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Ein außergewöhnlicher Superhelden-Blockbuster: Kritik zu „The Batman“

Am 3. März 2022 kam der heiß ersehnte DC-Blockbuster „The Batman“ mit Robert Pattinson in der Hauptrolle des dunklen Ritters in die Kinos, der die Ursprungsjahre von Bruce Wayne beleuchtet...

Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


Die Ursprünge von „The Batman“ liegen im Juli 2015, als ein Solo-Film über den dunklen Ritter angekündigt wurde. Dieser sollte nach „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und dem 2017 erschienenen „Justice League“ handeln und sich in das von Zack Snyder aufgebaute DC Extended Universe einordnen und die Geschichte des von Ben Affleck verkörperten Bruce Wayne aka „Batman“ weitererzählen.

2016 war das Skript fertig und für die Regie wurde Ben Affleck selbst angekündigt. Während er sich bereits in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ seine Interpretation von „Batman“ schuf, wollte er in seinem Film die Figur mehr vertiefen. Zwar an den Comics orientiert, sollte die Geschichte aber seine eigene ganz neue Geschichte erzählen.


Anfang des Jahres 2017 wurde Affleck gebeten, jemand anderem die Inszenierung zu überlassen, so dass er sich selbst fest auf seine Rolle fokussieren könnte. Im Februar wurde dann Matt Reeves mit der Regie betraut. Dadurch wurde der Film arber auch nach hinten verschoben, da der Regisseur zu der Zeit noch an seinem Film „Planet der Affen: Survival“ arbeitete. Jedoch hatte er eine andere Vision von dem, was der „Batman“-Film sein sollte und so schrieb er das Drehbuch um. Wie er damals sagte, wolle er den dunklen Ritter mehr als Detektiv zeigen.


Die Produktion stand dann lange still, doch die Gerüchteküche um Ben Affleck kochte während dessen weiter. Viele Spekulationen kamen auf, ob der Schauspieler die Paraderolle nicht mehr verkörpern wird und im Januar 2019 bestätigte Ben Affleck den Ausstieg aus dem Projekt.

Der Film wurde von Matt Reeves neu ausgerichtet, der nun eine vom DC Extended Universe abgesetzte völlig neue Geschichte erzählen soll. Die Hauptfigur des Bruce Wayne wurde dann im Mai 2019 mit Robert Pattinson besetzt. Noch im selben Jahr fand sich die gesamte Besetzung ein und Zoë Kravitz, Paul Dano, Andy Serkis, John Turturro und zum Beispiel Jeffrey Wright schlossen sich dem „The Batman“-Film an.


Nach anfänglichen Findungsproblemen kam die Produktion in Fahrt und am 27. Januar 2020 begannen in London die Dreharbeiten. Im März platzte dann die Corona-Pandemie hinein und legte den Dreh erst einmal auf Eis. Im September wurden die Dreharbeiten dann zunächst wieder aufgenommen, doch nach nur drei Tagen wurde wieder ein Stopp eingelegt. Eine Corona-Infektion von Hauptdarsteller Robert Pattinson war wohl Grund hierfür.

Mitte Oktober ging es dann wieder los und man drehte den Film unter Berücksichtigung strengster Hygienemaßnahmen weiter. Nach einigen coronabedingten Verschiebungen konnte wieder gedreht werden, doch die Stimmung am Set soll sehr angespannt gewesen sein. In einem Bericht von „The Sun“ meinte eine unbekannte Quelle, dass Regisseur Matt Reeves am Rande eines Zusammenbruchs gewesen sei. Reeves soll die jeweiligen Szenen bis zu fünfzig Mal wiederholen lassen haben, was für Robert Pattinson im nicht gerade leichten Batman-Kostüm ein sehr schwieriges Unterfangen war. Matt Reeves soll dabei besonders angespannt und angsterfüllt gewesen sein und nur mit dickem Mantel und einer Skibrille am Set erscheinen sein. Am 13. März 2021 wurden die Dreharbeiten dann abgeschlossen.


Mit der anhaltenden Corona-Pandemie wurde der Film immer wieder nach hinten geschoben, doch jetzt – am 3. März 2022 – kam „The Batman“ endlich in die Lichtspielhäuser.


Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


Der neue „Batman“-Film wird nun die Ursprungsjahre des dunklen Ritters beleuchten. Seit zwei Jahren ist Bruce Wayne unter dem Synonym der Vergeltung auf den Straßen von Gotham unterwegs und er tritt als Schatten aus diesem heraus, um sich gegen die Verbrecherischen und Gewaltbereiten zu stellen. Aufwärts ging es aber nicht mit der Stadt, seit dem er auf die Straßen trat. Kann man die Stadt überhaupt retten?


