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Für einen Kampf ums Überleben zu glatt: Kritik zu „Against the Ice“

Aktualisiert: 15. März 2022

Als Nikolaj Coster-Waldau die Lebenserinnerungen des Polarforschers Ejnar Mikkelsen in einem Antiquariat entdeckte und las, begann in ihm die Idee aufzukeimen, die abenteuerliche Geschichte seines dänischen Landsmannes zu verfilmen. Er nahm die Produktion auf, setzte sich gemeinsam mit Joe Derrick ans Drehbuch und schlüpfte auch in die Rolle des Ejnar Mikkelsen. Der daraus entstandene Film über die waghalsige wie riskante Reise des Polarforschers durch Grönland ist dann von Netflix umgesetzt am 2. März 2022 auf dem Streaming-Dienst gestartet.

Bildnachweis: Lilja Jonsdottir/Netflix


Die Geschichte setzt im Jahr 1909 ein, inmitten der dänischen Arktis-Expedition unter Führung des Polarforschers Ejnar Mikkelsen ihre abenteuerliche Mission, deren Ziel es ist, den Territorialanspruch der USA auf den nordöstlichen Teil Grönlands zu entkräften. Der erhobene Anspruch basiert auf der Annahme, dass Grönland aus zwei Landmassen bestände. Gemeinsam mit dem unbedarften, aber auch unerfahrenen Expeditionsmitglied Iver Iversen macht er sich auf den riskanten Weg, einen schwerfälligen wie langen Weg. Tatsächlich gelang es den beiden den Beweis zu erbringen, dass Grönland eine Landmasse, eine Insel ist. Doch als sie sich auf den Rückweg begeben, beginnt eine riskante Reise auf sprichwörtlich dünnem Eis und schon bald bringt sie Hunger und Erschöpfung an die Grenzen. Als sie endlich mit letzter Kraft am Schiff ankommen, was sie zurück in die Heimat bringen soll, finden sie dieses vom Eis erdrückt und das Lager verlassen vor. Weit und Breit ist keine Menschenseele zu sehen und ihre Kraft ist erschöpft. Sie brauchen Hoffnung und Willensstärke, denn im erbarmungslosen kalten Eis beginnt bald die Realität zu verschwimmen und es entwickelt sich ein wahrer Überlebenskampf.

Die politischen Verstrickungen und Wirren um Grönland werden eher als Randnotiz abgefrühstückt und der Film legt den zentralen Fokus auf den Überlebenskampf der Forscher. Und um diesen sichtbar zu machen wurde hauptsächlich in Grönland und Island selbst gedreht. So wirken die Bilder nicht glatt und die Bilder können die kalte Gegend sehr glaubwürdig einfangen. Dabei entstehen sowohl schöne Aufnahmen der von außen wunderschönen Landschaft, aber genauso gelangen die windigen, rauen und dem Leben keinesfalls gewillten Momente. Auch die Kostümabteilung hat sehr authentisch gearbeitet, die die an den pelzigen Männern im Eis fressende Zeit sehr gut sichtbar machen konnte.


Bildnachweis: Lilja Jonsdottir/Netflix


Doch gerade der Überlebenskampf wird auch fast nur als Tatsache eingestreut. Im Großen und Ganzen sehen wir die beiden Männer durch Eis und Schnee stapfen, wobei die Länge ihres harten Weges nur in Einblendungen gezeigt wird. So bekommen wir immer wieder aufgezeigt, wie viele Tage die beiden nun schon im Eis sind, doch wirklich spürbar kann der Film die Härte und Schwierigkeit der Situation nur selten machen. Und das liegt daran, dass die wirklich lebensgefährlichen Momente dann doch am Computer entstanden, wie der CGI-Eisbär. Und so kann man vor allem an den länger werdenden Bärten und den rauer werdenden Gesichtern sehen, dass die Zeit und die Umgebung an den beiden Männern nagt. Der blanke Kampf ums Überleben kann aber durchs Drehbuch nicht bildlich gemacht werden. So erleben wir ein angenehmes und bildgewaltiges Arktis-Abenteuer, was lange kaum packend wird.


Die Stärken des Film entfalten sich erst dann, als sich langsam Paranoia ausbreitet und die beiden Männer drohen, dem Wahnsinn zu verfallen. Dann stimmt es auch schauspielerisch und gerade Nikolaj Coster-Waldau kann seine Wahnvorstellungen und Halluzinationen sehr gut darstellen.


„Ja, dann könnte ich sie essen“

Iver Iversen


Während der junge Iver Iversen immer mehr Gefallen am Gedanken des Kannibalismus findet, glaubt Ejnar Mikkelsen immer wieder seine geliebte Naja zu sehen, die natürlich nicht wirklich da ist.


Nikolaj Coster-Waldau versucht sehr leidenschaftlich seinem Ejnar Mikkelsen Tiefe zu verleihen und er hat ein unbestreitbares schauspielerisches Format, doch die ihm durchs Drehbuch gegebenen Dialoge lassen nur sehr selten wirklich Tiefe zu. Im Großen und Ganzen tauschen sich die beiden Männer in recht oberflächlichen, dünnen Dialogen aus.



Fazit:

Am Ende ist „Against the Ice“ ein Film, der bietet, was der Titel verspricht. Dabei ist er zwar nicht originell oder bricht der Film mit Konventionen des Genres, doch wer ein bildgewaltiges Abenteuer in der Arktis nach wahren Begebenheiten sehen will, wird in „Against the Ice“ auf seine Kosten kommen. Vieles wird vereinfacht und so ist der Film auch ein sehr glatter Abenteuerfilm.

5 von 10 Punkten


Bildnachweis: Lilja Jonsdottir/Netflix

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