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Kritik zu „Manta, Manta - Zwoter Teil“: Ein gelungenes Revival?

Der Film, auf den die Nation laut Plakat über 30 Jahre gewartet hat, ist im Kino angelaufen. Mehr als drei Jahrzehnte sind verstrichen, seit die Kult-Komödie „Manta, Manta“ in die Kinos kam, nun sind Til Schweiger als Autoliebhaber Bertie und Tina Ruland als Uschi wieder zurück auf der großen Leinwand. Wie gut ist das Revival?


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Gleich der erste Film mit Til Schweiger wurde zu einem großen Erfolg und war der Startschuss einer sehr erfolgreichen Karriere. Die Komödie „Manta, Manta“, die im Jahr 1991 erschien und über den Autoliebhaber Bertie erzählte, der stolzer Besitzer eines getunten Mantas ist. Zwischen Wettrennen, der Liebe und dem Tunen ist die deutsche Komödie einer der größten Erfolge des deutschen Films und jetzt - zweiunddreißig Jahre später – ist die Fortsetzung in die Kinos gekommen.


Nach dem großen Erfolg des ersten Teils hatten viele den Wunsch einer Fortsetzung und immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Gerüchte um einen zweiten Teil auf. Bereits im Jahr 2008 gab es erste Spekulationen. Zwei Jahre darauf berichtete dann die Zeitschrift 20 Minuten, dass die Entwicklung eines Sequels begonnen wurde. Als aber dann Anfang des Jahres 2011 Bernd Eichinger, der den ersten Film produzierte, verstarb, erloschen wieder die Gerüchte.


Im Jahr 2018 wurde Til Schweiger danach befragt, ob jemals eine Fortsetzung kommen wird. Damals meinte er, dass er bereits vergeblich versuchte, die Filmrechte von Filmverleih Constantin Film abzukaufen, damit er sich selbst um eine Fortsetzung kümmern könne. Dazu kam es zwar nicht, jedoch machte Martin Moszkowicz, Vorsitzender von Constantin Film, ein Jahr später wieder Hoffnung auf eine Fortsetzung. Denn damals sagte er, dass bereits seit geraumer Zeit an einem Konzept und einem Drehbuch für einen zweiten Teil gearbeitet würde.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Im April des letzten Jahres kündigte Til Schweiger letztlich offiziell an, dass er „Manta, Manta 2“ umsetzen wird und auch wieder nach über drei Jahrzehnten in die Rolle des Bertie schlüpft. Auch Tina Ruland, die die Uschi spielte, ist wieder dabei. Til Schweiger hatte sie im Urlaub angerufen und sofort für das Projekt begeistern können, wie die 55-jährige Schauspielerin verriet und ankündigte, dass auch alle anderen Kollegen wieder zurückkehren werden. Doch ist der Manta inzwischen eingerostet, oder kann die Faszination neu erweckt werden?

Darum geht es:


Die bekannten Manta-Fans Bertie, Uschi und Klausi sind wieder da, jedoch hat sich ihr Leben in den zurückliegenden dreißig Jahren verändert. Bertie hat seine Rennfahrerkarriere schon vor einiger Zeit beendet und betreibt nun eine Autowerkstatt mit angeschlossener Kart-Bahn. Doch um die Zukunft steht es schlecht, Bertie gerät in immer schlimmer werdende finanzielle Schwierigkeiten. Die Bank fordert die Tilgung ein, ansonsten droht die Zwangsversteigerung seines Grundstücks. Bertie ist verzweifelt, denn er hat kein Geld, um die Tilgung zu bezahlen und seine Werkstatt und Kart-Bahn laufen nicht gut genug, um das nötige Geld zu verdienen.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke


Als er von einem 90er-Jahre-Rennen auf dem Bilster Berg hört, das eine sehr hohe Siegprämie verspricht, sieht Bertie seine Chance gekommen. Er will das Rennen gewinnen und die Siegprämie für die Tilgung des Darlehens verwenden, um sein Grundstück zu retten. Doch dazu muss er seinen alten Opel, den legendären Manta aus vergangenen Tagen, wieder auf Vordermann bringen, um ihn gegen die heutige Konkurrenz bereit zu machen. Kann er das Rennen gewinnen und seine finanziellen Probleme lösen?

Die Rezension:


„Manta, Manta - Zwoter Teil“ ist der neueste Versuch, einen Klassiker der Filmgeschichte zurück auf die Leinwand zu bringen. In den letzten Jahren haben bereits verschiedene Hollywood-Filme gezeigt, dass eine erfolgreiche Fortsetzung oder Neuauflage von alten Klassikern durchaus möglich ist. So konnte beispielsweise „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ oder zuletzt „Top Gun: Maverick“ an den Erfolg ihrer Vorgänger anknüpfen und sowohl Fans als auch Kritiker überwiegend positiv stimmen. Auch bei „Manta, Manta - Zwoter Teil“ setzte man offensichtlich auf das erfolgversprechende Geschäft mit der Nostalgie.

