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Kritik zum neuen Til Schweiger-Film "Die Rettung der uns bekannten Welt

Nach „Klassentreffen 1.0“ und „Die Hochzeit“ erwartet uns nun der nächste Til Schweiger-Film mit den immer gleichen Filmplakaten und der dunkelroten Schrift. Für sein neuestes Werk hat er zusammen mit Lo Malinke das Drehbuch geschrieben und hat selbst den Film inszeniert. Außerdem spielte er darin eine wichtige Rolle und hat den Film auch selbst geschnitten. Sein neuer Film „Die Rettung der uns bekannten Welt“ ist also wirklich ein „A Til Schweiger Film“.

Auch der altbekannte Sepia-Look des Films macht unverkennbar klar, dass es ein Film von Til Schweiger ist. Doch thematisch ist dieser neue Film ein ganz anderer als seine beiden Vorgänger. Denn er widmet sich einem ernsten Thema: Der bipolaren Erkrankung.

Doch ziemlich früh stellt sich die Frage:

Will der Film die Gefühlswelt eines bipolaren Menschen beleuchten oder in erster Linie unterhalten?

Er will beides, doch beides will nicht wirklich funktionieren. So karikiert er und versucht gleichzeitig das Dramatische nicht außer Acht zu lassen. Für einen letztlich doch recht oberflächlichen Film eine echte Gratwanderung, bei der er immer wieder etwas abrutscht.


Til Schweiger spielt die klassische Rolle - die er so mit Variationen seine ganze Laufbahn über verkörperte. Dieses Mal ist seine Figur, Hardy, doch wirklich deutlich interessanter geschrieben: Verletzlicher denn je, von Traurigkeit umnachtet mit dem Drang, seine Kinder zu beschützen.


Bildnachweis: Von Blanka Borová (Karolína Černá), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72866180


Damit kommen wir zu Paul, der eigentlichen Hauptfigur:

Der 18-Jährige Paul leidet unter massiven Stimmungsschwankungen. Tollkühn und voller Freude stürzt er sich in waghalsige Aktionen und ist später depressiv. Warum Paul so ist, wissen Vater und Sohn nicht, doch Hardy kann damit nicht umgehen. Als Paul schließlich in seiner depressiven Phase einen Selbstmord-Versuch unternimmt, gibt es für Hardy nur noch eine Möglichkeit: Er weist Paul in ein Therapiezentrum ein...


Die Klinik, in die Paul kommt, ist aber leider ein Topf, vollgestopft mit allen möglichen psychischen Krankheiten. Vom ständig redenden, nicht sozialfähigen Mädchen, dass unter dem Asperger-Syndrom leidet bis hin zum Jungen, der unter einer Zwangsstörung leidet, ist hier alles vertreten. Eine völlig überspitzte, mit Klischees überzogene Darstellung von Menschen, was bei einer Komödie aber zu akzeptieren ist.

Eine Klinik, die sich wahrscheinlich so mancher wünschen würde: Ein altes, schickes und nobles Gutshaus, in dem eine Ärztin und ein Pfleger sich fürsorglich um die weniger als zehn Patienten kümmern. So haben sie sehr viel Zeit für die Patienten und kümmern sich auch viel um diese. Eine sehr schöne, doch recht realitätsferne Darstellung eines Therapiezentrums.


Doch nicht nur die Klinik ist etwas romantisiert dargestellt, die ganze Welt, die Til Schweiger zeigt, ist wunderschön, hell und einfach zum Wohlfühlen. Alles sieht aus, wie eine von „Barefoot Living“ eingerichtete Luxus-Welt.

Die Ärztin wird von Emily Cox verkörpert, die die einfach gehaltene Figur solide spielt - mehr gibt die Ärztin „Katharina“ nicht her. Doch auch die anderen Bewohner der Klinik sind sehr austauschbar - die Merkmale ihrer jeweiligen Erkrankung zeichnen sie aus und nicht die Charakterisierung der Figur selbst. So ist die ständig strahlende Emma Schweiger recht unterhaltsam, aber je länger die Geschichte in der Klinik handelt, desto mehr nutzt sich dies auch wieder ab.


Hauptdarsteller Emilio Sakraya hat Spaß an seiner Rolle und das merkt man ihm an, er begeistert in den manischen Phasen und lässt die depressiven Phasen wirklich atmosphärisch werden.

