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Trotz heftigem Online-Gegenwind: „Die Odyssee“ steuert auf einen starken Kinostart zu

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 26 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Schon vor dem Kinostart war Christopher Nolans „Die Odyssee“ von harscher Kritik und politisch aufgeladenen Debatten begleitet. An den Kinokassen wird der Film davon einer neuen Prognose zufolge aber nicht ausgebremst werden.


Szene aus „Die Odyssee“: Drei Krieger in dunklen Rüstungen und Helmen stehen unter blauem Himmel, während der Mann in der Mitte einen wehenden Umhang trägt.
Bildnachweis: © Universal Studios. All Rights Reserved.

Seit dem heutigen Donnerstag ist Nolans Homer-Verfilmung „Die Odyssee“ in den deutschen Kinos zu sehen; einen Tag später folgt der reguläre Start in Nordamerika. Nach einer aktuellen Vorschau des US-Branchenmagazins Deadline soll der Film dort am ersten Wochenende zwischen 85 und 100 Millionen US-Dollar einspielen. Aus den zusätzlichen 73 internationalen Märkten werden weitere rund 110 Millionen US-Dollar erwartet. Zusammengenommen ergibt sich damit ein prognostizierter weltweiter Auftakt von rund 195 bis 210 Millionen US-Dollar, und Märkte wie Südkorea, Japan und China sind in dieser Kalkulation noch nicht einmal enthalten, weil der Film dort erst zu einem späteren Zeitpunkt anlaufen soll. Damit könnte „Die Odyssee“ den Start von Nolans bisherigem Universal-Film „Oppenheimer“ deutlich übertreffen.


Das Historiendrama nahm im Juli 2023 außerhalb Nordamerikas zunächst 98,7 Millionen US-Dollar auf rund 17.500 Leinwänden ein und erreichte einschließlich des nordamerikanischen Ergebnisses einen weltweiten Auftakt von 181,1 Millionen US-Dollar. Bis zum Ende seiner Kinoauswertung stieg das Einspielergebnis auf 975,8 Millionen US-Dollar. Sollte „Die Odyssee“ tatsächlich mit etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar beginnen, läge der Film zum Start ungefähr 20 Millionen US-Dollar vor seinem direkten Vorgänger. Der Vergleich ist jedoch nur eingeschränkt möglich, weil „Die Odyssee“ international breiter ausgewertet wird und mehrere bedeutende asiatische Märkte erst später hinzukommen. Gerade im Vergleich zum bisherigen Kinosommer fällt die Prognose für „Die Odyssee“ auf. Disneys Realverfilmung „Vaiana“, ursprünglich als einer der großen Juli-Hits eingeplant, startete weltweit mit rund 95 Millionen US-Dollar.


Bei einem gemeldeten Budget von etwa 250 Millionen US-Dollar benötigt der Film nun einen außergewöhnlich stabilen Verlauf, um nicht auf einen finanziellen Misserfolg zuzusteuern. „Die Odyssee“ soll am ersten Wochenende mehr als das Doppelte einspielen und könnte damit ausgerechnet in einem bislang durchwachsenen Sommer zum großen Kinohit werden. Da auch Nolans Film rund 250 Millionen US-Dollar gekostet haben soll, wäre ein starker Auftakt für Universal allerdings nur die Grundlage für einen profitablen Lauf. Für eine hohe Nachfrage sprechen vor allem die Premiumvorstellungen. Ausgewählte 70-mm-IMAX-Termine gingen bereits ein Jahr vor dem Kinostart in den Verkauf und waren vielerorts rasch ausgebucht. Auch seit Beginn des regulären Vorverkaufs melden zahlreiche IMAX-Kinos volle oder stark ausgelastete Säle.


Das dürfte den Umsatz zusätzlich antreiben: „Die Odyssee“ ist nach Angaben von Universal und IMAX der erste abendfüllende Spielfilm, der vollständig mit IMAX-Filmkameras gedreht wurde. Die technische Besonderheit sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern durch höhere Ticketpreise auch für mehr Umsatz pro Besucher. Bemerkenswert wäre ein solcher Kinostart auch deshalb, weil „Die Odyssee“ schon vor dem Kinostart heftige Debatten ausgelöst hat. Über Monate schwoll der Gegenwind zu einer international geführten Empörungswelle an, die von reichweitenstarken Stimmen befeuert wurde, sich in Hunderttausenden geschätzten Dislikes unter den Trailern niederschlug und schließlich auch Nolan selbst zu einer öffentlichen Reaktion veranlasste.


„Das gehört nun mal dazu“, meinte Nolan gegenüber dem Telegraph über die Kritik. „Aber mal ehrlich, diese Diskussionen, bevor die Leute den Film gesehen haben – die sind immer irrelevant, weil ja noch niemand weiß, was der Film wirklich ist.“ Politisch aufgeladen war vor allem die Kritik an Lupita Nyong’o, die Helena von Troja und Klytaimnestra verkörpert. Unter anderem Elon Musk und der konservative US-Kommentator Matt Walsh griffen Nolan für diese Besetzung öffentlich an. Jenseits des Kulturkampfs sorgten auch konkrete Stilentscheidungen für Diskussionen: die amerikanischen Akzente einiger Darsteller, bewusst moderne Formulierungen in den Dialogen und die düstere, stark entsättigte Bildsprache der Trailer. Doch würde der Film tatsächlich mit rund 200 Millionen US-Dollar weltweit starten, würde das sogar die Milliardenmarke zumindest in Reichweite bringen.


„Oppenheimer“ steigerte seinen Auftakt von 181,1 Millionen auf 975,8 Millionen US-Dollar, „Interstellar“ kam nach einem Start von 130,6 Millionen auf rund 681 Millionen, und „Dunkirk“ vervielfachte seine ersten 105,9 Millionen nahezu um das Fünffache auf etwa 530 Millionen US-Dollar. Selbst „The Dark Knight Rises“, der nach einem besonders starken Auftakt weniger Ausdauer zeigte, erreichte nach 248,9 Millionen am Start noch rund 1,08 Milliarden US-Dollar. Übertragen auf „Die Odyssee“ erscheint damit ein weltweites Einspielergebnis von rund 950 Millionen US-Dollar plausibel. Hält sich der Film ähnlich stark wie frühere Nolan-Produktionen, ist auch die Milliardenmarke erreichbar. Zusätzlichen Schub könnten die späteren Starts in China, Japan und Südkorea liefern.

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