Aus Paramount und Warner wird Skydance: Milliardenfusion steht vor dem Abschluss

Das Tauziehen um einen der größten Deals der Medienbranche geht ins Finale. Mehr als ein Jahr lang sorgte der geplante Milliardendeal für Schlagzeilen, Streit und überraschende Wendungen. Jetzt steht Hollywood vor einem der größten Zusammenschlüsse seiner Geschichte.

Was im Herbst 2025 mit ersten Übernahmeversuchen begann und zwischenzeitlich in einem bereits unterzeichneten Netflix-Deal mündete, steht vor dem Abschluss. Am 30. September gab ein US-Bundesgericht die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount frei, nachdem Paramount Vergleiche mit zwölf klagenden US-Bundesstaaten und der Writers Guild of America geschlossen hatte. Paramount und Warner Bros. Discovery bestätigten daraufhin den 6. Oktober als geplanten Closing-Termin. Dabei hatte Warner Bros. Discovery ursprünglich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Noch im Sommer 2025 bereitete der Konzern seine Aufspaltung vor: Warner Bros., HBO und HBO Max sollten in einer Studio- und Streamingsparte gebündelt werden, während CNN, Discovery und weitere lineare Sender in ein eigenständiges Unternehmen ausgelagert werden sollten.
Nach mehreren Übernahmeversuchen Paramounts leitete das Unternehmen im Herbst jedoch einen breiteren Verkaufsprozess ein. Am 5. Dezember erhielt zunächst Netflix den Zuschlag. Der Streamingdienst vereinbarte für einen Eigenkapitalwert von 72 Milliarden US-Dollar die Übernahme der Studio- und Streaminggeschäfte; die linearen Sender sollten zuvor als Discovery Global abgespalten werden. Innerhalb weniger Tage entwickelte sich daraus jedoch eine öffentliche Bieterschlacht. Paramount umging den Verwaltungsrat von Warner Bros. Discovery und wandte sich mit einem Barangebot von zunächst 30 Dollar je Aktie direkt an die Aktionäre. Als Warner am Netflix-Deal festhielt, zog Paramount im Januar vor Gericht, verlangte zusätzliche Informationen zu dessen Bewertung und kündigte eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat an.
Netflix wandelte daraufhin sein teilweise aktienfinanziertes Angebot in ein reines Barangebot von 27,75 Dollar je Aktie um. Ende Februar erhöhte Paramount jedoch auf 31 Dollar je Aktie in bar, verbesserte die Absicherung für den Fall eines regulatorischen Scheiterns und erklärte sich bereit, die Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar zu übernehmen, die Warner Bros. Discovery für den Ausstieg aus dem Netflix-Vertrag zahlen musste. Der Warner-Verwaltungsrat stufte das Angebot daraufhin als überlegen ein. Netflix verzichtete auf eine weitere Erhöhung, und am 27. Februar schlossen Paramount und Warner Bros. Discovery einen Übernahmevertrag über einen Eigenkapitalwert von rund 81 Milliarden und einen Unternehmenswert einschließlich Schulden von rund 110 Milliarden Dollar.
Nach der Zustimmung der Warner-Aktionäre im April und regulatorischen Freigaben in nach Paramount-Angaben 69 Jurisdiktionen entstand im Sommer in den USA noch einmal eine erhebliche Hürde. Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten verklagten die Unternehmen. Sie warnten, der Zusammenschluss zweier der fünf großen Hollywood-Filmverleiher könne den Wettbewerb um Produktionen, Kinoleinwände und Konditionen für Fernsehanbieter schwächen. Ein Gericht untersagte Paramount zunächst für 14 Tage den Abschluss; daraus wurde später eine mehrmonatige Blockade bis zu einer gerichtlichen Entscheidung oder einem Vergleich. Die Einigung mit den Bundesstaaten kam im September. Paramount verpflichtete sich unter anderem, in den ersten beiden Jahren nach der Fusion jährlich mindestens 30 und in den folgenden drei Jahren mindestens 32 Filme in US-Kinos zu veröffentlichen.
Mindestens vier Filme pro Jahr müssen unabhängige Produktionen sein. Zudem soll der Konzern innerhalb von fünf Jahren mindestens 1,5 Milliarden Dollar mehr in US-Produktionen investieren als auf Basis seines Produktionsniveaus von 2025. Bei einer Unterschreitung der vorgeschriebenen Filmzahlen drohen Zahlungen von 30 Millionen Dollar je fehlendem Film und unter bestimmten Voraussetzungen sogar eine Veräußerung von Miramax. Zusätzlich soll ein Fonds über 47,5 Millionen Dollar Beschäftigte unterstützen, die infolge des Zusammenschlusses ihren Arbeitsplatz verlieren. Parallel legte auch die Writers Guild of America ihre Klage nach einem Vergleich bei. Paramount zahlt 17,5 Millionen Dollar in den Gesundheitsfonds der Gewerkschaft und sagte für fünf Jahre Schutzregelungen für von der WGA vertretene Beschäftigte bei CBS News zu.
Die Gewerkschaft hält dennoch an ihrer Kritik fest und erklärte, sie erwarte weiterhin negative Folgen der Fusion für Autoren und die Branche. Mit der gerichtlichen Bestätigung des Staatenvergleichs am 30. September waren die wesentlichen rechtlichen Hindernisse für den Abschluss beseitigt. Beim Closing am 6. Oktober erhalten Warner-Aktionäre grundsätzlich 31 Dollar je Aktie. Da die Übernahme erst nach dem ursprünglich anvisierten 30. September vollzogen wird, kommt für jeden weiteren Kalendertag eine vertraglich festgelegte Zusatzzahlung von 0,00277778 Dollar je Aktie hinzu. Auch die Struktur des neuen Konzerns steht bereits weitgehend fest. David Ellison bleibt Chairman und CEO, während der bisherige Mattel-Chef Ynon Kreiz nach dem Closing als Co-CEO das Tagesgeschäft und die Integration beider Unternehmen übernehmen soll.
Ellison will sich stärker auf Strategie, kreative Ausrichtung, Technologie und Kapitalallokation konzentrieren. Paramount strebt Einsparungen und Synergien von mehr als sechs Milliarden Dollar an. Der gemeinsame Dachkonzern soll künftig Skydance heißen und ab dem Closing unter dem Kürzel „SKYD“ an der New York Stock Exchange gehandelt werden. Paramount und Warner Bros. bleiben darunter als eigenständige Studiomarken erhalten. Unter einem Dach befinden sich dann unter anderem Paramount Pictures, Warner Bros. Pictures, HBO, HBO Max, Paramount+, CBS, CNN und DC Studios sowie Marken und Franchises wie „Harry Potter“, DC, „Game of Thrones“, „Star Trek“, „Mission: Impossible“, „Top Gun“ und „SpongeBob Schwammkopf“. Für Warner Bros. Discovery endet damit eine kurze Unternehmensgeschichte: Der Konzern war erst 2022 aus der Fusion von WarnerMedia und Discovery hervorgegangen. Nun geht er gut vier Jahre später in einem neuen Medienverbund auf.





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