Nur noch 17 Tage: Netflix erwägt offenbar Kinofenster nach Übernahme von Warner Bros. zu verkürzen
- Toni Schindele

- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Einem neuen Bericht zufolge könnte Netflix nach der geplanten Übernahme von Warner Bros. ein deutlich verkürztes Zeitfenster auf der großen Leinwand von nur 17 Tagen einführen. Welche Auswirkungen hätte das für die Kinobranche?

Ein Branchenbericht aus den USA sorgt für Unruhe in Hollywood – und die entscheidende Information musste man beinahe zwischen den Zeilen entdecken. Eigentlich berichtete das Branchenmagazin Deadline darüber, wie das Finale von „Stranger Things“ bei der limitierten Kino-Auswertung abgeschnitten hat, dessen Showdown um Vecna und Eleven rund 25 Millionen US-Dollar eingespielt haben soll. Doch im selben Artikel heißt es außerdem, dass sich der hinter der Serie stehende Streamingdienst nach der geplanten Übernahme von Warner Bros. intern für ein 17-tägiges Kinozeitfenster ausgesprochen habe – ein Zeitraum, der deutlich unter bisherigen Standards liegen würde und erhebliche wirtschaftliche Folgen für Kinos und Verleiher hätte. Hierzulande verbleiben erfolgreiche Studiofilme häufig 40 bis über 70 Tage regulär im Programm. In den USA wurden frühere 90-Tage-Fenster zwar ohnehin bereits verkürzt; ein exklusives Verwertungsfenster von bis zu 60 Tagen ist aber noch immer recht üblich.
Netflix-Co-CEO Ted Sarandos betonte zuletzt gegenüber Investoren, man werde sich dafür einsetzen, Warner-Filme weiterhin innerhalb branchenüblicher Zeitfenster in den Kinos auszuwerten. Zugleich machte er deutlich, dass das Unternehmen kürzere und weniger exklusive Fenster grundsätzlich als publikumsnäher betrachte. Sarandos erklärte sinngemäß, entscheidend sei nicht, ob Filme ins Kino kämen, sondern wie lange und wie exklusiv diese Phase sei. Die US-amerikanische Kinokette AMC verweist ihrerseits auf Modelle um 45 Tage als wirtschaftliche Untergrenze, um Nachfragekurven auszuschöpfen. Denn besonders bei Großproduktionen wächst das Einspielergebnis traditionell erst über mehrere Wochen hinweg recht konstant an und insbesondere Warner Bros. hat eine große Reihe rennomierter Marken im eigenen Portfolio. Blockbuster mit etablierten Marken und wiedererkennbaren Figuren zählen für viele Kinos weiterhin zu den wichtigsten Umsatztreibern.
Sie sorgen für hohe Auslastung, generieren zusätzliche Erlöse über Premium-Formate wie IMAX oder 3D und bilden mit ihrem Reichweitenpotenzial häufig auch die wirtschaftliche Basis, um kleinere Produktionen überhaupt ins Programm nehmen zu können. Doch wenn das Publikum davon ausgeht, dass große Studiofilme schon nach kurzer Zeit im Streaming verfügbar sind, könnte tendenziell der Anreiz für einen Kinobesuch sinken. Einnahmen würden damit schneller vom klassischen Auswertungsmarkt in digitale Vertriebsformen abwandern – mit möglichen Folgen für die gesamte Kinoinfrastruktur. Ein Wegfall eines ausreichend langen exklusiven Auswertungszeitraums im Kino hätte folglich nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf einzelne Filmstarts, sondern könnte langfristig auch die Struktur der Filmvermarktung sowie die Rolle des Kinos als Erstverwertungsort grundlegend verändern. Entsprechend wird im Zusammenhang mit einem möglichen 17-tägigen Kinofenster bereits vor einem Kinosterben gewarnt – manche Branchenstimmen sprechen sogar von einem potenziellen Todesstoß für die große Leinwand.





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