Die große Oscar-Prognose 2026: Wer in den wichtigsten Kategorien gewinnen könnte
- Toni Schindele
- vor 41 Minuten
- 13 Min. Lesezeit
Selten war ein Oscar-Jahr so schwer vorherzusagen wie dieses. In mehreren Hauptkategorien fehlen klare Favoriten, und erst die letzten Branchenpreise haben die Dynamik des Rennens spürbar verändert.

Hollywood blickt wieder auf die wichtigste Nacht des Filmjahres. Bei den 98. Oscars entscheidet sich, welche Filme und Filmschaffende in diesem Jahr die begehrten Goldjungen erhalten. Anders als in vielen früheren Jahren ist das Rennen diesmal ungewöhnlich offen und genau das macht die Oscar-Nacht besonders spannend. Die Oscars – offiziell die Academy Awards – sind die bekanntesten Filmpreise der Welt. Verliehen werden sie seit 1929 jedes Jahr von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, einem Zusammenschluss aus mehreren tausend Filmschaffenden aus allen Bereichen der Branche – von Schauspiel über Regie und Drehbuch bis hin zu Technik und Produktion. Ihre Stimmen entscheiden darüber, welche Filme und Leistungen am Ende ausgezeichnet werden. Die 98. Oscar-Verleihung findet am 15. März 2026 im Dolby Theatre in Hollywood statt und wird von US-Moderator Conan O’Brien präsentiert.
Auch in Deutschland lässt sich die Gala traditionell live verfolgen: ProSieben überträgt die Preisverleihung in der Nacht zum Montag im Free-TV mit Vorberichterstattung und Red-Carpet-Sendung. Parallel dazu wird die Show im Livestream über Joyn verfügbar sein und kann dort auch über Smartphones, Tablets oder Smart-TVs verfolgt werden. Außerdem zählt Disney+ in Deutschland zu den internationalen Streaming-Partnern der Oscars. Inhaltlich gehört dieses Oscar-Jahr zu den unberechenbareren der letzten Zeit. Lange schien Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ das Rennen klar anzuführen, nachdem der Film bei vielen wichtigen Vorläuferpreisen gewonnen hatte. Doch kurz vor Ende der Abstimmungsphase brachte Ryan Cooglers „Blood & Sinners“ mit mehreren wichtigen Schauspielpreisen neue Bewegung in die Saison.
Mit Ausnahme der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“, in der Jessie Buckley für „Hamnet“ als klare Favoritin gilt, bleiben viele Entscheidungen offen. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die wichtigsten Kategorien. Welche Filme haben in der bisherigen Preisverleihungssaison besonders überzeugt? Welche Leistungen konnten sich bei den Branchenpreisen durchsetzen – und wo könnten Überraschungen möglich sein? Die folgenden Prognosen versuchen, auf Grundlage der bisherigen Entwicklungen einzuschätzen, wer in der Oscar-Nacht am ehesten die Trophäen mit nach Hause nehmen dürfte. Und auch du kommst zu Wort – zumindest, wenn du bei der Community-Umfrage mitgemacht hast: Auf dem Instagram-Kanal @derfilmjournalist konnte jeder, der wollte, in den Stories darüber abstimmen, wer seiner Meinung nach die wichtigsten Oscars gewinnen wird.
In der Kategorie „Bester Film“:
Der wichtigste Preis des Abends konzentriert sich in diesem Jahr vor allem auf zwei Produktionen aus dem Hause Warner Bros.: „Blood & Sinners“ und „One Battle After Another“, und letztgenannter Film erfüllt auf dem Papier nahezu alle Kriterien eines klassischen Oscar-Gewinners. Der Film gewann unter anderem bei den Critics’ Choice Awards, den Golden Globes,

den BAFTAs sowie bei wichtigen Branchenpreisen wie DGA, PGA und WGA. In der Geschichte der Oscars hat bislang kein Film mit einer derart starken Kombination dieser Vorläuferpreise den Hauptpreis verloren. Doch „Blood & Sinners“ besitzt eine eigene, historisch ebenfalls äußerst starke Preiskombination. Der Film gewann unter anderem den SAG-Ensemblepreis sowie wichtige Auszeichnungen bei den ACE-Eddies und den Writers Guild Awards. Auch diese Kombination führte in der Vergangenheit regelmäßig zum Oscar für den besten Film.
