Dreharbeiten zu „Snowdancer“ über den NS-verfolgten Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann gestartet
- Toni Schindele

- vor 8 Stunden
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In der bulgarischen Hauptstadt Sofia haben die Dreharbeiten zu „Snowdancer“ begonnen. Der Spielfilm nimmt das Leben des deutschen Boxers Johann „Ruky“ Trollmann in den Blick, der 1943 im KZ-Außenlager Wittenberge ums Leben kam.

Er war schnell, technisch versiert und deutscher Meister im Halbschwergewicht – und dennoch unerwünscht: Johann „Rukeli“ Trollmann gehörte Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre zu den talentiertesten deutschen Boxern. Doch seine Zugehörigkeit zur Minderheit der Sinti machte ihn im nationalsozialistischen Deutschland zur Zielscheibe. Mehr als neun Jahrzehnte später greift nun eine Verfilmung sein Leben und das Unrecht, das ihm widerfuhr, auf. Regie führt Zsolt Bács, der zugleich das Drehbuch verantwortet und mit seiner 2022 gegründeten Produktionsfirma Samba Pictures „Snowdancer“ initiierte. Produziert wird der Film von tempest film in Koproduktion mit Samba Pictures sowie dem bulgarischen Partner MIDWEST Films. Die Hauptrolle des Johann „Ruky“ Trollmann übernimmt Sándor Funtek.
Zum Ensemble zählen unter anderem Diane Rouxel als Frieda Tiller, Tobias Moretti als Boxpromoter Magnus Zerchow sowie Sabin Tambrea in der Rolle des KZ-Kommandanten Max Pauly, der als SS-Standartenführer Leiter mehrerer Konzentrationslager war und nach Kriegsende als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. Ergänzt wird die Besetzung durch Valentin Postlmayr, Simon Morzé und Gregor Bloéb. Der Kinostart für „Snowdancer“ ist für das Jahr 2027 anvisiert, aber noch nicht konkret terminiert. Zum Drehstart erklärte Regisseur Zsolt Bács in einer Pressemitteilung, „Snowdancer“ erzähle die Geschichte eines Mannes, der „selbst unter den schlimmsten Bedingungen nie seine Menschlichkeit verliert und für die Liebe zu seiner Tochter kämpft“. Johann „Ruky“ Trollmann sei „ein Held, den wir heute brauchen“.
Produzent Helge Sasse betonte, Trollmann habe „seine Menschlichkeit trotz aller Verachtung um ihn herum, trotz Rassismus und Mord“ bewahrt. Mit „SNOWDANCER“ wolle man das Publikum daran erinnern, „was uns als Menschen wirklich ausmacht“. Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann wurde 1907 in Wilsche bei Gifhorn geboren und wuchs in Hannover in einer Sinti-Familie auf. 1933 gewann er den Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht, doch der Verband erkannte ihm den Sieg unter politischem Druck wieder ab. Sein beweglicher, tänzelnder Kampfstil, der später häufig mit dem von Muhammad Ali verglichen wurde, widersprach der nationalsozialistischen Ideologie, die sportliche Erfolge propagandistisch instrumentalisierte. Unter politischem Druck musste Trollmann seinen Stil ändern, verlor seine Lizenz und wurde in der Folge systematisch entrechtet. 1935 wurde er zwangssterilisiert, später zur Wehrmacht eingezogen und 1942 in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert.
Am 9. Februar 1943 wurde Trollmann offiziell für tot erklärt. Zeitzeugenberichte legen nahe, dass er im Außenlager Wittenberge von einem Kapo erschlagen wurde, nachdem er diesen in einem improvisierten Kampf niedergeschlagen hatte. Erst Jahrzehnte später erfolgte eine späte Anerkennung: 2003 wurde Trollmann posthum als Deutscher Meister im Halbschwergewicht rehabilitiert. Wie umfassend „Snowdancer“ die einzelnen biografischen Stationen – von der sportlichen Karriere über die familiäre Situation bis zu Haft und Tod – abbildet, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Detail bekannt. Klar ist jedoch, dass „Snowdancer“ weder als klassisches Boxdrama noch als reiner Lagerfilm konzipiert sei, sondern den Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen Trollmann und seiner Tochter lege.





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