Die Stadt steht vor einer Wahl, der Bürgermeisterwahl, und kurz zuvor wird der amtierende, bisherige Bürgermeister Don Mitchell brutal ermordet. Doch der maskierte Killer hinterließ eine Nachricht für den „Batman“, ein Rätsel und die Ankündigung, dass er die Wahrheit über Gotham demaskieren wird. Die Rätsel lösend macht sich „Batman“ auf die Suche nach dem Mörder. Doch dann schlägt er wieder zu...


Matt Reeves zeigt sein Gotham von der düstersten Seite. Es ist düster, dreckig und es regnet schier unaufhörlich. Doch auch wenn dies die Bilder des Films dominiert, gibt es immer wieder hoffnungsvolle und hellere Bilder der Hoffnung. Alleine die visuelle Darstellung von Gotham ist eine wunderbar gelungene Metapher.

Ich bin nur hier, um die Wahrheit über diese Jauchegrube, die wir Stadt nennen, aufzudecken“

- Der Riddler

Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


Es scheint so, als würde der Killer die korrupte politische Führung der Stadt aufdecken wollen und Bruce Wayne muss tief in die Unterwelt der Stadt eintauchen. Dort stößt er auf Selina Kyle aka „Catwoman“, die selbst ein wichtiges Puzzlestück im großen Rätsel ist. Während „Batman“ die heimlichen Mächte der Stadt langsam zu entlarven beginnt, führt der Riddler – wie sich der Killer nennt – seine brutale Mordspur weiter. Doch dann wird klar, dass alles zusammengehört: Die Bürgermeisterwahl und die Vergangenheit von Bruce Wayne. Doch das Ausmaß des Plans des Killers ist größer und schlimmer, als „Batman“ ahnte...


Matt Reeves widmete sich dem dunklen Ritter mit einer neuen Perspektive, die eine „geerdete“ Erzählweise einnimmt. Keine epische Superheldenreise sondern eine raue, düstere Geschichte die mehr ein Thriller als ein Action-Bombast ist.


Robert Pattinson ist der inzwischen Zwölfte, der den dunklen Ritter verkörpert. Doch seine Interpretation ist sicherlich eine, die einen Bruce Wayne zeigt, wie man ihn noch nie zuvor sah. Trotz seines unfassbaren Wohlstands als Milliardär lebt er sehr heruntergekommen und zurückgezogen. Das merkte auch sein Ersatzvater Alfred an, doch er entgegnete, dass nur seine Taten Vermächtnis sind, nicht sein Familienerbe. Robert Pattinsons „Batman“ ist nicht der schöne Held, sondern er ist Vergeltung.

In Gothams Sumpf formt sich aus aus dem detektivischen Bruce Wayne langsam ein Mensch, der im Menschen beginnt das Schlechteste zu sehen, wie es Selina Kyle selbst zu ihm sagt.


Zoë Kravitz spielt Selina Kyle aka „Batwoman“. Eine Figur, die früher oft sexistisch aufs äußerliche herunter reduziert wurde und im hautengen Katzenanzug wohl vor allem den männlichen Zuschauern gefallen haben dürfte, bekommt sie in Matt Reeves Interpretation endlich Tiefe. So schrieb er sie als eine bisexuelle Frau, die in Gothams Sumpf ihre Freundin verliert, die zu viel wusste. Ihre Trauer und der daraus resultierende Hass geben der Figur einen gewissen Reiz, den Zoë Kravitz nimmt und eine vielschichte wie zeitgemäße Interpretation von „Batwoman“ schuf.


Wenn wir uns nicht gegen ihn stellen, tut es niemand.“

- Selina Kyle


Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


Aber auch darüber hinaus ist der Film richtig gut besetzt und richtig gut gespielt. So zum Beispiel Colin Farrell, der Oswald Cobblepot aka „Penguin“ spielt oder natürlich Paul Dano der als Edward Nashton aka der Riddler begeistert.


Sein diesmaliger Widersacher - der Riddler - wurde inspiriert von einem realen Serienkiller. Nämlich vom Zodiac-Killer, dem Pseudonym, unter dem ein Serienmörder in den USA fünf Menschen ermordete. Über seine Grausamkeiten drehte bereits Regisseur David Fincher einen Film - „Zodiac - Die Spur des Killers“. Auch wenn der Film deshalb kein Horrorfilm war und im Großen und Ganzen Thriller und Krimi ist, gab es einige Momente des Horror-Genres. Und dies machte auch Matt Reeves, der zum Thriller Horror-Elemente in die Geschichte hineinbrachte.

