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Kritik zu „Next Goal Wins“: Underdogs im Rampenlicht

Aktualisiert: 21. Jan.

Taika Waititi meldet sich zum Auftakt des Filmjahres 2024 mit „Next Goal Wins“ auf der großen Kinoleinwand zurück. Im Gegensatz zu seinem letzten Marvel-Blockbuster „Thor 4: Love and Thunder“ präsentiert er diesmal eine deutlich kleiner produzierte Sportkomödie mit Michael Fassbender in der Hauptrolle. Basierend auf wahren Ereignissen verspricht der Film eine humorvolle und skurrile Geschichtsstunde. Doch ist es Waititi gelungen, die Prämisse mit seinem einzigartigen Humor zu durchdringen?


Bildnachweis: © Walt Disney Studios Motion Pictures


In den Weiten des Pazifischen Ozeans, umgeben von traumhaften Stränden und einer atemberaubenden Natur, liegt das idyllische Amerikanisch-Samoa, eine Inselgruppe mit einer Fläche von gerade einmal 199 Quadratkilometern und weniger als 50.000 Einwohnern. Ein Ort, den man eher mit entspannten Urlaubstagen verbindet als mit tobenden Sportarenen und hitzigen Fußballspielen. Doch hinter den Kulissen dieser exotischen Inselwelt verbirgt sich eine Geschichte, die weit über das Klischee von Postkartenmotiven hinausgeht.


Amerikanisch-Samoa mag klein sein, aber es hat eine Fußballnationalmannschaft, die sich in den Geschichtsbüchern verewigt hat – wenn auch auf eine weniger glorreiche Weise. Mit einem traurigen Rekord von 31:0 musste das Team im Jahr 2001 eine schmerzhafte Niederlage gegen Australien einstecken, die bis heute als die höchste in einem offiziellen Länderspiel gilt. Die amerikanisch-samoanische Fußballnationalmannschaft hat ihre ganz eigene Geschichte; ein kleines Fußballteam aus einem kleinen Inselparadies, das sich immer wieder den Herausforderungen stellt, obwohl es aufgrund der geringen Einwohnerzahl des Landes und der Vorherrschaft des American Football zu den Schlusslichtern der FIFA-Weltrangliste zählt.



Bildnachweis: © Walt Disney Studios Motion Pictures


Die Geschichte dieser außergewöhnlichen Fußballnationalmannschaft wurde bereits im Jahr 2014 im Dokumentarfilm „Next Goal Wins – Das Spiel ihres Lebens“ aufgegriffen, und nun, Jahre später, bringt Taika Waititi einen Spielfilm gleichen Titels heraus, der die erstaunliche Wandlung dieser Fußballnationalmannschaft festhält – von der historischen Niederlage zur Suche nach einem historischen Sieg.


Darum geht es:


Auf der kleinen Insel Amerikanisch-Samoa im Südpazifik scheint der Fußball im Jahr 2002 eine hoffnungslose Sache zu sein. Die Fußballnationalmannschaft hat nicht nur die Qualifikation zur Weltmeisterschaft im Vorjahr mit einem epischen 31-Tore-Debakel vergeigt, sondern es noch nicht einmal geschafft, einen einzigen Treffer zu landen. Die Inselbewohner träumen nun sehnsüchtig von zumindest einem Tor - ein Wunsch, der bisher unerfüllt blieb.


Um diesem Ziel näherzukommen, wird der englische Trainer Thomas Rongen eingeflogen. Thomas, der sich gerade mitten in einer Scheidung befindet und für seinen Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum bekannt ist, hat bereits mehrere Jobs aufgrund seiner berüchtigten Wutanfälle verloren. Dennoch soll der hitzköpfige Fußballtrainer den entspannten Inselbewohnern nun beibringen, wie man gewinnt …


Die Rezension:


Taika Waititi, der kreative Kopf hinter Filmen wie „Jojo Rabbit“ und „Wo die wilden Menschen jagen“, liefert mit „Next Goal Wins“ ein Werk, das so fern von seinen bisherigen Werken liegt, dass es beinahe wie eine Neuorientierung wirkt. Leider erweist sich dieser Schwenk nicht unbedingt als künstlerischer Triumph und lässt die gewohnte Originalität und Skurrilität des Regisseurs vermissen. Die Handlung von „Next Goal Wins“ basiert zwar auf wahren Begebenheiten und hat einen vielversprechenden Ausgangspunkt, den Waititi jedoch in Richtung seichtes Mainstream-Kino lenkt.