Neben der reinen Preisstatistik spielt auch die narrative Wirkung der Filme eine Rolle. „One Battle After Another“ wird von vielen Beobachtern als ambitionierter politischer Film wahrgenommen, der aktuelle gesellschaftliche Spannungen in den USA reflektiert und dabei Thriller, Actionfilm und Satire miteinander verbindet. „Blood & Sinners“ dagegen kombiniert Historienfilm, Horror und gesellschaftspolitische Themen zu einem ungewöhnlichen Genremix, der in der zweiten Hälfte zunehmend eskaliert und gerade durch diese Mischung eine große Publikumsresonanz entwickelte. Sollte „Blood & Sinners“ gewinnen, hätte das zudem eine symbolische Dimension: Erstmals würde ein schwarzer Regisseur hinter einer Oscar-prämierten „Bester Film“-Produktion stehen. Dennoch bleibt „One Battle After Another“ aufgrund seiner dominanten Preisbilanz der wahrscheinlichste Gewinner.
Prognose: „One Battle After Another“
Community-Meinung: „One Battle After Another“
In der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“:
Das Rennen um den Oscar für den besten Hauptdarsteller entwickelte sich in den letzten Wochen zu einer der unberechenbarsten Entscheidungen der gesamten Preisverleihung. Lange galt Timothée Chalamet als klarer Favorit. Seine Darstellung in „Marty Supreme“ brachte ihm unter anderem den Golden Globe und den Critics’ Choice Award ein und ließ viele Beobachter davon ausgehen, dass er seinen ersten Oscar gewinnen würde. Doch im Verlauf der Branchenpreise begann sich das Kräfteverhältnis zu verschieben. Bei den BAFTA Awards verlor Chalamet überraschend gegen Robert Aramayo für „I Swear“. Da dieser Film jedoch nicht für die Oscars zugelassen war und zudem stark vom britischen Wahlkörper profitierte, wurde diese Niederlage zunächst als Sonderfall interpretiert. Entscheidend wurde schließlich der Ausgang der The Actor Awards. Dort gewann Michael B. Jordan für seine Leistung in „Blood & Sinners“, was das Rennen unmittelbar veränderte.
Die The Actor Awards gelten als besonders aussagekräftig, weil sie von Schauspielern gewählt

werden – also von der größten Einzelgruppe innerhalb der Academy. Jordan verkörpert in „Blood & Sinners“ zwei Zwillingsbrüder und schafft es mit minimalen Unterschieden in Körpersprache, Stimme und Mimik, zwei klar voneinander abgegrenzte Figuren zu entwickeln. Gerade diese Doppelrolle könnte für viele Academy-Mitglieder den entscheidenden Ausschlag geben. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Chalamet zuletzt durch eine Kontroverse, die Anfang 2026 nach einer öffentlichen Gesprächsrunde an der University of Texas entstand.Dort hatte der Schauspieler in einer Diskussion über die Zukunft von Kino und Unterhaltung erklärt, er wolle nicht in Bereichen wie Oper oder Ballett arbeiten, bei denen man seiner Ansicht nach ständig versuche, sie „am Leben zu halten“, obwohl sich „eigentlich niemand mehr dafür interessiere“.
Seine Worte verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und lösten eine breite Debatte aus. Kulturinstitutionen wie die Metropolitan Opera reagierten öffentlich und wiesen darauf hin, dass Oper und Ballett weiterhin Millionen Besucher anziehen. Auch einzelne Schauspielerinnen und Schauspieler kritisierten die Bemerkung als unnötig abwertend gegenüber anderen Kunstformen. Allerdings entstand diese Debatte erst, nachdem die Oscar-Abstimmung bereits abgeschlossen war. Sie dürfte daher kaum Einfluss auf das tatsächliche Ergebnis haben, zeigt jedoch, wie stark kulturelle Debatten inzwischen auch das Umfeld von Preisverleihungen prägen.
