top of page

Zehn Preise für den Filmnachwuchs: FIRST STEPS Awards 2026 verliehen

Autorenbild: Toni Schindele
Toni Schindele
vor 16 Stunden
4 Min. Lesezeit

Zehn Auszeichnungen für den Filmnachwuchs: Im Theater des Westens wurden die FIRST STEPS Awards 2026 vergeben. Prämiert wurden Arbeiten aus Regie, Schauspiel, Drehbuch, Kamera und Produktion, vom dreiminütigen Animationsfilm bis zum abendfüllenden Spielfilm.


FIRST STEPS Awards 2026: Eine Preisträgerin hält bei der Preisverleihung im Theater des Westens eine Trophäe in die Höhe.
Bildnachweis: © FIRST STEPS / Eventpress

Mit „Ich verstehe Ihren Unmut“ hat Kilian Friedrich den FIRST STEPS Award für den besten abendfüllenden Spielfilm gewonnen. Das 93-minütige Langfilmdebüt begleitet die von Sabine Thalau gespielte Heike durch ihren Arbeitsalltag in einem Einkaufszentrum und richtet den Blick auf prekäre Beschäftigungsverhältnisse und eine Arbeitswelt, in der permanentes Improvisieren und Überforderung zum Normalzustand geworden sind. Die Jury hebt hervor, wie konsequent sich die Inszenierung an ihre Hauptfigur bindet: Heike sei „immer in Bewegung, immer einen Schritt hinter dem nächsten Problem“, während die Kamera ihren Rhythmus und permanenten Alarmzustand aufnehme. Friedrich übertrage seine dokumentarische Erfahrung ins Fiktionale und erzähle „roh, präzise und frei von Sozialkitsch“. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis ist die höchstdotierte Einzel-Auszeichnung des Abends.


Der Dokumentarfilmpreis ging an Daniela Magnani Hüller für „Was an Empfindsamkeit bleibt“. Vierzehn Jahre nach einem versuchten Femizid, den sie als 16-Jährige überlebte, kehrt die Filmemacherin darin zu ihrer eigenen Geschichte zurück. Statt die Tat klassisch zu rekonstruieren, beschäftigt sich der 91-minütige Film mit übersehenen Warnzeichen, Verantwortung und der Frage, wie Menschen Gefahren erkennen und einander schützen können. Die Jury würdigt die zurückhaltende filmische Form und beschreibt den Film als „zärtlich, ohne die Gewalt kleiner zu machen, und politisch, ohne seine Figuren zu Thesen zu machen“. Magnani Hüller erhält dafür 15.000 Euro. Als bester mittellanger Spielfilm wurde Maximilian Conways „Hasenfuss“ ausgezeichnet.


Das 30-minütige Drama zeigt, wie der Wunsch nach Anerkennung und Selbstverwirklichung nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Umfeld beeinflussen und belasten kann. Aus einer vertrauten Lebenswirklichkeit entwickle der Film eine zunehmend bedrängende Situation, ohne seine Figuren vorschnell moralisch einzuordnen. „Er verurteilt sie nicht, entschuldigt sie aber auch nicht“, heißt es in der Jurybegründung. So entstehe aus einer zunächst überschaubaren Geschichte ein vielschichtiges Nachdenken über Verantwortung, Selbsttäuschung und die Folgen des eigenen Handelns. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotiert. Den mit 10.000 Euro verbundenen Kurzfilmpreis gewann Hae-Sup Sin mit „Ban Dal“.


Der 21-minütige Film erzählt von der Begegnung einer Mutter und ihres Adoptivsohnes mit dessen leiblicher Mutter in Korea, begleitet von einer Übersetzerin, und verhandelt dabei Herkunft, kulturelle Unterschiede und Zugehörigkeit. Die Jury hebt hervor, dass Sin auf sentimentale Vereinfachungen verzichte und allen Beteiligten eine eigene emotionale Wahrheit zugestehe. Ihre Begründung fasst die Wirkung des Films schließlich knapp zusammen: „Ein Abend, ein Essen und nichts ist mehr wie vorher.“ Noch stärker verdichtet Yerkezhan Sabitbekova ihre Erzählung in „Qamajai“. Der nur drei Minuten lange Animationsfilm wurde in der Kategorie Short Steps ausgezeichnet und verbindet Dunkelheit und Schmerz mit Elementen traditioneller kasachischer Kunst.


