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Kehrtwende im Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery: Netflix gibt auf, Paramount greift zu

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 27. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Was lange wie ein nahezu entschiedener Deal wirkte, hat sich binnen weniger Tage grundlegend gedreht. Nach fast drei Monaten intensiver Bietergefechte um Warner Bros. Discovery ist der Streamingdienst Netflix offiziell ausgestiegen. Den Zuschlag erhält nun Paramount.


Gegenüberstellung der Warner-Bros.-Studios mit ikonischem Wasserturm und dem Haupteingang von Paramount Pictures – Symbolbild zur Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount nach dem Ausstieg von Netflix.
Bildnachweis: (l) Todd Dwyer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (r) Coolcaesar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery entwickelte sich zu einem der größten und härtesten Bieterwettstreits, die die internationale Medienbranche in den vergangenen Jahren erlebt hat. Es ging um Milliardenbeträge, strategische Weichenstellungen – und um die Frage, wem eines der traditionsreichsten Filmstudios Hollywoods künftig gehören soll. Nachdem Anfang Dezember noch alles auf einen historischen Zusammenschluss mit Netflix hinauszulaufen schien, hat sich das Kräfteverhältnis Ende Februar überraschend verschoben. Paramount legte nach, wurde erstmals vom Board von Warner Bros. Discovery ernsthaft berücksichtigt – und setzte sich schließlich durch, weil Netflix nicht mehr bereit war, den Preis weiter zu erhöhen. Ausgangspunkt der Entwicklung war ein Auktionsverfahren, das der Vorstand von Warner Bros. Discovery nach mehreren gescheiterten Annäherungen einleitete. Neben Paramount und Netflix beteiligten sich zeitweise auch Comcast sowie ein nicht öffentlich genannter weiterer Interessent.


Am 5. Dezember 2025 unterzeichnete Warner Bros. Discovery zunächst eine Vereinbarung mit Netflix, die den Erwerb des gesamten Eigenkapitals der Studiosparte zu einer Bewertung von 72 Milliarden US-Dollar vorsah. Der Deal umfasste zentrale Geschäftsbereiche wie Warner Bros. Pictures, HBO, den Streamingdienst HBO Max, die DC Studios sowie Warner Bros. Television. Der Abschluss wurde – vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen – für Ende 2026 bis Mitte 2027 avisiert. Doch der vermeintliche Sieger stand schneller unter Druck als erwartet. Paramount startete eine aggressive Gegenoffensive und richtete sich mit einem direkten Barangebot an die Aktionäre. Zunächst bot der Konzern 30 US-Dollar pro Aktie, später erhöhte er auf 31 US-Dollar in bar. Warner Bros. Discovery wies diese Vorstöße zunächst zurück und argumentierte, ein Ausstieg aus dem bereits unterschriebenen Netflix-Vertrag würde das Unternehmen mehrere Milliarden US-Dollar kosten – unter anderem durch Vertragsstrafen und zusätzliche Transaktionskosten.


Gleichzeitig stellte der Vorstand die Frage, ob Paramount die milliardenschwere Übernahme langfristig solide finanzieren könne. Statt sich mit der ablehnenden Haltung abzufinden, verschärfte Paramount den Druck deutlich: Das Unternehmen wandte sich direkt an die Aktionäre, kündigte an, bei der nächsten Hauptversammlung Einfluss auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrats nehmen zu wollen, und zog zusätzlich vor ein US-Gericht, um mehr Transparenz über die Bewertung des Netflix-Deals zu erzwingen. Aus einem reinen Preisduell wurde damit eine offene Machtfrage. Gleichzeitig rückten politische und regulatorische Risiken stärker in den Fokus. Öffentliche Kritik aus dem politischen Raum und die Aussicht auf langwierige kartellrechtliche Prüfungen erhöhten die Unsicherheit rund um den Netflix-Vertrag zusätzlich. Die entscheidende Wendung folgte aber erst vor wenigen Tagen.


Der Vorstand von Warner Bros. Discovery stufte das verbesserte Angebot von Paramount offiziell als „überlegenes Unternehmensangebot“ ein – ein formaler Schritt, der Netflix eine kurze Frist zur Nachbesserung eröffnete, ohne die bestehende Empfehlung sofort zurückzuziehen. Nur Stunden später zog Netflix jedoch die Konsequenzen: Das Unternehmen erklärte, sein Angebot nicht weiter erhöhen zu wollen, und zog sich aus dem Bieterverfahren zurück. Die Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters verwiesen darauf, dass der notwendige Preis wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei und der Deal stets nur eine optionale strategische Erweiterung dargestellt habe. In einem vom Branchenmagazin Deadline zitierten Statement heißt es unter anderem: „Da wir jedoch stets diszipliniert vorgegangen sind und der Preis, der erforderlich gewesen wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, finanziell nicht mehr attraktiv ist, lehnen wir es ab, das Angebot von Paramount Skydance zu überbieten.“


Außerdem heißt es in der Erklärung: „Wir sind überzeugt, dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. verantwortungsvoll weitergeführt hätten und dass unsere Transaktion die Unterhaltungsindustrie gestärkt sowie Produktionsarbeitsplätze in den USA erhalten und geschaffen hätte. Diese Transaktion war jedoch stets ein wünschenswertes Extra zum richtigen Preis, aber keine zwingende Voraussetzung.“ An den Finanzmärkten wurde der Rückzug von Netflix überwiegend positiv aufgenommen. Die Netflix-Aktie legte nachbörslich deutlich zu, auch Paramount verzeichnete Kursgewinne, während Warner Bros. Discovery leicht nachgab. Nun rückt der regulatorische Prozess in den Mittelpunkt. Ob die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount tatsächlich vollzogen wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Fest steht jedoch bereits jetzt: Die befürchtete Übernahme eines der letzten großen Hollywood-Studios durch einen reinen Streamingkonzern ist vorerst vom Tisch.

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