Prognose: Michael B. Jordan für „Blood & Sinners“
Community-Meinung: Timothée Chalamet für „Marty Supreme“
In der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“:
Während viele Kategorien in diesem Jahr ungewöhnlich offen erscheinen, gilt das Rennen um die beste Hauptdarstellerin als vergleichsweise eindeutig. Jessie Buckley gewann im Verlauf der Saison nahezu alle relevanten Vorläuferpreise, darunter den Golden Globe, den Critics’ Choice Award, den BAFTA Award und den SAG Award. In „Hamnet“ übernimmt Buckley eine Rolle, die den Film über weite Strecken trägt. Ihre Figur bewegt sich zwischen Trauer, innerer Zerrissenheit und emotionaler Stärke. Ihre Fähigkeit, große emotionale Spannungen auch in stillen Momenten sichtbar zu machen, gehört zu den zentralen Qualitäten ihrer Performance.
Prognose: Jessie Buckley für „Hamnet“
Community-Meinung: Emma Stone für „Bugonia“
In der Kategorie „Bester Nebendarsteller“:
Auch diese Kategorie verlief über Monate hinweg völlig offen. Mehrere Kandidaten konnten im Verlauf der Saison wichtige Vorläuferpreise gewinnen, was das Rennen lange offen hielt. Benicio Del Toro überzeugte in „One Battle After Another“ mit einer ruhigen, kontrollierten Darstellung, die zwischen Autorität und latenter Bedrohung pendelt. Jacob Elordi brachte in „Frankenstein“ eine physisch intensive Performance ein, die stark über Körperhaltung und emotionale Zerrissenheit arbeitet. Delroy Lindo wiederum gilt mit seiner Rolle in „Blood & Sinners“ als einer der erfahrensten Darsteller des Feldes und wurde von vielen Beobachtern als überfälliger Kandidat bezeichnet.
Jacob Elordi gewann den Critics’ Choice Award, Stellan Skarsgård den Golden Globe, während Del Toro und Lindo bei zahlreichen Kritikerpreisen ausgezeichnet wurden. Den größten Momentumgewinn verzeichnete zuletzt jedoch Sean Penn für „One Battle After Another“. In der Rolle des radikalisierten Sicherheitsbeamten Steven J. Lockjaw kombiniert Penn eine kontrollierte Körpersprache mit einer latent bedrohlichen Präsenz, die die politische Atmosphäre des Films maßgeblich prägt.
Prognose: Sean Penn für „One Battle After Another“
In der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“:
Es gibt das Sprichwort: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In gewisser Weise könnte

dieses Sprichwort in dieser Kategorie zum Tragen kommen. Die Kategorie ist besonders schwierig zu prognostizieren, weil mehrere Darstellerinnen aus den beiden meistnominierten Filmen des Jahres stammen. In „Sentimental Value“ konkurrieren mit Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas zwei Darstellerinnen aus demselben Film. Gleichzeitig stehen mit Wunmi Mosaku für „Blood & Sinners“ und Teyana Taylor für „One Battle After Another“ zwei Schauspielerinnen aus den dominierenden Filmen der Saison zur Wahl. Dadurch könnte sich die Stimmenverteilung stark aufsplitten – eine Situation, die Amy Madigan in „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ zugutekommen könnte.
Gleichzeitig würde ein Sieg eine seltene Ausnahme darstellen: Schauspielpreise für Horrorfilme sind bei den Oscars äußerst selten. Zwar hat das Genre über Jahrzehnte hinweg ein großes Publikum erreicht und regelmäßig kommerzielle Erfolge hervorgebracht, doch in den Schauspielkategorien bleiben entsprechende Rollen meist unterrepräsentiert. Die wenigen Ausnahmen sind umso bemerkenswerter. Daher könnte ein Sieg Madigans eine bemerkenswerte Anerkennung für eine Darstellerin darstellen, die seit Jahrzehnten zu den verlässlichen Charakterdarstellerinnen des amerikanischen Kinos zählt.
