und „Staatsschutz“; „Minotaurus“ war zunächst nur unter Vorbehalt zugelassen. Mit dem Votum der deutschen Jury hat „Everytime“ allerdings erst die erste Hürde genommen. Der Film geht nun als offizieller deutscher Beitrag ins internationale Oscar-Rennen, in dem die Academy das Feld zunächst auf 15 Titel verkleinert und daraus später die fünf Nominierten bestimmt. Neu ist bei den kommenden Oscars allerdings, dass Filme erstmals auch unabhängig von der offiziellen Länderauswahl über bestimmte Festivalpreise ins Rennen kommen können.


Für Deutschland könnte das gleich Folgen haben: Neben „Everytime“ haben auch İlker Çataks Berlinale-Gewinner „Gelbe Briefe“ und Visar Morinas Sundance-Preisträger „Von Scham und Geld“ die Voraussetzungen für eine eigene Einreichung erfüllt. Damit könnten erstmals drei deutsche Produktionen in der internationalen Kategorie antreten. German Films hat angekündigt, in diesem Fall die Kampagnen aller drei Filme zu unterstützen. Für Çatak wäre das Oscar-Rennen vertrautes Terrain: Sein „Das Lehrerzimmer“ gehörte 2024 zu den fünf Nominierten. Die Messlatte für „Everytime“ liegt hoch: Deutsche Beiträge waren zuletzt auffallend häufig bis tief ins Oscar-Rennen vorgedrungen.


Auf die Shortlist von „Ich bin dein Mensch“ 2022 folgte 2023 der Triumph von Edward Bergers Kriegsdrama „Im Westen nichts Neues“, das den Oscar als bester internationaler Film und drei weitere Trophäen gewann. „Das Lehrerzimmer“ und „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ schafften es 2024 und 2025 jeweils unter die fünf Nominierten, ehe „In die Sonne schauen“ 2026 auf der Shortlist ausschied. Ob „Everytime“ diese Erfolgsserie fortsetzen kann, zeigt sich zunächst am 15. Dezember, wenn die Academy die 15 Filme umfassende Shortlist bekannt gibt – möglicherweise in Gesellschaft von „Gelbe Briefe“ und „Von Scham und Geld“.

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