Bildnachweis: © Walt Disney Studios Motion Pictures


Dabei verliert der Film die Eigenwilligkeit, die man sonst von Waititi gewohnt ist. Generischer Humor und ein konventioneller Aufbau prägen so die schablonenhafte Sportkomödie, die trotz ihrer losen Verbindung zu den tatsächlichen Ereignissen nicht über seichte Unterhaltung hinausgeht. Die tatsächlich stattgefundene, außergewöhnliche Geschichte kommt hier nur in Ansätzen zum Vorschein.


Obwohl Waititi selbst polynesischer Abstammung ist, versäumt er es, sein tiefes Verständnis für die Kultur auf die große Leinwand zu übertragen. Die Einheimischen werden von außen als Sonderlinge präsentiert. So nimmt Waititi den leichten Weg, um ein westliches Publikum abzuholen, das naturgegeben kulturell mehr mit dem englischen Fußballlehrer Thomas Rongen anfangen kann. Doch eigentlich wäre Thomas der Neue und mit Waititi als Regisseur hätte man die Kultur nicht zu etwas Exotischem degradieren müssen. Man hätte aus ihr heraus erzählen können und hätte immer noch den weißen Neuling gehabt, um an und mit ihm die kulturellen Unterschiede komödiantisch aufzuarbeiten.


Bildnachweis: © Walt Disney Studios Motion Pictures


Auch die Darstellung des Trainers Thomas Rongen wurde im Film deutlich abgewandelt, wodurch ihm Charakterzüge zugeschrieben wurden, die in der Realität nicht zutrafen. Zum Beispiel hatte Thomas Rongen in seiner Trainerzeit überhaupt keine Probleme mit übermäßigem Alkoholkonsum und er zeigte eine offene und respektvolle Haltung gegenüber den kulturellen Bräuchen der Gesellschaft und Fußballmannschaft von Amerikanisch-Samoa.


Dafür kann die sympathisch und charismatisch agierende Besetzung vieles wettmachen und mit ihrer sichtbaren Spielfreude mitreißen. Auch neben einem zwar etwas zum Übertriebenen neigenden Michael Fassbender, der als Thomas Rongen mit einem perfekten Gefühl für Timing und einer Mimik, die bereits unterhaltsam ist, kann die Besetzung der Fußballmannschaft um Uli Latukefu, Oscar Kightley und David Fane überzeugen. Obwohl ihre Charaktere für die Dramaturgie etwas überzogen dargestellt sind – Waititi stellt die Mannschaft deutlich unsportlicher und untrainierter dar, als es das echte Nationalteam von Amerikanisch-Samoa zu jener Zeit war –, werden sie sympathisch und liebenswert verkörpert. So verliert der Underdog-Film nicht gänzlich an Charme und funktioniert noch immer als als seichte Unterhaltung.


Bildnachweis: © Walt Disney Studios Motion Pictures


Was Waititi auch wirklich elegant gelang, ist die Darstellung, wie mühelos Diversität in der samoanischen Gesellschaft gelebt wird. Der Film zeigt auf bemerkenswerte Weise, wie transidente Personen ein unentbehrlicher Bestandteil einer reinen Männermannschaft sein können, ohne Angst vor Ausgrenzung haben zu müssen. Der Film erinnert unsere oft als aufgeklärt geltende westliche Welt daran, wie weit die polynesische Gesellschaft bereits in dieser Hinsicht fortgeschritten ist. Jaiyah Tauasuesimeamativa Saelua brach als erste Fa'afafine, einem dritten Geschlecht in der polynesischen Kultur, in einem WM-Qualifikationspiel durch ihre Teilnahme Normen. Fa'afafine bietet nicht-binären und transsexuellen Menschen in dieser Gesellschaft eine anerkannte Identität.


Fazit:


Insgesamt mag „Next Goal Wins“ für die breite Masse unterhaltsam sein, aber für einen Regisseur von Waititis Kaliber bleibt die Sportkomödie hinter den Erwartungen zurück und die Originalität und Skurrilität, die man von ihm erwartet, bleiben größtenteils auf der Strecke.


5 von 10 Punkten


>>> STARTTERMIN: Ab dem 4. Januar 2024 im Kino


Weitere Informationen zu „Next Goal Wins“:

Genre: Sportfilm, Tragikomödie

Produktionsjahr: 2023

Laufzeit: 105 Minuten

Altersfreigabe: FSK 0


Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Iain Morris, Taika Waititi

Besetzung: Michael Fassbender, Oscar Kightley, Kaimana, Beulah Koale und viele mehr ...


Trailer zu „Next Goal Wins“:


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