Prognose: Amy Madigan für „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“
In der Kategorie „Beste Regie“:
Die Regiekategorie folgt häufig einer relativ klaren Dynamik innerhalb der Awards-Saison: Wer den Directors Guild Award gewinnt, hat statistisch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, auch den Oscar zu erhalten. In diesem Jahr spricht daher vieles für Paul Thomas Anderson und „One Battle After Another“. Anderson gewann nicht nur den DGA Award, sondern auch den Golden Globe und den Critics’ Choice Award – eine Kombination, die in der Vergangenheit meist eine klare Richtung vorgab. Paul Thomas Anderson gehört seit Jahren zu den prägenden Regisseuren des amerikanischen Kinos, wurde jedoch bislang nie mit einem Oscar ausgezeichnet. In diesem Jahr scheint sich diese Lücke zu schließen. „One Battle After Another“ gehört zu den ambitioniertesten Produktionen des Jahres, sowohl in formaler als auch in thematischer Hinsicht.
Anderson verbindet einen politischen Thriller mit Elementen der Satire, der Action und des Charakterdramas und schafft damit ein Werk, das sowohl als Unterhaltungskino funktioniert als auch als zeitdiagnostischer Kommentar auf die politische Realität der Vereinigten Staaten gelesen werden kann. Dennoch bleibt eine Überraschung möglich. Sollte „Blood & Sinners“ tatsächlich den Hauptpreis gewinnen, könnte auch Ryan Coogler als Regisseur profitieren. Ein Sieg Cooglers würde ihn zum ersten schwarzen Gewinner dieser Kategorie machen und hätte damit auch eine kulturpolitische Bedeutung. Dennoch spricht die Kombination aus Branchenpreisen, Karriere-Narrativ und filmischer Ambition derzeit deutlicher für Anderson.
Prognose: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another“
Community-Meinung: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another“
In der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“:
Das Rennen um das beste Originaldrehbuch gehört traditionell zu den Kategorien, in denen die Academy gerne eigenständige, formal oder thematisch ungewöhnliche Arbeiten auszeichnet. Während einige Drehbücher auf klassische Dramaturgie setzen, arbeiten andere mit ungewöhnlichen strukturellen Ideen oder verbinden verschiedene Genres miteinander. Ryan Cooglers „Blood & Sinners“ gilt dabei als der wahrscheinlichste Gewinner. Sein Drehbuch verbindet mehrere Ebenen: historische Rekonstruktion, gesellschaftspolitische Analyse und Genrekino. Die Handlung spielt im Jahr 1932 und nutzt die Atmosphäre der Jim-Crow-Ära als Hintergrund für eine Geschichte, die zunächst wie ein klassisches Historiendrama beginnt. Erst

nach und nach verschiebt sich der Film in Richtung Horror, wodurch die gesellschaftlichen Spannungen der Zeit metaphorisch zugespitzt werden. Besonders bemerkenswert ist der strukturelle Aufbau der Geschichte. Coogler verzichtet weitgehend auf klassische Expositionsdialoge und folgt stattdessen einer Erzählweise, die Informationen über Figuren und Motive schrittweise sichtbar werden lässt. Dieses „Show, don’t tell“-Prinzip sorgt dafür, dass das Publikum aktiv an der Rekonstruktion der Handlung beteiligt wird. Gleichzeitig erlaubt die Struktur des Films, mehrere Tonlagen miteinander zu verbinden: gesellschaftskritische Themen, Humor, Action und Horror. In einer Zeit, in der viele große Studiofilme ihre Konflikte früh und explizit erklären, ist dieser Ansatz besonders. Gerade diese Kombination aus historischem Hintergrund, Genrevielfalt und struktureller Kontrolle macht „Blood & Sinners“ zu einem der eindrucksvollsten Drehbücher des Jahres und prädestiniert für den Oscar für das beste Originaldrehbuch.
