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Ein unwürdiger Abschluss einer großen Filmreihe: Kritik zu „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“

Im Jahr 1990 brachte der US-amerikanische Schriftsteller Michael Crichton seinen Roman „DinoPark“ heraus, der die vor tausenden von Jahren ausgestorbenen Dinosaurier zurückbrachte. Eine Methaper über einen Vergnügungspark, der geklonte Dinosaurier zur Schau stellt. Doch die riesigen Reptilien sind für die Menschen gefährlich und schon bald gerät alles außer Kontrolle, die Dinosaurier brechen aus. Eine Prämisse, die Steven Spielberg verfilmen wollte und Universal Pictures erwarb für 1,5 Millionen US-Dollar die Filmrechte von Schöpfer Michael Crichton, der gemeinsam mit David Koepp das Drehbuch verfasste.


Drei Jahre später erschien dann der Steven Spielberg-Film „Jurassic World“, der heute Kult-Status genießt und der Ursprung eines weltweiten Phänomens. Im Jahr 1997 folgte die Fortsetzung „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und der Abschluss der ersten Trilogie „Jurassic Park III“ erschien im Jahr 2001.


22 Jahre nach den Geschehnissen des letzten Films und der Schließung des Jurassic Park entstand auf der pazifischen Insel Isla Nublar ein neuer Vergnügungspark, der den Namen Jurassic World trägt. Und so kam im Jahr 2015 der vierte Film der Dinosaurier-Filmreihe heraus, der im dem neuen Vergnügungspark seine Geschichte beginnt. Drei Jahre später folgte die Fortsetzung „Jurassic World: Das gefallene Königreich“, die die Geschichte der Dinosaurier in unserer Gegenwart und Realität fortsetzte. Die Frage, ob Dinosaurier in unserer Zeit leben dürfen, ob man sie retten sollte oder aussterben lassen sollte, flammte neu auf und dieses Jahr kommt es nun zum Abschluss der Jurassic-Ära: „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“

Vier Jahre nach den Geschehnissen des vergangenen Teils, in welchem die junge Maisie Lockwood die Dinosaurier freiließ und damit alles veränderte. Auf der ganzen Welt sind nun Dinosaurier und unser Ökosystem scheint zu zerbrechen. Können Mensch und Dinosaurier koexistieren?

Bildnachweis: © 2022 Universal Studios und Amblin Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.


Lewis Dodgson, der den Gentechnik-Konzern Biosyn gründete, will die Dinosaurier in ein für sie geeignetes und geschütztes Reservat umsiedeln. Jedoch sind ihre Bemühungen, Mensch und Dinosaurier zu retten und nebeneinander leben zu lassen, nur ein Schein nach außen hin...


Eine Frage, die bereits Michael Crichton mit seinem Roman aufwarf, war, wohin uns Kapitalismus und die menschliche Annahme, der Natur übergeordnet und überlegen zu sein, führen könnte. Was steckt hinter der Gentechnik, eine Chance oder ein Risiko, welches unsere Welt vernichten könnte. Die Profitgier des Menschen kehrte im finalen Teil in der Person von Lewis Dodgson zurück. Denn hinter dem gut aufgebauten Image des tier- und menschenfreundlichen Unternehmens Biosyn steckt ein perfides Konstrukt, welches weder Dinosaurier noch Mensch retten will...

Als Dr. Ellie Sattler in Texas auf überproportional große Heuschrecken stößt, die auffälliger Weise alles Getreide niedermachen, das nicht aus den von Biosyn entwickelten Getreidesaatangeboten wuchs, schöpft sie Verdacht. Einen Verdacht, dem sie nachgehen will. Also sucht sie ihren ehemaligen Partner und Freund Dr. Alan Grant auf. Nach anfänglichem Zögern schließt er sich ihr an und sie begeben sich auf Einladung von Dr. Ian Malcom ins Herz von Biosyn, um dort das üble Spiel das Lewis Dodgson aufzudecken...

Bildnachweis: © 2022 Universal Studios und Amblin Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.


Währenddessen leben Owen Grady und Claire Dearing gemeinsam mit Klonmädchen und Ziehtochter Maisie Lockwood recht abgelegen inmitten eines Waldes in der Sierra Nevada. Niemand darf wissen, dass sie dort sind, niemand darf wissen wo Maisie ist. Und so darf sie nicht das Anwesen verlassen, auch nicht in die naheliegende Stadt. Für die rebellische 14-jährige eine elende und quälende Situation, weshalb sie immer wieder ausreißt. Eines Tages kommt es dann zum Unvermeidlichen und während sie mit ihrem Fahrrad zur Stadt radelt, wird sie von Wilderern geschnappt und entführt...