Neben dem Animationsstil würdigt die Jury Farbgestaltung, Musik und erzählerische Konzentration: In kurzer Zeit würden intensive Emotionen mit einer reduzierten, klaren Bildsprache vermittelt, bevor der Film nach seinem Crescendo zu seiner politischen Aussage zurückkehre. Sabitbekova erhält 5.000 Euro. Der Götz George Nachwuchspreis ging an Georgia Rushton für ihre Darstellung in „Eggshells“. Sie spielt eine junge Kellnerin, die an ihrem Geburtstag von Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter eingeholt wird und zunehmend Schwierigkeiten hat, ihre Gefühle zu unterdrücken. Rushton entwickle die Figur vor allem über kleine Gesten und Blicke. „Mit ihren Blicken spricht sie Welten, behält aber ein Geheimnis“, beschreibt die Jury ihr Spiel. Diese Zurückhaltung verleihe der Figur eine stille Wirkung, die über das Ende des Films hinaus bestehen bleibe.


Die von der Götz George Stiftung gestiftete Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Für die Kameraarbeit an „Run Me Wild“ wurde Lea Dähne mit dem mit 7.000 Euro dotierten Michael Ballhaus Preis ausgezeichnet. „Vom ersten Kader an zieht uns die Bildsprache des Films in ihren Bann“, heißt es in der Jurybegründung. Gewürdigt werden Dähnes perspektivisches Erzählen und ihre Nahaufnahmen ebenso wie ihr Gespür für Raum, Bewegung, Licht und Farben, die sich zu einer geschlossenen, poetischen Bildwelt verbinden. Ebenfalls mit 7.000 Euro verbunden ist der No Fear – Bernd Eichinger Award, der in diesem Jahr an Justus Hagemann für seine produzentische Arbeit an „Vom bösen Blick“ ging. Hagemann habe den sensiblen Stoff bereits während der Entwicklung begleitet und unter begrenzten finanziellen Bedingungen eine Arbeitsweise ermöglicht, die künstlerischen Anspruch mit Verantwortung verbinde.


Die Jury würdigt insbesondere eine Produktion, die allen Departments kreativen Raum lasse und zugleich für ein sicheres Arbeitsumfeld sorge. Wenn „kreative Mitgestaltung, Verantwortung, Vertrauen und Teamarbeit“ zusammenkämen, zeige sich produzentische Arbeit in ihrer ganzen Stärke, heißt es in der Begründung. Der FIRST STEPS Award für das beste Drehbuch ging an Celina Rehr für „Blaue Stunde“. Ihr für einen abendfüllenden Spielfilm konzipierter Stoff erzählt von der elfjährigen Luisa, die mit ihren Eltern einen Sommerurlaub auf einem französischen Campingplatz verbringt, dessen zunächst erwartete Leichtigkeit zunehmend von der Alkoholkrankheit ihrer Mutter überschattet wird. Rehr erzählt die familiäre Krise aus der Perspektive eines Kindes, das längst mehr versteht und mehr Verantwortung übernimmt, als es eigentlich sollte.


Die Jury eröffnet ihre Begründung mit dem Satz: „Es gibt Geschichten, die ihre Wucht gerade daraus ziehen, dass sie nicht laut werden.“ Aus kleinen Beobachtungen und Luisas allmählichem Verständnis der familiären Situation entwickle das Drehbuch seine dramatische Wirkung. Rehr erhält 7.000 Euro. Der ebenfalls mit 7.000 Euro dotierte Big Audience Award ging an Patricia Schütz für den Serienpiloten „Operation Oberland“. Ihre Protagonistin Cosima wird unter anderem bei einer souverän durchgeführten Tumoroperation an einer Bulldogge im Hinterzimmer einer Kneipe eingeführt – eine Szene, die für die Jury bereits zeigt, wie das Drehbuch vertraute Genreerwartungen mit eigenständigen Einfällen verbindet.


Die Figuren hätten „Tiefe und Schmerz“ und bildeten damit die Grundlage für eine humorvolle und zugleich emotionale „Fish out of Water“-Erzählung. Ensemble und spezifische Welt des Stoffes böten nach Einschätzung der Jury Potenzial für mehr als eine Staffel. FIRST STEPS wurde 1999 von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann als private Nachwuchsinitiative der Filmwirtschaft gegründet. Ausgezeichnet werden Abschlussfilme und vergleichbare Arbeiten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. 2026 werden Preise in zehn Kategorien für Regie, Produktion, Bildgestaltung, Schauspiel und Drehbuch sowie verschiedene Filmformate vergeben; insgesamt sind die FIRST STEPS Awards mit 132.000 Euro dotiert. Die diesjährige Verleihung fand am 5. Oktober im Theater des Westens in Berlin statt.

Kommentare


Abonniere jetzt den Newsletter

und sei immer aktuell informiert!

Danke für's Einreichen!

© 2023 by Make Some Noise.

Proudly created with Wix.com

bottom of page