Prognose: Ryan Coogler für „Blood & Sinners“
In der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“:
Hier scheint das Rennen deutlich an Paul Thomas Anderson zu gehen, der für „One Battle After Another“ lose den Roman „Vineland“ von Thomas Pynchon adaptierte und die Vorlage in eine komplexe, politisch aufgeladene Gegenwartserzählung überführte. Der Film kombiniert Elemente des Politthrillers, der Satire und des Actiondramas. Gleichzeitig nutzt das Drehbuch reale politische Spannungen der Gegenwart als Ausgangspunkt für eine Geschichte über staatliche Macht, ideologische Radikalisierung und gesellschaftliche Polarisierung. Im Verlauf der Awards-Saison gewann Anderson mit diesem Drehbuch bereits mehrere wichtige Autorenpreise, darunter auch bei der Writers Guild of America. Historisch betrachtet folgt auf einen solchen Erfolg häufig auch der Oscar.
Prognose: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another“
In der Kategorie „Bester internationaler Film“:
Diese Kategorie entwickelt sich zu einem der spannendsten Wettbewerbe des Abends. Mit „Sentimental Value“ und „The Secret Agent“ konkurrieren zwei Filme, die beide zusätzlich für den Oscar als bester Film nominiert sind. Sollte „Sentimental Value“ gewinnen, wäre es der erste Oscar für Norwegen in dieser Kategorie. Gleichzeitig könnte Brasilien mit „The Secret Agent“ den Erfolg des Vorjahres wiederholen, als „Für immer hier“ ausgezeichnet wurde. Letztlich könnte jedoch die größere Sichtbarkeit von „Sentimental Value“ innerhalb der gesamten Oscar-Kampagne den Ausschlag geben.
Prognose: „Sentimental Value“ aus Norwegen
In der Kategorie „Bestes Casting“:
Die neu eingeführte Kategorie „Bestes Casting“ würdigt erstmals offiziell eine Arbeit, die im Produktionsprozess lange als selbstverständlich galt, obwohl sie maßgeblich über die Wirkung eines Films entscheidet. Casting-Direktoren prägen nicht nur die Besetzung einzelner Rollen, sondern auch die Dynamik eines Ensembles. Erste Gewinnerin dieser Kategorie wird vermutlich Francine Maisler. Sie gehört zu den einflussreichsten Casting-Direktorinnen Hollywoods und arbeitete bereits mit Regisseuren wie Denis Villeneuve, Terrence Malick, Steven Soderbergh und Alejandro González Iñárritu zusammen. In ihrer Karriere erhielt sie fünfzehn Artios Awards der Casting Society of America. Zusätzlich spricht für „Blood & Sinners“, dass der Film bereits den SAG Award alias The Actor Award für das beste Ensemble gewinnen konnte – ein Preis, der ebenfalls stark auf die Qualität der Besetzungsarbeit zurückzuführen ist.
Prognose: Francine Maisler für „Blood & Sinners“
In der Kategorie „Beste Kamera“:
Die Kameraarbeit in „One Battle After Another“ fällt vor allem durch ihre technische Umsetzung

auf. Der Film wurde im VistaVision-Format gedreht, einem analogen Verfahren, bei dem der Film horizontal durch die Kamera läuft und ein größeres Negativ erzeugt. Dieses Verfahren war in den 1950er-Jahren vor allem bei epischen Produktionen verbreitet und wird heute nur noch selten eingesetzt. Der technische Aufwand ermöglicht eine außergewöhnlich hohe Detailtreue. Selbst in weitläufigen Totalen oder stark kontrastreichen Lichtsituationen bleibt das Bild ungewöhnlich scharf und plastisch. Gleichzeitig erlaubt das größere Negativ flexible Projektionen in verschiedenen Bildformaten.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Bildsprache ist eine lange Verfolgungssequenz gegen Ende des Films. Mehrere Fahrzeuge rasen über eine nahezu endlose Wüstenstraße, deren wellenförmiges Profil die Wagen ständig auf- und abtauchen lässt. Die Kamera bleibt dabei dicht an der Front eines Fahrzeugs und erzeugt so das Gefühl, selbst Teil der Szene zu sein. Diese Verbindung aus technischer Kreativität und erzählerischer Wirkung dürfte für viele Academy-Mitglieder den Ausschlag geben.