Owen und Claire machen sich sofort auf, um sie wieder zu finden, sie zu befreien und landen schon bald in einem zwielichtigen Dinosaurier-Schwarzmarkt in Malta. Sie bekommen unerwartete Hilfe von der Pilotin Kayla Watts und doch kommen sie zu spät. Masie wurde bereits in den Unternehmenssitz von Biosyn eingeflogen. Doch sie geben nicht auf und fliegen zu dritt hinterher.

Wer sich jetzt fragt, welchen Part die Dinosaurier in ihrem titelgebenden Film einnehmen, stellt eine gute Frage, denn der große Abschlussfilm der Jurassic-Reihe widmet den Reptillien nur eine Nebenrolle. Die menschlichen Charaktere bilden den wichtigen Part und anstatt sich Tyrannosaurus Rex zu widmen, sehen wir zu groß geratene Heuschrecken – „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ erzählt eine Geschichte, die der Jurassic-Reihe unwürdig ist und für den großen Abschluss regelrecht erbärmlich ist...

Colin Trevorrow, der die „Jurassic World“-Trilogie mitschrieb und inszenierte, lässt eine der größten Filmreihen der Filmgeschichte in einem maßlos überladenen und nervenzerrend spannungsarmen Finale enden. Ein Film der viel erzählen will und in seinen 147 Minuten Lauflänge den Themen kaum Möglichkeit zur Entfaltung gewährte. Bei einem finalen Teil solch viele neue Handlungsstränge hineinzubringen, kann nicht gutgehen und wird zwangsläufig auf Kosten anderer Säulen der Geschichte scheitern. Man führt die Figuren, die bereits vor fast dreißig Jahren eingeführt wurden, ein letztes Mal zurück und hätte ein letztes Mal aus all den aufgebauten Handlungssträngen eine Geschichte schreiben können, die Tribut zollt und ein befriedigendes Ende schafft. Hätte man...


Am Ende sind es die titelgebenden Dinosaurier selbst, die viel zu kurz kommen, sie kreuzen immer wieder die Geschehnisse, bedrohen menschliche Protagonisten und bekommen im Finale einen kurzen Moment, in welchem sie gegeneinander ankämpfend die Alpha-Stellung klären.


Bildnachweis: © 2022 Universal Studios und Amblin Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.


Chris Pratt, der mit seiner Rolle des Owen Grady im ersten „Jurassic World“-Teil noch einen zentralen Platz einnahm, wird im Abschluss der Trilogie ebenfalls stark reduziert und bekommt nur noch wenige Momente. Auch die Chemie zu Bryce Dallas Howard, die Claire Dearing, die Freundin von Owen spielt, ist kaum wiederzufinden. Auf der Suche nach ihrer Ziehtochter kann man beide immerhin noch sehen...

Die fünfzehnjährige Schauspielerin Isabella Sermon bekommt dieses Mal einen größeren Fokus und sie gibt ihrer Rolle des Klonmädchens Maisie mehr Tiefe und etwas echtes: Eine Teenagerin, die sich nicht einsperren lassen will und sich selbst finden will. Ein Lichtblick und gleichzeitig einer der Gründe, warum die Geschichte sich verrannte und sich in zu vielen Handlungssträngen verlor. Die Rückkehrer aus der „Jurassic Park“-Zeit Laura Dern (Dr. Ellie Sattler), Sam Neill (Dr. Alan Grant) und Jeff Goldblum (Dr. Ian Malcolm) spielen ihre Figuren mit Herzblut und geben alles in diese hinein. Sie schaffen einige Gänsehaut-Momente und doch ist ihre Rückkehr sehr generisch geschrieben. Die Rückkehr legendärer Filmfiguren gelang anderen Filmreihen definitiv besser!


Fazit:

„Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ erzählt eine Geschichte, die der Jurassic-Reihe unwürdig ist und für den großen Abschluss regelrecht erbärmlich ist...


4 von 10 Punkten


Bildnachweis: © 2022 Universal Studios und Amblin Entertainment. Alle Rechte vorbehalten.

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