Während „Paul“ langsam Anschluss bei den anderen Mitbewohnern der Klinik findet, wendet sich der ratlose, verzweifelte „Hardy“ an seine Arbeitskollegin „Anni“, die sich in diesen verliebte. Doch „Hardy“ blockt zunächst jegliche ihrer Annäherungen ab. Der Tod seiner Frau ist noch zu präsent...


Die „Anni“ funktioniert erst überraschend gut: Eine emanzipierte, kluge Frau, die leider immer mehr zum Abziehbild einer immer gut gelaunten, lächelnden besten Freundin von „Hardy“ verkommt.

„Die Rettung der uns bekannten Welt“ versucht sowohl die Geschichte des bipolaren Pauls als auch ein klassisches Til Schweiger-Feel-Good-Kino zu erzählen. So ist der Film auch mit seiner Lauflänge von 136 Minuten nicht gerade kurz. Einige Handlungsstränge strapazieren den Film und so kommt einiges zu kurz, auch wenn der Film sehr viel zeigt.


Paul lernt in der Klinik ein Mädchen kennen: Toni, die unkontrolliert Geräusche, ein Pfeifen oder Schimpfwörter von sich gibt, hat eine düstere Vergangenheit: So wurde sie von ihrem Onkel missbraucht. Doch ihre Mutter sieht alle Schuld nur bei dem selbst ernannten größten Fehler ihres Lebens, nämlich Toni selbst. Auch wenn dieses Thema dramatisch und eindringlich angesprochen wird, wird dieses sehr ernste Thema leider nur angeschnitten, und es wird nicht mehr weiter darauf eingegangen.


Als sie bei einem Besuch der Mutter völlig ausrastet, wird sie weggesperrt und an ein Bett fixiert. Doch in Pauls manischer Phase befreit er sie, und sie machen sich auf zu einem wilden Trip in die weite Welt hinaus. Doch Paul bleibt chronisch krank und so folgt auf jede manische, euphorische Phase auch wieder die Traurigkeit...


Ab diesem Zeitpunkt wird sich der Film langsam wie ein Roadmovie anfühlen, und so wirkt die folgende Geschichte viel zu plakativ und regelrecht kitschig. Emotionale Momente werden nicht durch die Inszenierung geschaffen, sondern durch die einsetzende Musik, die dann die Stimmung erschaffen soll. Traurige, atmosphärische Töne prägen so die Szenen und sind lange nicht mehr nur der begleitende, stimmungsverstärkende Score. Wie in seinen vielen anderen Werken drückt Til Schweiger auch dieses Mal wieder viel durch Songs aus. Einzelne Handlungstränge werden so in die Songs eingebettet und nicht anders herum. Irgendwann zog sich jedoch der inzwischen X-Mal gleiche, minimal jedoch veränderte, Song und seine immer wieder selbe Art die Geschichte voran zu treiben, in die Länge.


Doch zum Schluss gelingt dem Film ein schönes, wenn auch recht kitschiges Finale, wenn die emotionale Musik dann mal nicht reingeklatscht wird.

Während Til Schweiger noch bei anderen Filmen den Vorwurf für fehlende Diversität bekam, stopfte er diesen nur so voll mit Diversität: So gibt es dieses Mal ein schwules Coming Out und am Schluss sogar ein lesbisches Paar.


Alles in allem wäre hier wahrscheinlich auch „Weniger ist mehr“ besser gewesen. Das betrifft das Thema Diversität, aber auch den Film. Mit einem deutlicherem Fokus auf einen Handlungsstrang wäre hier noch viel mehr drin gewesen, aber dann wäre es auch kein Til Schweiger-Film mehr.



Fazit:


Der neue Til Schweiger-Film nähert sich sehr ernsten Themen und erzählt von Paul, der unter der bipolaren Krankheit leidet. Til Schweiger zeigt sich in „Die Rettung der uns bekannten Welt“ so verletzlich wie nie zuvor, und so ist seine Figur sogar interessanter als erst gedacht.

Til Schweiger macht oberflächliche Filme - das ist nichts Neues und das macht er auch hier. Doch dieses Mal hatte Til Schweiger einige interessante, clevere Ideen. Insgesamt ist „Die Rettung der uns bekannten Welt“ kein wirklich guter Film, aber er ist auch kein wirklich schlechter Film!


5 von 10 Punkten

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