Prognose: Michael Bauman für „One Battle After Another“
In der Kategorie „Bester Schnitt“:
Der Filmschnitt gehört zu den unsichtbarsten, aber entscheidendsten Elementen eines Films. Er bestimmt Rhythmus, Tempo und die Klarheit der Erzählstruktur. Stephen Mirriones Arbeit an „F1 – Der Film“ demonstriert eindrucksvoll, wie stark Montage das Gefühl von Geschwindigkeit beeinflussen kann. Die Rennsequenzen verbinden Cockpitperspektiven, Streckenaufnahmen und Teamfunk zu einem dynamischen visuellen Rhythmus. Dennoch spricht vieles für Andy Jurgensens Schnitt in „One Battle After Another“. Gerade bei Filmen mit komplexer Dramaturgie entscheidet der Schnitt darüber, ob das Publikum der Geschichte folgen kann – und genau diese Balance gelingt hier besonders überzeugend.
Prognose: Andy Jurgensen für „One Battle After Another“
In der Kategorie „Bestes Szenenbild“:
Guillermo del Toros „Frankenstein“ gehört zu den visuell opulentesten Produktionen des Jahres. Das Szenenbild kombiniert düstere Laborräume, historische Architektur und detailreiche Innenräume zu einer Welt, die stark von der Ästhetik des klassischen Gothic-Horrors geprägt ist. Die Arbeit von Tamara Deverell und Shane Vieau schafft eine Atmosphäre, in der Wissenschaft, Religion und gesellschaftliche Ordnung visuell miteinander verschmelzen. Die Kulissen wirken gleichzeitig historisch glaubwürdig und stilisiert genug, um die mythologische Dimension der Geschichte zu unterstreichen.
Prognose: Tamara Deverell und Shane Vieau für „Frankenstein“
In der Kategorie „Bestes Kostümdesign“:
Auch hier gilt „Frankenstein“ als klarer Favorit. Die Kostüme von Kate Hawley für „Frankenstein“ orientieren sich formal an der Mode der 1850er-Jahre, erlauben sich jedoch zahlreiche künstlerische Freiheiten. Besonders deutlich wird dies bei Victor Frankenstein, dessen Kleidung sich im Verlauf des Films zunehmend verändert und den inneren Zerfall der Figur widerspiegelt. Auch die Kostüme von Elizabeth verbinden wissenschaftliche Symbolik mit religiösen Bildtraditionen und verleihen der Figur eine fast ikonografische Wirkung. Ebenso durchläuft die Figur der Kreatur eine visuelle Entwicklung: von bandagierten Stoffschichten bis hin zu improvisierten Kleidungsstücken, die ihre soziale Ausgrenzung symbolisieren.
Prognose: Kate Hawley für „Frankenstein“
In der Kategorie „Beste Filmmusik“:
In dieser Kategorie treffen sehr unterschiedliche kompositorische Ansätze aufeinander – besonders sticht jedoch Ludwig Göranssons Musik für „Blood & Sinners“ hervor, die weit mehr

ist als eine atmosphärische Begleitung der Handlung. Der Score ist eng mit der kulturellen und historischen Ebene des Films verknüpft, dessen dramaturgisches Zentrum der Blues bildet. Denn „Blood & Sinners“ greift den Mythos des Blues als vermeintlicher Teufelsmusik auf, der seit den 1920er-Jahren mit der Legende vom Teufelspakt an einer nächtlichen Kreuzung – verbunden mit Musikern wie Tommy Johnson oder Robert Johnson – Teil der amerikanischen Kulturgeschichte ist.
Zugleich thematisiert der Film die paradoxe Nähe zwischen Kirche und Blues: Viele Musiker lernten Rhythmus, Harmonie und Instrumentenspiel im Gottesdienst, während der Blues zugleich als moralisch verwerflich galt. Göransson übersetzt diese kulturelle Spannung musikalisch in eine Partitur, die zwischen erdigen Slide-Gitarren, gospelartigen Chören und modernen Klangflächen pendelt und damit sowohl die historische Dimension als auch die emotionale Intensität der Geschichte trägt. Gerade diese Verbindung aus kulturellem Kontext, musikalischer Identität und dramaturgischer Funktion macht seine Arbeit zu einer der prägnantesten Filmmusiken des Jahres.
