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Nach dem diesjährigen Boykott: Haben die Verantwortlichen der Golden Globes aus den Fehlern gelernt?

Es ist rund ein Jahr her, seit im Januar 2022 das letzte Mal die Golden Globes verliehen wurden. Jedoch steht der Filmpreis seit Jahren in der Kritik, wurde zuletzt fast vollständig boykottiert und droht daher inzwischen in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Nächstes Jahr steht dennoch die 80. Verleihung an und nun wurden die Nominierungen für die Golden Globes 2023 verkündet.


Bildnachweis „Golden Globe“-Statue: Bryan Derksen - Own work, based loosely off of a silhouette on the HFPA homepage, CC BY-SA 3.0


Jedes Jahr verleiht die HFPA (Hollywood Foreign Press Association) die Golden Globe Awards, doch die Verleihung stand gerade dieses Jahr massivst unter Kritik und es gab immer lauter werdende Rufe, dass die hinter dem Filmpreis stehende Vereinigung HFPA diskriminierend, rassistisch und korrupt sei. Doch es blieb nicht nur bei der Kritik, denn die Amazon Studios und Netflix haben vor einigen Monaten zum Boykott aufgerufen.


Auch Hollywoodstar Tom Cruise setzte damals ein deutliches Zeichen und soll all seine drei gewonnenen Golden Globes an die HFPA zurückgeschickt haben. Zwar kündigte die HFPA bald an, dass sie einige afroamerikanische Mitglieder aufnehmen wolle, doch damit haben sie die Situation nicht verbessert. Zum einen, da diese Reform erst Ende des Jahres in Kraft treten sollte und sich so für die nun kommende Verleihung wenig ändern würde und zum anderen, weil die neuen Regeln viel zu schwammig und nicht weitreichend genug seien.


Nicht mal der einstige Haussender NBC wollte mit der Preisverleihung weiter zusammenarbeiten. Seit dem Jahr 1996 strahlte der TV-Sender jedes einzelne Jahr die Gala des Filmpreises aus. Auch wenn NBC die vergangene Verleihung nicht ausstrahlte, wird der Sender nächstes Jahr wieder die Veranstaltung übertragen. Während die Nominierten noch in einem Livestream auf YouTube bekanntgegeben wurden, fand die Verleihung 2022 vollends unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schauspieler, Streaming-Dienste, selbst Fernsehsender boykottierten den Filmpreis, also entschloss die Hollywood Foreign Press Association die Auszeichnung komplett intern zu halten.

Dies wurde erst drei Tage vor der eigentlichen Gala der 79. Auszeichnung bekanntgegeben. Es war ein „privates Event“ und die Gewinner wurden deshalb nur über die Website und die sozialen Medien verkündet. Die Boykott-Aufrufe haben also ihre Früchte getragen. Wenn eines die Auszeichnung prägte, dann war es die lockere, unterhaltsame Atmosphäre des Filmpreises. Weniger Glamour als bei der Oscar-Verleihung, mehr ein fröhlicheres, etwas intimeres Treffen der größten Stars der Filmbranche. Doch dieses Treffen war dieses Jahr sehr, sehr intim gehalten. Zu intim um überhaupt noch wirklich zu existieren?


Die Golden Golbes standen daher kurz davor, in Bedeutungslosigkeit zu geraten. Denn wer interessiert sich schon für einen Filmpreis, der nur sporadisch existiert, während es noch so viele andere Filmpreise gibt?


Bereits zuvor musste sich der Filmpreis seine Stellung mit dem Critics Choice Award streitig machen. Denn während man den Golden Globes die Ausstrahlung boykottierte, versuchte die Konkurrenz vom Critics Choice Award ganz frech einfach den eigentlichen Golden Globe-Austragungsort - den Beverly Hilton-Ballsaal - für den 9. Januar 2022 zu mieten. Aber unabhängig dessen galt es für die Verantwortlichen, clever und zeitgemäß auf die Misere zu reagieren.

Daher kündigte die Hollywood Foreign Press Association auch zeitnah an, weitreichende Maßnahmen zu ergreifen, um eine vielfältigere Jury aufzustellen. So ist die Organisation nun neu zusammengesetzt und es gibt strengere Regelungen, um eine Unterrepräsentation künftig verhindern zu können. Man gab an, aus den Fehlern gelernt zu haben und eröffnet nächstes Jahr wieder eine große Gala. Ob die Jubiläumsverleihung, die 80. Golden Globes, aber wirklich wieder großes Interesse und Begeisterung auf sich ziehen können, wird erst die Zukunft zeigen.

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