Um ein heutiges Publikum erreichen zu können, hat das von Til Schweiger mit verfasste Drehbuch den Fokus der Geschichte umgekrempelt. Ging es im ersten Teil um eine Gruppe energiegeladener Autofans, beschreibt die Fortsetzung ein klassisches Familiendrama aus dem Hause Schweiger. Streng nach der bekannten Schablone eines „A Til Schweiger Film“ baut die Handlung generische Konflikte auf. Bertie und Uschi haben nun zwei Kinder, die in etwa das Alter haben, das sie selbst im ersten Teil hatten. So geht es fast den gesamten Film nicht um den titelgebenden Manta. Stattdessen wird die Handlung von großen Generationskonflikten geprägt, insbesondere zwischen Bertie und seinem Sohn Daniel.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Der erste Teil war ein Kassenschlager in den 90er-Jahren, aber eben auch, da der Manta damals ein populäres Auto war und die Manta-Witze sehr verbreitet waren. Der zweite Teil dagegen wirkt wie ein schlechter Manta-Witz, der einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Die Handlung des ersten Films bestand aus einer Aneinanderreihung von Witzen und hatte kaum eine wirklich zusammenhängede Geschichte. Es gelang dennoch ein Kultfilm, da sich der Streifen nicht ernst nahm und einfach unterhalten wollte und das hatte seinen Charme.


Leider ist Til Schweiger in der Fortsetzung dieser Tradition nicht treu geblieben. Stattdessen inszeniert er einen vor Kitsch triefenden Blockbuster, der zwar stellenweise witzig ist, dessen Sinn sich jedoch letztlich nicht erklären lässt. Die selbstironische Note des ersten Teils ist praktisch nicht mehr vorhanden und stattdessen wird der Zuschauer mit einer bombastischen Inszenierung konfrontiert, die sich aus der simplen Handlung nur schwerlich herleiten lässt. Nur die Eröffnungsszene, wenn Schweiger auf seinem Fahrrad über die Straße brummt, hat noch etwas selbstironisches, bevor es plötzlich sehr ernst wird. Die Fortsetzung hätte mindestens zwei Jahrzehnte früher kommen müssen, um noch das titelgebende Auto zelebrieren zu können. So wirkt sie einfach wie ein vergeblicher Versuch, an vergangene Erfolge anzuknüpfen.


Leider erfüllt „Manta Manta - Zwoter Teil“ auch das bekannte Sprichwort „hast du einen gesehen, hast du alle gesehen“. Der Film folgt einem typischen Aufbau, der sich auch in der immer gleichen Til-Schweiger-Dramaturgie widerspiegelt und den immer selben Mustern folgt, ohne aus diesen auszubrechen. Dadurch hat man stellenweise das Gefühl, sich in einem anderen Til Schweiger-Film zu befinden, der rasante Autospaß wird erst im Finale kurzzeitig wiederbelebt. Es fehlt an kreativen Ideen und neuen Ansätzen, um den Film von anderen Filmen aus Schweigers Filmografie abzuheben.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

So mag „Manta Manta - Zwoter Teil“ ein Film sein, der Fans der Schweiger-Filme und Kinogängern, die seichte und einfache Unterhaltung suchen, gefällt, doch darüber hinaus fällt der Film sowohl inszenatorisch wie inhaltlich eher durch. Besonders das Schauspiel schwankt in der Qualität doch sehr. Besonders schade, dass ausgerechnet Tina Ruland negativ heraussticht. Nach dem spielfreudigen ersten Film ist in der Fortsetzung keine einzige Zeile betont ausgesprochen, so dass ihre Dialoge keine Emotionen oder Stimmungen übermitteln können. Michael Kessler hingegen spielt seinen sympathischen Dummen alias Klausi ganz passabel, auch wenn seine Figur für das Gag-Feuerwerk gnadenlos herunter reduziert wird und seine Figur so sehr eindimensional ist.


Nilam Farooq wirkt unterdessen völlig deplatziert. Sie kann keine Chemie mit den anderen Darstellern entwickeln. Dass Luna Schweigers Rolle neben ihrem Kosenamen „Mücke“ keinen weiteren Namen erhielt, sagt bereits etwas darüber aus, wie stiefmütterlich sie vom Drehbuch abgefrühstückt wurde. Dennoch kann man Luna Schweiger selbst nicht absprechen, sich alle Mühe gegeben zu haben. Immerhin sind Moritz Bleibtreu, Wotan Wilke Möhring und Axel Stein wie gewohnt sehr solide.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Auch in seinem neuesten Film ist Til Schweiger mal wieder in gewisser Weise er selbst. Wirkliche Unterschiede zwischen seinen Rollen lassen sich charakterlich nur schwer herausarbeiten. Dass in Schweigers Figur noch der Autofan Bertie aus den Neunzigern steckt, ist kaum noch wiederzuerkennen. Dennoch kann man sagen, dass er in „Manta Manta - Zwoter Teil“ seine schauspielerischen Fähigkeiten besser zur Geltung bringen kann und zeigt, dass er durchaus ein gewisses Talent hat, das jedoch oft von seinem Hang zur Selbstinszenierung überschattet wird. Auch die gute Performance von Tim Oliver Schultz als sein Sohn Daniel kann hier positiv hervorgehoben werden.


