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„Maxton Hall“ wird zum Testfall für neue KI-Synchronisation: Prime Video verändert erstmals das Originalbild

Autorenbild: Toni Schindele
Toni Schindele
vor 19 Stunden
2 Min. Lesezeit

Wie weit darf künstliche Intelligenz in eine bereits gedrehte Serie eingreifen? Prime Video testet bei „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ ein neues Synchronverfahren, das nicht nur den Ton, sondern auch das Bild verändert.


Szenenbild aus „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“: Eine junge Frau in pinkfarbener Schuluniform und ein junger Mann im blauen Anzug stehen gemeinsam in einem historischen Korridor.
Bildnachweis: © Prime Video/Stephan Rabold

Synchronisation ist seit jeher ein kleines Spiel mit Kompromissen. Übersetzungen sollen Inhalt, Ton und Schauspiel des Originals möglichst genau bewahren, gleichzeitig aber in Satzlänge und Rhythmus zu den sichtbaren Mundbewegungen passen. Gerade in Nahaufnahmen muss deshalb manchmal die treffendste Formulierung einer besser passenden weichen. Prime Video dreht dieses Prinzip nun ein Stück weit um: Statt allein die Sprache ans Bild anzupassen, werden erstmals auch die Lippenbewegungen nachträglich auf die neue Sprachfassung zugeschnitten. Bei „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ lässt sich das Verfahren nun erstmals sehen.


Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Erzeugung künstlicher Stimmen, sondern die Bearbeitung des bereits gedrehten Bildes. Die englische Fassung wird weiterhin von menschlichen Synchronsprechern eingesprochen. Anschließend aber werden die sichtbaren Mundbewegungen von Harriet Herbig-Matten, Damian Hardung und den übrigen Darstellern mithilfe von KI und visuellen Effekten so verändert, dass sie enger mit der englischen Tonspur übereinstimmen. Prime Video bietet diese bearbeitete Version inzwischen für die ersten beiden Staffeln an; auch die dritte und finale Staffel soll bei ihrem Start am 9. Dezember entsprechend verfügbar sein. Bislang beschränkt sich das Verfahren auf Englisch.


Auf der Plattform wird die Fassung getrennt vom bisherigen Angebot unter dem Titel „Maxton Hall – The World Between Us (with Lip Sync for English Dub)“ geführt. Wie umfangreich diese Eingriffe ausfallen, legt Amazon bislang nicht offen. Unklar bleibt etwa, welches technische System verwendet wird, wie viele Einstellungen einer Folge verändert werden und an welchen Stellen zusätzlich klassische visuelle Nachbearbeitung notwendig ist. Raf Soltanovich, Vice President of Technology bei Prime Video und Amazon MGM Studios, erklärt lediglich, dass der Prozess kreativ begleitet werde.


Wer die bearbeiteten Fassungen konkret kontrolliert und nach welchen Maßstäben sie freigegeben werden, führt Amazon nicht näher aus. Mit KI in der internationalen Auswertung seiner Inhalte beschäftigt sich der Konzern bereits länger. 2025 erprobte Prime Video bei zwölf Filmen und Serien ein anderes Modell, bei dem mithilfe von KI zusätzliche Sprachfassungen entstanden. Der damalige Versuch richtete sich an Titel, für die zuvor keine entsprechende Synchronisation vorhanden war. Bei „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ liegt der Einsatz nun an einer anderen Stelle: Die Stimmen bleiben menschlich, verändert wird stattdessen die aufgezeichnete Darstellung im Bild.


Gerade deshalb ist die Einführung auch vor dem Hintergrund einer erst wenige Wochen alten Stellungnahme interessant. Am 11. August veröffentlichte der Bundesverband Schauspiel eine Antwort Amazons, wonach Prime Video bislang keine „mit KI erstellten oder von KI-Technologie unterstützten Synchronfassungen bei in Deutschland lizenzierten oder hergestellten Titeln veröffentlicht“ veröffentlicht habe. Das neue Verfahren ist mit einer vollständig maschinell erzeugten Synchronfassung zwar nicht gleichzusetzen. Es erweitert den KI-Einsatz jedoch um einen Bereich, der bislang unangetastet blieb.

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