38. European Film Awards vergeben: „Sentimental Value“ und „Sirât“ räumen Hauptpreise ab
- Toni Schindele

- vor 22 Stunden
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Der wichtigste europäische Filmpreis wurde verliehen: Am 17. Januar 2026 fanden im Haus der Kulturen der Welt in Berlin die 38. European Film Awards statt. Am häufigsten ausgezeichnet wurden „Sentimental Value“ und „Sirât“.

Die European Film Academy vergibt die European Film Awards seit 1988 und zeichnet damit jährlich europäische Kinoproduktionen sowie Filmschaffende aus Regie, Schauspiel, Drehbuch und technischen Gewerken aus. Die Ausrichtung der Preisverleihung wechselt zwischen Berlin und anderen europäischen Städten, 2026 fand sie erneut in der deutschen Hauptstadt statt. Im Zentrum der diesjährigen Auszeichnungen stand der Spielfilm „Sentimental Value“, der mit insgesamt sechs Preisen der erfolgreichste Titel des Abends war. Der Film wurde als bester europäischer Film ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus Preise für Regie, Drehbuch und Musik. Auch die beiden Hauptdarsteller wurden geehrt. Ebenfalls mehrfach ausgezeichnet wurde „Sirât“, das fünf Preise gewann und damit vor allem in den handwerklichen Kategorien auffiel.
Der Film erhielt unter anderem Auszeichnungen für Szenenbild, Kamera, Schnitt, Sound Design sowie Casting, eine Kategorie, die in diesem Jahr erstmals vergeben wurde. Mit insgesamt neun Nominierungen gehörte „Sirât“ bereits im Vorfeld zu den meistbeachteten Produktionen des Abends und setzte sich insbesondere im technischen Bereich durch. Als bester Animationsfilm wurde „Arco“ von Ugo Bienvenu ausgezeichnet. Der 2D-Animationsfilm, der bereits auf internationalen Festivals Aufmerksamkeit erregt hatte, setzte sich in einer Kategorie durch, die in den vergangenen Jahren zunehmend an Sichtbarkeit innerhalb der European Film Awards gewonnen hat. Der Preis für den besten Kurzfilm ging an „City of Poets“ von Sara Rajaei. Ehrenpreise erhielten Liv Ullmann für ihr Lebenswerk, Alice Rohrwacher mit dem Achievement in World Cinema Award sowie die Produktionsfirma Komplizen Film mit dem Eurimages Co-Production Award.
Der Ablauf der Verleihung unterschied sich deutlich von klassischen Awardshows. Das von Mark Cousins, Dascha Dauenhauer und Robert Lehniger verantwortete Konzept verzichtete weitgehend auf starre Abfolgen von Kategorien und setzte stattdessen auf filmhistorische Einordnungen, thematische Bildmontagen und performative Elemente. Historische Requisiten, filmische Essays und längere Unterbrechungen strukturierten einen Abend, der sich über mehrere Stunden erstreckte und bewusst Raum für Reflexion ließ. In den Redebeiträgen wurde wiederholt auf die gesellschaftliche Rolle des Kinos verwiesen. Vertreter der Akademie betonten die Bedeutung von Solidarität innerhalb der europäischen Filmbranche und verwiesen auf politische Entwicklungen, die kulturelle Freiräume zunehmend unter Druck setzen.
Nachfolgend die Gewinner der 38. European Film Awards in den
jeweiligen Kategorien in der Übersicht (Gewinner in grün):
In der Kategorie „European Film“:
„Sentimental Value“
„Ein Einfacher Unfall“
„Sirāt“
„In die Sonne schauen“
„Die Stimme von Hind Rajab“
In der Kategorie „European Film“:
„Fiume o Morte!“
„Tardes De Soledad - Nachmittage der Einsamkeit“
„Riefenstahl“
„Songs of Slow Burning Earth“
„Mit Hasan in Gaza“
In der Kategorie „European Animated Feature Film“:
„Arco“
„Dog of God“
Little Amélie Or The Character Of Rain“
„Olivia and the Invisible Earthquake“
„Geschichten aus dem Zaubergarten“
In der Kategorie „European Director“:
Joachim Trier für „Sentimental Value“
Yorgos Lanthimos für „Bugonia“
Oliver Laxe für „Sirāt“
Jafar Panahi für „Ein Einfacher Unfall“
Mascha Schilinski für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „European Screenwriter“:
Eskil Vogt und Joachim Trier für „Sentimental Value“
Santiago Fillol für „Sirāt“
Jafar Panahi für „Ein Einfacher Unfall“
Mascha Schilinski und Louise Peter für „In die Sonne schauen“
Paolo Sorrentino für „La grazia“
In der Kategorie „European Actor“:
Stellan Skarsgård für „Sentimental Value“
Sergi López für „Sirāt“
Mads Mikkelsen für „The Last Viking“
Toni Servillo für „La grazia“
Idan Weiss für „Franz K.“
In der Kategorie „European Actress“:
Renate Reinsve für „Sentimental Value“
Leonie Benesch für „Heldin“
Valeria Bruni Tedeschi für „Duse“
Léa Drucker für „Case 137“
Vicky Krieps für „Love Me Tender“
In der Kategorie „European Discovery – Prix FIPRESCI“:
„On Falling“
„Little Trouble Girls“
„My Father’s Shadow“
„One of Those Days When Hemme Dies“
„Sauna“
„Under the Grey Sky“
In der Kategorie „European Young Audience Award“:
„Siblings“
„Arco“
„I Accidentally Wrote a Book“
In der Kategorie „European Short Film – Prix Vimeo“:
„City of Poets“
„Being John Smith“
„L’Avance“
„Man Number 4“
„The Flowers Stand Silently, Witnessing“
In der Kategorie „European Casting Director“:
Nadia Acimi, Luís Bértolo und María Rodrigo für „Sirāt“
Yngvill Kolset Haga und Avy Kaufman für „Sentimental Value“
Karimah El-Giamal und Jacqueline Rietz für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „European Cinematographer“:
Mauro Herce für „Sirāt“
Fabian Gamper für „In die Sonne schauen“
Manu Dacosse für „Der Fremde“
In der Kategorie „European Editor“:
Cristóbal Fernández für „Sirāt“
Yorgos Mavropsaridis für „Bugonia“
Toni Froschhammer für „Die My Love“
In der Kategorie „European Production Designer“:
Laia Ateca für „Sirāt“
James Price für „Bugonia“
Jørgen Stangebye Larsen für „Sentimental Value“
In der Kategorie „European Costume Designer“:
Sabrina Krämer für „In die Sonne schauen“
Ursula Patzak für „Duse“
Michaela Horáčková Hořejší für „Franz K.“
In der Kategorie „European Make-Up & Hair Artist“:
Torsten Witte für „Bugonia“
Gabriela Poláková für „Franz K.“
Irina Schwarz und Anne-Marie Walther für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „European Composer“:
Hania Rani für „Sentimental Value“
Jerskin Fendrix für „Bugonia“
Michael Fiedler und Eike Hosenfeld für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „European Sound Designer“:
Laia Casanovas für „Sirāt“
Johnnie Burn für „Bugonia“
Amal Attia, Elias Boughedir, Lars Ginzel, Gwennolé Le Borgne und Marion Papinot für „Die Stimme von Hind Rajab“
In der Kategorie „Eurimages European Co-Production Award“: Komplizen Film
In der Kategorie „Lifetime Achievement Award“: Liv Ullmann
In der Kategorie „Achievement in World Cinema Award“: Alice Rohrwacher





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