Prognose: Ludwig Göransson für „Blood & Sinners“
In der Kategorie „Bester Filmsong“:
Das Rennen um den besten Filmsong konzentriert sich vor allem auf zwei Titel: „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“ und „I Lied to You“ aus „Blood & Sinners“. „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“ gewann bereits mehrere wichtige Vorläuferpreise, während „I Lied to You“ aus „Blood & Sinners“ vom Erfolg seines Films profitiert.
Prognose: „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“ – Musik und Text: EJAE, Mark Sonnenblick, Joong Gyu Kwak, Yu Han Lee, Hee Dong Nam, Jeong Hoon Seon und Teddy Park
In der Kategorie „Bester Ton“:
Motorsportfilme gehören traditionell zu den stärksten Kandidaten in der Tonkategorie. Die akustische Darstellung von Motoren, Geschwindigkeit und Rennatmosphäre spielt eine zentrale Rolle für die Wirkung solcher Filme. „F1 – Der Film“ nutzt diese Elemente konsequent und verbindet reale Rennaufnahmen mit einer präzisen Tonmischung.
Prognose: Gareth John, Al Nelson, Gwendolyn Yates Whittle, Gary A. Rizzo und Juan Peralta für „F1 - Der Film“
In der Kategorie „Beste visuelle Effekte“:
Die „Avatar“-Filme gelten seit Jahren als technischer Maßstab für digitale Effektarbeit. Auch „Avatar: Fire and Ash“ erweitert die Welt von Pandora um neue Kreaturen, Landschaften und Motion-Capture-Techniken. Angesichts dieses technischen Aufwands und der Rolle der Reihe als Innovationsmotor der Branche erscheint ein weiterer Oscar für „Avatar: Fire and Ash“ sehr wahrscheinlich.
Prognose: Joe Letteri, Richard Baneham, Eric Saindon und Daniel Barrett für „Avatar: Fire and Ash“
In der Kategorie „Bestes Make-up und beste Frisuren“:
Das Maskenbild spielt in Guillermo del Toros „Frankenstein“ eine zentrale Rolle für die visuelle

Wirkung des Films. Die Arbeit von Mike Hill, Jordan Samuel und Cliona Furey kombiniert klassische Prothetik mit subtilen physiognomischen Veränderungen, um Figuren sowohl realistisch als auch symbolisch erscheinen zu lassen. Besonders aufwendig gestaltet ist die Figur des Monsters. Mehrere Schichten aus Prothesen, Hautstrukturen und sichtbaren Nahtstellen lassen den Körper als zusammengesetztes Wesen erscheinen. Besonders auffällig ist die Doppelrolle von Mia Goth, die sowohl Elizabeth Lavenza als auch Claire Frankenstein verkörpert. Durch prothetische Anpassungen im Gesichtsbereich – insbesondere an Nase und Stirn – werden die beiden Figuren klar unterscheidbar.
Prognose: Mike Hill, Jordan Samuel and Cliona Furey für „Frankenstein“
In der Kategorie „Bester Animationsfilm“:
„KPop Demon Hunters“ verbindet Actionfilm, Musical und Fantasy zu einem ungewöhnlich dynamischen Animationsstil. Der Film gewann bereits zehn Annie Awards und entwickelte sich zu einem der meistdiskutierten Animationsfilme des Jahres. Innerhalb weniger Wochen brach der Animationsfilm sämtliche Netflix-Rekorde und verdrängte „Red Notice“ mit über 325 Millionen Aufrufen von der Spitze der meistgesehenen Produktionen. Kaum ein anderer Titel hatte zuvor derart schnell globale Reichweite erzielt – getragen von einer leidenschaftlichen Fangemeinde, die den Film zu einem weltweiten popkulturellen Ereignis machte. Auch musikalisch schrieb „K-Pop: Demon Hunters“ Geschichte: Der Soundtrack dominierte international die Charts, vier Songs landeten zeitgleich in den Top 10 der US-Billboard Hot 100, während das Album an die Spitze der Billboard 200 stieg.
Prognose: „KPop Demon Hunters“

