Neue FFA-Publikumsstudie: So lief das Kinojahr 2025
- Toni Schindele

- 2. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Mehr Tickets, mehr ältere Besucher und ein überraschend enger Zusammenhang zwischen Streaming und Kino: Die neue FFA-Publikumsstudie für das zurückliegende Kalenderjahr 2025 ist da.

Die jährliche Publikumsstudie der FFA gilt als eine der wichtigsten Bestandsaufnahmen des deutschen Kinomarktes. Sie untersucht nicht nur, wie viele Menschen ins Kino gehen, sondern auch, welche Altersgruppen besonders aktiv sind, welche Filme funktionieren, wie Tickets gekauft werden, wann Kinobesuche stattfinden und welche Rolle Streamingdienste inzwischen im Verhältnis zum klassischen Kinobesuch spielen. Zunächst einmal: 2025 wurden insgesamt 88,6 Millionen Tickets verkauft. Gegenüber 2024 entspricht das einem Wachstum von vier Prozent. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Kinobesuchern erneut leicht auf 40,6 Jahre.
Bereits daran zeigt sich eine der zentralen Erkenntnisse der Studie: Das Kino altert strukturell mit seinem Publikum, verliert die jungen Zielgruppen aber deutlich weniger stark als häufig angenommen. Besonders stabil bleibt die Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen. Mit einer Reichweite von 64 Prozent stellen Jugendliche weiterhin die mit Abstand kinostärkste Bevölkerungsgruppe dar. Kein anderes Segment erreicht annähernd vergleichbare Werte. Gleichzeitig sinkt die Reichweite bei den 20- bis 29-Jährigen erneut auf 31 Prozent. Ebenso zeigt die Studie aber auch, dass ältere Zielgruppen stärker zurückkehren. Besonders deutlich wächst 2025 die Zahl der verkauften Tickets bei den 50- bis 59-Jährigen um 18 Prozent sowie bei Menschen über 60 Jahren um 13 Prozent.
Auch die Genreverteilung zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Generationen. Jugendliche bevorzugen weiterhin klar Komödien, Kinderfilme und Actiontitel, während bei älteren Zielgruppen zunehmend Dramen dominieren. In der Gruppe 60+ entfallen 43 Prozent der Tickets auf Dramen – mehr als auf jedes andere Genre. Actionfilme erreichen dort nur noch sieben Prozent. Das Kino fragmentiert sich damit zunehmend nach Alters- und Interessensprofilen. Außerdem liefert die Studie neue Erkenntnisse über das konkrete Besuchsverhalten. Der Großteil der Tickets entfällt weiterhin auf die ersten beiden Wochen nach Filmstart. 32 Prozent aller Tickets werden bereits in der ersten Woche verkauft, weitere 18 Prozent folgen in Woche zwei. Danach sinkt die Nachfrage deutlich ab. Besonders bei jüngeren Zielgruppen zeigt sich eine starke Konzentration auf den unmittelbaren Kinostart.
Ältere Besucher verteilen ihre Besuche dagegen stärker über längere Laufzeiten hinweg. Auch beim Zeitpunkt des Kinobesuchs unterscheiden sich die Altersgruppen deutlich. Jugendliche besuchen das Kino überwiegend vor 17 Uhr, während Erwachsene stärker die klassischen Abendvorstellungen zwischen 19 und 21 Uhr nutzen. Menschen über 60 Jahre gehen dagegen häufiger bereits tagsüber oder am frühen Abend ins Kino. Insgesamt bleibt das Wochenende dominant: 56 Prozent aller Tickets werden samstags oder sonntags verkauft. Beim Ticketkauf setzt sich gleichzeitig die Digitalisierung weiter fort. 51 Prozent aller Tickets wurden 2025 online gekauft. Besonders ausgeprägt ist dies bei den 20- bis 39-Jährigen, wo der Online-Anteil zwischen 63 und 68 Prozent liegt. Menschen über 60 kaufen ihre Tickets dagegen weiterhin überwiegend direkt im Kino.
Auffällig ist zudem die starke Bedeutung kurzfristiger Kaufentscheidungen: So wird ein großer Teil der Tickets weiterhin erst am selben Tag erworben. Besonders interessant fällt der Blick auf das Premiumsegment 3D aus. Nach dem schwachen Vorjahr wächst der 3D-Markt 2025 wieder deutlich. Die Ausgaben steigen um 34 Prozent auf 99 Millionen Euro, die Ticketverkäufe um 24 Prozent auf 7,1 Millionen Tickets. Dennoch bleibt das Format weit unter seinem früheren Stellenwert. 2015 lag die Reichweite von 3D-Filmen noch bei 20 Prozent der Bevölkerung, 2025 nur noch bei sieben Prozent. Besonders aufschlussreich ist schließlich der Vergleich zwischen Kino und Streaming. Die FFA widerspricht dabei indirekt der häufig vereinfachten Vorstellung, Streaming ersetze das Kino vollständig.
Laut Studie weisen SVoD-Abonnenten sogar eine höhere Kinoreichweite auf als die Gesamtbevölkerung. Während 31 Prozent der Bevölkerung 2025 mindestens einmal ein Kino besuchten, liegt die Reichweite unter Streaming-Abonnentinnen bei 36 Prozent. Gleichzeitig gehen SVoD-Nutzer mit durchschnittlich 4,8 Tickets pro Person deutlich häufiger ins Kino als der Durchschnitt aller Kinobesucher mit 3,8 Tickets. Der Markt entwickelt sich damit nicht als reiner Verdrängungswettbewerb zwischen Kino und Streaming, sondern als paralleles Konsumökosystem. Während Streaming den kontinuierlichen Alltagskonsum dominiert, übernimmt das Kino zunehmend die Rolle eines gezielten Premium-, Gemeinschafts- und Eventerlebnisses.





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