Neue Oscar-Regeln beschlossen: KI-Verbot, Mehrfachnominierungen und neue Chancen für internationale Filme
- Toni Schindele

- vor 10 Stunden
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Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences verschärft ihr Regelwerk für die 99. Academy Awards deutlich und zieht dabei eine klare Grenze gegenüber dem Einsatz künstlicher Intelligenz.

Die Oscars sind der weltweit bedeutendste Filmpreis und werden seit 1929 von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences vergeben, einer Institution, in der Tausende Filmschaffende aus allen Gewerken organisiert sind. Im März 2027 steht die 99. Verleihung an, bei der Filme ausgezeichnet werden, die 2026 in die Kinos gekommen sind. Dass die Regeln dabei regelmäßig angepasst werden, gehört zum System: Die Filmbranche verändert sich, neue Technologien entstehen, Produktionsweisen verschieben sich. Doch selten fielen diese Anpassungen so umfassend aus wie diesmal, unter anderem weil sie nicht nur Details im Auswahlverfahren betreffen, sondern auch eine grundsätzliche Frage klären: Welche Rolle künstliche Intelligenz künftig bei den Oscars spielen darf und welche nicht. Zu den einschneidendsten Änderungen zählt die Neuregelung der Schauspielkategorien.
Künftig können Darsteller für mehrere Leistungen in derselben Kategorie nominiert werden, sofern diese zu den fünf meistgewählten Beiträgen gehören. Damit wird eine jahrzehntelange Sonderregel aufgehoben, die bislang nur eine Nominierung pro Person und Kategorie zuließ. Die Anpassung zielt unter anderem darauf ab, strategische Verschiebungen zwischen Haupt- und Nebenrollen zu reduzieren. Parallel dazu wird festgelegt, dass ausschließlich Leistungen berücksichtigt werden, die nachweislich von realen Personen mit deren Einwilligung erbracht wurden. Diese Präzisierung ist Teil einer umfassenderen Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz. Die Academy stellt klar, dass KI-generierte Darstellungen nicht preisfähig sind. In den Drehbuchkategorien wird ausdrücklich verlangt, dass Texte von Menschen verfasst sein müssen. Darüber hinaus behält sich die Institution vor, bei Einreichungen detaillierte Angaben über den Einsatz generativer Technologien sowie den Anteil menschlicher Mitwirkung einzufordern.
Eine grundlegende Reform betrifft zudem den internationalen Wettbewerb. In der Kategorie „Bester internationaler Film“ wird künftig nicht mehr ein Land, sondern der Film selbst als nominierter Beitrag geführt. Der Regisseur wird namentlich auf der Oscar-Statuette genannt und nimmt die Auszeichnung stellvertretend für das kreative Team entgegen. Gleichzeitig erweitert die Academy die Einreichungswege: Neben der klassischen Nominierung durch nationale Auswahlkomitees können nicht-englischsprachige Filme auch durch den Gewinn eines Hauptpreises auf ausgewählten internationalen Festivals berücksichtigt werden, darunter die Internationale Filmfestspiele Berlin, die Filmfestspiele von Cannes, die Internationale Filmfestspiele von Venedig, das Sundance Film Festival, das Toronto International Film Festival sowie das Busan International Film Festival.
Diese Öffnung soll insbesondere Produktionen berücksichtigen, die von nationalen Gremien nicht eingereicht wurden, trotz internationaler Anerkennung. Auch in weiteren Kategorien kommt es zu strukturellen Anpassungen. In der Sparte Casting wird die maximale Anzahl der vergebenen Statuetten von zwei auf drei erhöht. In der Kategorie Kamera wird die Shortlist der Vorauswahl auf 20 Filme festgelegt. Für die Kategorie des Maskenbilds sowie für die besten visuellen Effekte werden Teilnahme- und Sichtungspflichten für stimmberechtigte Mitglieder eingeführt, um die Entscheidungsgrundlage zu standardisieren.





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