Nicht nur schauspielerisch, auch technisch gesehen ist „Manta Manta - Zwoter Teil“ sehr durchwachsen. Vor allem das gesamte Musik- und Soundeffekt-Department ist eine Katastrophe ohne Feingefühl. Wie in vielen anderen Werken von Til Schweiger drückt er auch in diesem Film viel durch Songs aus. Ständig laufen irgendwelche Songs durch den Film, und ruhige Momente gibt es fast nie. Die Musik dient als ständiger Begleiter und soll die Geschichte voran treiben. Dies wird aber auch schnell ermüdend und aufdringlich. Dabei versucht der Streifen erst gar nicht, Emotionen subtil darzustellen, sondern erzwingt sie durch die Hintergrundmusik. Das feine Gespür für den richtigen Einsatz von Musik fehlt dem Film gänzlich. Wenn es um Liebe geht, setzt zum Beispiel einfach „What Is Love“ ein.


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Die Kameraarbeit von Til Schweiger ist wie gewohnt dauerüberbelichtet. Auch wenn ein paar nette Einstellungen noch gelangen, ist die Kameraarbeit spätestens im Finale wieder sehr beschränkt und uninspiriert. Das eigentlich epische Autorennen wird mit gerade einmal zwei Kameraeinstellungen gedreht. Eine Totale und eine Ansicht von Schweigers konzentriertem Kopf. Während die spannungsgeladene Musik immer aufdringlicher wird, wechseln die Bilder, intensiv wird es jedoch nicht. Nie wird gezeigt, wie Schweiger im Auto hantieren muss, die Reifen über die Straße schrammen oder irgendetwas anderes, um das Rennen spannend zu inszenieren. Auch wenn mal ein Auto durch die Luft fliegt, bleibt das Autorennen im Finale überraschend spannungsarm.

Die inflationäre Nostalgie-Welle der letzten Jahre hat nicht nur eine Flut von Wiederbelebungen von alten Klassikern hervorgebracht, sondern auch viele Neuauflagen, die sich zu sehr auf dem ausruhen, was früher schon einmal erfolgreich war. Allerdings ist es umso enttäuschender, wenn selbst diese Neuauflagen nicht einmal den Anschein erwecken, dass sie sich an der Vorlage orientieren. So geschehen bei „Manta Manta – Zwoter Teil“. Der Film, der mit dem Versprechen eines erneuten Aufeinandertreffens des legendären Mantas wirbt, entpuppt sich eher als falsches Versprechen, dass auch „Kokowääh 3“ hätte heißen können. Denn den eigentlichen Manta, mit dem der Film beworben wird, gibt es nur für eine Szene …


Bildnachweis: © Constantin Film Verleih / Bernd Spauke

Gerade bei einer Neuauflage eines so ikonischen Films wie „Manta Manta“ hätte man sich gewünscht, dass sich die Macher mehr an der Vorlage orientieren würden, anstatt sie nur als Vorwand für einen weiteren Til-Schweiger-Film zu missbrauchen. Es ist enttäuschend, dass sich der Film nur oberflächlich mit der Original-Vorlage auseinandersetzt und stattdessen versucht, die Zuschauer mit plumpen Nostalgie-Momenten zu ködern. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Originalfilm als das zu belassen, was er ist: ein Klassiker der deutschen Filmgeschichte, der zur Zeit der Manta-Witze einen Nerv der Zeit getroffen hat.

Fazit:


Für Fans von Til Schweiger und Kinogänger, die einfache Kinounterhaltung suchen, kann „Manta Manta - Zwoter Teil" geeignet sein, doch für Filmliebhaber wird der Streifen enttäuschend sein. Sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich kann der Film nicht überzeugen und bleibt hinter den Erwartungen zurück, die ein Revival des Klassikers geweckt hat. Alles in allem bleibt der Eindruck, dass dieser Film nur als Mogelpackung dient, um auf der Nostalgie-Welle mitzuschwimmen. Wer nach einem gelungenen Sequel sucht, wird hier vermutlich nicht fündig.


3 von 10 Punkten


„Manta Manta - Zwoter Teil" ist seit dem 30. März 2023 in den Kinos.





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