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Christopher Nolan reagiert auf die massive Kritik an „Die Odyssee“: „Ich kann nur den bestmöglichen Film auf die aufrichtigste Weise machen“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 20 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Noch vor dem Kinostart ist Christopher Nolans Homer-Verfilmung „Die Odyssee“ zum Gegenstand einer umfangreichen Online-Kontroverse geworden. Jetzt ist der Filmemacher auf die massive Kritik an seinem neuen Film eingegangen.


Christopher Nolan spricht bei einer Veranstaltung auf einer Bühne in ein Handmikrofon und gestikuliert mit der rechten Hand. Im Hintergrund ist unscharf eine weitere Person vor einer großen Leinwand zu sehen.
Bildnachweis: © 2026 Getty Images

Drei Tage vor dem deutschen Kinostart von „Die Odyssee“ sorgt Christopher Nolans neuer Film nicht nur für große Vorfreude, sondern auch für heftige Kritik, die ihn bereits seit Monaten begleitet. In einem neuen Interview mit dem britischen Telegraph erklärte der Regisseur, weshalb er Urteile über einen noch ungesehenen Film nicht an sich heranlasse. Seit der Veröffentlichung der ersten Bilder und Trailer hat sich um „Die Odyssee“ eine ungewöhnlich scharfe Debatte entwickelt. Sie verbindet konkrete Kritik an Sprache, Ausstattung und Bildgestaltung mit einem politisch aufgeladenen Kulturkampf um die Besetzung einzelner Rollen. Nolan hatte nach eigener Aussage mit kontroversen Reaktionen gerechnet, hält die Diskussionen vor dem Kinostart jedoch für wenig aussagekräftig.


Mit „Die Odyssee“ adaptiert Nolan erstmals unmittelbar Homers antikes Epos über die Heimreise des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Der König von Ithaka begegnet auf seiner jahrelangen Fahrt unter anderem dem Zyklopen Polyphem, den Sirenen und der Zauberin Kirke, während seine Frau Penelope und sein Sohn Telemachos in Ithaka auf seine Rückkehr warten. Matt Damon übernimmt die Hauptrolle als Odysseus, Tom Holland spielt Telemachos, Anne Hathaway verkörpert Penelope und Zendaya die Göttin Athene. Zum weiteren Ensemble gehören Robert Pattinson, Charlize Theron, Lupita Nyong’o, Jon Bernthal, Benny Safdie, Mia Goth und Elliot Page. Nolan schrieb das Drehbuch, führte Regie und produzierte den Film gemeinsam mit Emma Thomas. „Die Odyssee“ startet am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, in den deutschen Kinos.


„Das gehört nun mal dazu“, sagte Nolan nun dem Telegraph über die Kritik. „Aber mal ehrlich, diese Diskussionen, bevor die Leute den Film gesehen haben – die sind immer irrelevant, weil ja noch niemand weiß, was der Film wirklich ist.“ Der Regisseur verwies dabei auf seine Erfahrungen mit der Batman-Trilogie, die er zwischen 2005 und 2012 mit „Batman Begins“, „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ realisierte. Als er die Figur übernommen habe, sei Batman bereits seit fast 65 Jahren von unterschiedlichen Autoren und Zeichnern interpretiert worden. Entsprechend hätten zahlreiche und teilweise widersprüchliche Vorstellungen darüber bestanden, was die Figur verkörpere und wie sie dargestellt werden müsse. Während der Arbeit an den Filmen habe er gelernt, solche Erwartungen auszublenden.


Entscheidend sei nicht, sämtliche Vorstellungen des Publikums zu erfüllen, sondern den Originalstoff aufrichtig aus der eigenen Perspektive zu interpretieren. „Man muss den Originaltext ehren, indem man ihn so interpretiert, wie man es persönlich am besten kann“, erklärte Nolan. Auch wenn Fans einzelne Entscheidungen anders getroffen hätten, könnten sie nach seiner Erfahrung anerkennen, wenn eine Adaption ernsthaft und mit Respekt vor ihrer Vorlage entstanden sei. „Ich kann nur den bestmöglichen Film auf die aufrichtigste Weise machen“, sagte Nolan. Dass seine Version anders ausfalle als die Vorstellungen anderer, sei kein Widerspruch, sondern gehöre zum Wesen einer Adaption.


Der größte Teil der Kritik konzentrierte sich bislang auf die Besetzung von Lupita Nyong’o als Helena von Troja und Klytaimnestra. Insbesondere konservative und rechte Kommentatoren warfen Nolan vor, die traditionell als hellhäutig dargestellte Helena aus Gründen moderner Diversitätspolitik mit einer schwarzen Schauspielerin besetzt zu haben. Elon Musk erklärte in den sozialen Medien, Nolan habe seine „Integrität verloren“. Der konservative US-Kommentator Matt Walsh verband seine Kritik zudem mit persönlichen Angriffen gegen Nyong’o und bezeichnete Nolan als Feigling. Zusätzlich verschärft wurde die Debatte durch verkürzt verbreitete Aussagen aus Nyong’os Interviews. Die Schauspielerin hatte eingeräumt, vor ihrer Besetzung nur wenig über die „Odyssee“ gewusst zu haben, sich anschließend jedoch intensiv mit Homers Texten beschäftigt zu haben.


In den sozialen Medien wurde häufig lediglich der erste Teil dieser Aussage aufgegriffen und als mangelnder Respekt vor der Vorlage interpretiert. Auch eine scherzhafte Bemerkung über die größere Bedeutung weiblicher Figuren in Nolans Adaption wurde zum Gegenstand der Kontroverse. Nyong’o hatte erklärt, sie würde Homer fragen, wie er die erweiterte Leinwandzeit der Frauen beurteile, nachdem diese in seinen Texten vergleichsweise wenig Raum erhielten. Im Zusammenhang des Interviews bezog sich die Aussage darauf, dass Nolans Film die Folgen des Trojanischen Krieges auch aus der Perspektive von Helena und Klytaimnestra betrachtet. In konservativen Beiträgen wurde daraus der Vorwurf, Nyong’o wolle Homer belehren oder dessen Werk abwerten. Neben dem Kulturkampf gibt es jedoch auch konkrete filmische Einwände.


Kritisiert werden vor allem die amerikanischen Akzente mehrerer Darsteller, die bewusst moderne Sprache der Dialoge und die düstere, stark entsättigte Bildgestaltung. Einige Zuschauer empfinden die zeitgenössischen Formulierungen als unpassend für ein antikes Epos. Andere verweisen darauf, dass auch frühere Monumentalfilme mit moderner englischer Sprache arbeiteten und eine Verwendung des homerischen Griechisch für ein heutiges Massenpublikum kaum zugänglich wäre. Die Intensität der Onlinekontroverse bedeutet zugleich nicht, dass „Die Odyssee“ von einem breiten Publikum abgelehnt wird. Vorstellungen im 70-mm-IMAX-Format waren teilweise bereits lange vor dem Kinostart ausverkauft, während Prognosen für das erste Wochenende in den USA und Kanada von Einnahmen zwischen 100 und 120 Millionen US-Dollar ausgehen.

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