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FFA-Förderrunde: In diese 20 Drehbücher investiert der Bund 610.000 Euro

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 14 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Von KI-Liebesgeschichten über historische Fluchtdramen bis zu Dokumentarfilmen über Europas Abschottung: Die Filmförderungsanstalt FFA stellt 610.000 Euro für die Entwicklung von 20 neuen Filmen bereit.


FFA-Logo der Filmförderungsanstalt mit Schriftzug „Die Filmförderung des Bundes“ auf weißem Hintergrund.
Bildnachweis: © Filmförderungsanstalt

Bevor ein Film gedreht werden kann, müssen Figuren, Handlung und dramaturgischer Aufbau zunächst ausgearbeitet werden. Die Filmförderungsanstalt, kurz FFA, unterstützt deshalb nicht nur fertige Produktionen, sondern setzt bereits bei der Entwicklung neuer Stoffe an. Autoren können Fördermittel für ein Treatment, also eine ausführliche Darstellung der geplanten Geschichte, oder für die Arbeit an einem vollständigen Drehbuch erhalten. In der jüngsten Runde der kulturellen Entwicklungsförderung wählte die zuständige Jury 20 Projekte aus insgesamt 155 Anträgen aus. Acht Spielfilmprojekte erhalten zusammen 400.000 Euro Drehbuchförderung. Die geförderten Drehbücher führen durch politische Abgründe, persönliche Ausnahmesituationen und ganz unterschiedliche Epochen.


Feras Fayyads „About The Man I Know / Ein alter Bekannter“ bringt ein syrisches Folteropfer auf der Flucht ausgerechnet in die Abhängigkeit eines seiner früheren Peiniger. In Gerrit Hermans’ „Das Ende nicht“ stellen sich die SPD-Politikerinnen Toni Pfülf und Louise Schröder dem Aufstieg Adolf Hitlers entgegen, während Timm Kröger, Roderick Warich und Sandra Wollner in „Das letzte Radio“ eine Jugendliche ins Mittelmeer aufbrechen lassen, weil sie ihren totgeglaubten Bruder in den Händen einer Sekte vermutet. Leichter, aber nicht weniger gesellschaftlich geprägt, blickt die Komödie „Das wahre Leben“ von Daniel Schwarz und Nana Heymann auf das geteilte Berlin der 1980er Jahre. Susan Gordanshekans „Die Klassengemeinschaft“ wiederum erzählt von zwei befreundeten Schülerinnen, die wegen ihrer Herkunft an den Rand gedrängt werden – bis eine von ihnen versucht, die festgefahrenen Machtverhältnisse mit Gewalt umzukehren.


Drei der geförderten Drehbücher sind als Debütfilme vorgesehen. In Vic So Hee Alz’ Western „Ich vergesse dir!“ müssen drei Frauen auf einer abgelegenen Selbstversorgerfarm herausfinden, wie sie künftig miteinander leben wollen. Philipp Fusseneggers Science-Fiction-Stoff „Kokeshi“ erzählt von einem Mann, dessen Beziehung zu seiner künstlichen Pflegeeinheit zunehmend persönliche Züge annimmt. Und in Florian Forschs Thriller „Landratte“ verwandelt sich ein Segelurlaub für einen Zehnjährigen in einen bedrückenden Kampf gegen die kontrollierende Gewalt seines Stiefvaters. Neben diesen Drehbüchern unterstützt die FFA zwölf weitere Projekte mit insgesamt 210.000 Euro bei der Entwicklung ihrer Treatments. Auch darunter befinden sich drei geplante Debütfilme.


Einer von ihnen ist „Aus dem Dunkeln“ von Aleksandr Kim und Alisa Kolosova, das einen geflüchteten Transmann begleitet, der sich zugleich gegen seine drohende Abschiebung und die eigene Scham behaupten muss. Andere Projekte schlagen deutlich verspieltere oder historische Töne an. In Sebastian Anton Kurtins Komödie „Das Dorf brennt, die Oma kämmt sich“ begegnet eine Jugendliche gleich mehreren möglichen Versionen ihrer selbst. Julia Keller greift für „Die Frau ohne Zimmer“ eine wahre Begebenheit auf und folgt einer jüdischen Exilantin, die sich während des Zweiten Weltkriegs durch die Grandhotels der Schweiz stiehlt. In Lucia Chiarlas „Am Strand der Diplomatie“ genügt dagegen ein einziger Tomatenwurf, um einen alten Mann unverhofft zum Gesicht einer Protestbewegung gegen einen Rüstungsunternehmer zu machen.


Historisch wird es auch in Ipek Züberts „Fatma“, das an den Hof Augusts des Starken führt. „MR ’84“ von Heike Rübbert und Yvonne Jasmin Görlach erzählt hingegen von einer spontanen Fluchthilfe während einer Studienfahrt in der DDR. Mit einem ebenso ungewöhnlichen Ausgangspunkt arbeitet Shahrbanoo Sadats Komödie „My Taliban Boyfriend“: Eine afghanische Influencerin versucht, mithilfe eines Taliban-Soldaten einen glaubhaften Fluchtgrund für ihren Asylantrag zu schaffen. Fünf weitere Treatmentförderungen gehen an Dokumentarfilmprojekte, die politische Entwicklungen mit sehr persönlichen Geschichten verbinden. Juliane Henrich untersucht in „Crystal Utopia“, wie Glas zugleich zum Material großer gesellschaftlicher Visionen und zum Werkzeug digitaler Überwachung werden konnte. Ibrahim Nash’ats „Die Kunst des Nichtsehens“ porträtiert eine mauretanische Familie, die ihre erbliche Blindheit nicht nur als Einschränkung, sondern auch als spirituelle Kraft begreift.


Steffi Wursters „Himmel über Holzdorf“ beobachtet unterdessen den Wandel eines ehemaligen NVA-Flughafens zum NATO-Luftwaffenstützpunkt. Judith Beuth und Andrew Grant blicken für „In The Arms Of The Floating World“ in die Host-Clubs von Tokio und damit auf ein Geschäft, in dem Nähe käuflich wird und Einsamkeit dennoch bestehen bleibt. Einen unmittelbar politischen Fall greift schließlich „Jenseits von Europa – Der Preis der Abschottung“ auf. Maximilian Jonas Ahrens und Maik Lüdemann begleiten darin den Kampf um einen Geflüchteten, der in Griechenland unter dem Vorwurf des Menschenschmuggels inhaftiert wurde. Die Drehbuchprojekte erhalten jeweils bis zu 50.000 Euro, die Treatments jeweils bis zu 17.500 Euro. Ein Teil der Summen kann für Beratungsleistungen zur weiteren Stoffentwicklung eingesetzt werden. An 13 der 20 ausgewählten Projekte sind weibliche oder non-binäre Autorinnen und Autoren beteiligt.

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