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Kritik zu „The Adam Project“: Der zweite Film der Zusammenarbeit von Shawn Levy und Ryan Reynolds

„Zeitreisen existieren. Du weißt es nur noch nicht“.


Nach „Free Guy“ kam bereits am 11. März 2022 der zweite Film der gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen „Nachts im Museum“-Regisseur Shawn Levy und Ryan Reynolds auf Streaming-Dienst Netflix. Bereits wenige Monate nach den Dreharbeiten zum Kino-Hit begann die Produktion zum nächsten Film „The Adam Project“. Ein Projekt, ein Konzept was bereits sehr lange in Hollywood herumgeistert und schon lange umgesetzt werden sollte, doch es kam bisher nie dazu. Mit dem großen Erfolg von „Free Guy“ und Streaming-Dienst Netflix im Rücken konnte dann Shawn Levy den Stoff umsetzten. Bereits im November des Jahres 2020 begannen in Vancouver die Dreharbeiten und im März 2021 konnten sie abgeschlossen werden und jetzt ist der Film auf Netflix erschienen.

Regisseur Shawn Levy und Hauptdarsteller Ryan Reynolds am Set von „The Adam Project“:

Bildnachweis: Doane Gregory


Die Geschichte erzählt vom 12-jährigen Adam Reed, der den überraschenden Tod seines Vaters nicht überwinden konnte, der bereits ein Jahr zurückliegt. Eines Nachts findet er dann in der Garage einen verwundeten Piloten. Er war auf einer waghalsigen Rettungsmission mit dem Ziel, seine Geliebte zu retten, als sein Raumschiff schwer getroffen wird und er eine Notlandung in die Vergangenheit macht und ausgerechnet von seinem früheren Ich gefunden wird. Doch dabei löst er etwas aus, was nur verhindert werden kann, wenn er mit seiner Vergangenheit Frieden finden kann. Das ältere Ich des Adam Reed muss sich also mit seinem jüngeren Ich und seinem lange verstorbenen Vater zusammentun, um sich seiner Vergangenheit stellen zu können...


Das besondere an dem Film ist aber, dass man nicht ein „Alles oder Nichts“-Szenario beschreibt, bei dem es um das Fortbestehen eines ganzen Universums geht, sondern eine recht persönliche Geschichte in den Fokus rückt. Adam bildet das Herzstück des Films und seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die miteinander verschwimmen. Die dadurch entstandenen Beziehungen werden beleuchtet. Auch wenn die Welt gerettet wird, steht dieses Mal kein Himmelfahrtskommando im Fokus, sondern eine spaßige Reise durch die Zeit, die durchaus auch ihre emotionalen Momente inne hat. Es ist ein Film über einen Jungen, der mit dem Verlust seines Vaters klarkommen muss und dann in ein Abenteuer gerissen wird, was Zeit und Realität verändert und ein spaßiges Science-Fiction-Abenteuer mit emotionaler Fallhöhe erzählt.


Wie eine Art Hommage an die Filmklassiker der 80er Jahre wurde dabei die Geschichte geschrieben, welches immer wieder an verschiedene Filme wie „Star Wars“, „Zurück in die Zukunft“, dem 1986 erschienenen „Der Flug des Navigators“ und noch viel deutlicher an

„E.T. - Der Außerirdische“ erinnert.


Ryan Reynolds begeistert dabei mit seiner inzwischen markanten und unverkennbar mit ihm verbundenen Art, seinem Humor, der Attitüde und dieses Mal sogar mit einer weicheren, emotionalen Seite. Sowohl die Vater-Perspektive mimt er bewegend, wie auch die emotionalen Momente.


Der junge Walker Scobell spielt dagegen das jüngere Ich von Adam, ein zwar nur wenig ausgefeilter Charakter, aber dennoch gelingt ihm eines sehr gut darzustellen: Das jüngere Ich von Ryan Reynolds Adam, und ihm gelang es mit schier perfektem Timing den markanten Humor des „Deadpool“-Darstellers zu kopieren, so dass er wirklich wie die jüngere Version durchgeht. Sein ganzes Auftreten, seine Haltung und natürlich der Humor sind gelungen - Walker Scobell spielt wirklich den perfekten jüngeren Adam.


Das jüngere und ältere Ich des Adam (Ryan Reynolds und Walker Scobell):

Bildnachweis: Doane Gregory


Mark Ruffalo spielt den Vater von Adam, der verstarb, als Adam erst elf Jahre alt war. In gewisser Weise bildet er den Fixpunkt und Anker zwischen beiden Adams, genauso wie ihre Mutter Ellie. Gespielt wird sie von Jennifer Garner, die ihrer Figur Ellie eine angenehme wie charmante behütende Art und Weise verlieh und gerade in emotionalen Momenten ihre Stärken entfaltet. Auch wenn sie vor allem mit dem jüngeren Ich von Adam zu sehen ist, ist die eine gemeinsame Szene mit dem älteren Ich von Ryan Reynolds herausstechend, die eine emotionale Wucht entfaltet.

Doch wenn es nach der wohl emotionalsten Szene zu den Action-Momenten kommt, wird deutlich, dass das Budget wohl recht limitiert war. Auch die Antagonisten sind so belanglos und lieblos geschrieben, dass es sehr leicht zu erkennen war, wo der Fokus beim Drehbuch lag und wo auch nicht. Doch leider hat man neben der fokussierten Vater-Sohn-Geschichte vieles andere recht nebensächlich abgefrühstückt, so das Zeitreisen selbst, was eher wie ein nettes Gimmick behandelt wurde, als wie eine innovative, neue Idee.


Im Finale verliert sich letztlich vieles in einem 08/15 Einheitsbrei aus CGI und austauschbarer Action. Während es Shawn Levy noch in „Free Guy“ neben dem witzigen Popkultur-Crossover gelang, für unerwartete Momente zu sorgen und durch die warme Herzlichkeit zum Wohlfühl-Kino zu werden, fehlt es dem Finale von „The Adam Project“ an der Herzlichkeit, kreativen Wendungen und Innovation. Doch in einem war „The Adam Project“ überraschend erfrischend: Durch seine emotionalen Momente und die Vater-Sohn-Geschichte im Science-Fiction-Genre ist „The Adam Project“ durchaus unterhaltsam.


Fazit:

Der neue Film unter der Zusammenarbeit von Shawn Levy und Ryan Reynolds nach „Free Guy“ wurde nach dem großen Erfolg des Films mit diesem beworben, doch an die Stärken von „Free Guy“ konnte „The Adam Project“ über weite Strecken nicht anknüpfen. Doch durch seine emotionalen Momente und die Vater-Sohn-Geschichte im Science-Fiction-Genre ist „The Adam Project“ dennoch durchaus unterhaltsam. Die Besetzung ist durchweg überzeugend und neben dem dieses Mal mehr Facetten zeigenden Ryan Reynolds ist vor allem der junge Walker Scobell herausstechend.


5 von 10 Punkten


Bildnachweis: Doane Gregory

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