Der Riddler selbst wird als maskierter und gnadenloser Wahnsinniger dargestellt, der sein Ziel der Demaskierung der Stadt mit einer gnadenlosen Härte anging. Brutal die Opfer nieder schlagend oder grauenhafte Foltermethoden – der Riddler spielt ein brutales Spiel mit der Stadt, den Menschen und „Batman“ selbst...


Doch es ist nicht nur die Suche nach dem Killer, es ist auch die Suche nach der Wahrheit über Gotham. Dabei erzählt der Film seine Geschichte sehr ausführlich und er schweift durchaus aus und erzählt eine große Geschichte. Dabei gelang es aber im Drehbuch immer wieder mit neuen Wendungen, Rätseln und anderen cleveren Entscheidungen, den Spannungsbogen über die durchaus langen 177 Minuten Lauflänge zu spannen, so dass der Film zwar sehr lang ist, doch aber inhaltlich viel erzählt. Denn die kriminalistische Geschichte wiederholt sich kaum, immer wieder werden neue, frische kleinere wie größere Wendungen eingestreut. So hält der Film seine Spannung durchweg aufrecht. Die Ermittlungen und Suchen werden nicht gestrafft, sondern auserzählt. Sicherlich hätte man den Film an der einen oder anderen Stelle straffen können, jedoch war es nicht die Intention von Matt Reeves, einen kurzweiligen Superhelden-Blockbuster zu drehen, es sollte ein atmosphärischer Thriller werden und um diesen aufzubauen, nimmt sich der Film die nötige Zeit. Auch sonst ist der Film durchaus außergewöhnlich inszeniert und wenn man die lockere Art von Marvel gewöhnt ist, kann gesagt sein: Humor findet man in „The Batman“ nur in recht kleinen Dosen, und wenn, dann nur über Situationskomik.


Auch sonst ist der Film für seine FSK 12 Altersfreigabe an den Grenzen hangelnd. Teilweise vulgärere Sprache und ein gnadenloser Killer, der durchaus nicht nur einmal auf seine Opfer eindrischt.

Eingerahmt ist die Geschichte von einem Epilog und schlussendlich von einem wunderschönen Epilog. Doch auch darüber hinaus kann das Drehbuch mit vielen, erstaunlich tiefgehenden Dialogen die Geschichte und ihre düstere Atmosphäre noch stimmungsvoller machen.


Es kann grausam, poetisch oder blind sein. Aber wenn es geleugnet wird, ist es vielleicht deine Gewalt, die du finden wirst.“

- Der Riddler


„Batman" und Cop James Gordon suchen nach dem Killer...

Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


Michael Giacchino gelang hier eine wunderschöne musikalische Untermalung, die selbst einen roten Faden inne hat. Anfang – Mitte – Ende – Der Soundtrack unterstreicht die düstere Erzählung, macht sie markant und einzigartig. Doch ihr gelingt es auch recht fein, eigene Töne für die jeweiligen Figuren zu finden und mit dem Voranschreiten der Figuren und ihren Entwicklungen ändern sich auch die musikalischen Tonalitäten. So bei Bruce Wayne, bei dem sich die musikalische Tonalität über den Film hinweg steigern und ändern wird.

Aber auch die Kameraarbeit verdient eine Erwähnung: Optisch sieht „The Batman“ einfach unglaublich aus. Denn durch die sehr gelungene Kameraarbeit werden besondere Nuancen erschaffen, die die Stimmung einer Szene prägen, und durch einige kreative, clevere Entscheidungen bekommt so manche Szene gerade wegen der oftmals unterschätzen Kameraarbeit erst ihre Wucht. Greig Fraser sind wahrlich große Blockbuster-Bilder gelungen!


Fazit:

„The Batman“ ist ein außergewöhnlicher Superhelden-Blockbuster, der sicher nichts für jeden ist. Wer nach einem spaßigen Action-Bombast sucht, wird wohl vor den Kopf gestoßen, denn der Film von Matt Reeves ist ein düsterer, atmosphärischer wie geerdeter Krimi-Thriller um den dunklen Ritter von Gotham.


8 von 10 Punkten


Bildnachweis: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. The Batman und alle zugehörigen Charaktere und Elemente sind Marken von und © DC Comics.


„The Batman“ ist seit dem 3. März 2022 bundesweit in den Kinos und ab dem 1. April 2022 als Download erhältlich.

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