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Kurz vor dem 100. Jubiläum: Kino Deutsches Haus Meldorf schließt

Autorenbild: Toni Schindele
Toni Schindele
vor 26 Minuten
2 Min. Lesezeit

Das Kino Deutsches Haus in Meldorf steht nach 99 Jahren vor dem Aus und verpasst damit ausgerechnet knapp die Hundertjahrmarke, die es 2027 erreicht hätte. Denn wie nun bekannt wurde, soll der reguläre Kinobetrieb spätestens Ende November 2026 eingestellt werden.


Außenansicht des Kino Deutsches Haus in Meldorf mit weißer Fassade, rotem Ziegeldach und dem Kinoeingang an der Süderstraße.
Bildnachweis: Dithmarschen Tourismus | KI-optimiert | CC BY-SA 4.0 | Ausschnitt

Seit fast 100 Jahren gehört das Kino in der Süderstraße 14 zum Stadtbild Meldorfs – 1927 öffnete es erstmals seine Türen, heute bietet es 98 Gästen Platz. Doch nun steht der traditionsreiche Kinobetrieb vor dem Aus. Betreiber Bertram Herwig verweist laut Boyens Medien auf Rahmenbedingungen, die den Betrieb zunehmend erschweren: Streamingdienste machen den Kinos Konkurrenz, die Besucherzahlen gehen zurück, zugleich verlangt der Alltag zwischen Vorstellungen und langen Arbeitstagen bis spät in den Abend viel Einsatz. Als die Familie Böthern 1927 das „Deutsche Haus“ übernahm, war der Saal noch kein festes Filmtheater.


Für Vorführungen wurden Stuhlreihen und Leinwand aufgebaut, anschließend diente der Raum wieder anderen Veranstaltungen. Zu sehen waren zunächst Stummfilme auf 35-Millimeter-Film, begleitet von einem Pianisten; spätestens Anfang der 1950er Jahre hatte sich das Haus als festes Kino etabliert. Sein heutiges Erscheinungsbild bekam der Kinosaal 1977 mit dem Umbau zum Verzehrkino. Aus dieser Zeit stammen die kleinen Ablagetische an den Sitzplätzen, an denen während der Vorstellung Getränke, Snacks und Eis serviert werden können, sowie die markante grüne Wandgestaltung. Während viele andere Kinos später umfassend umgestaltet wurden, blieb die Ästhetik der 1970er Jahre in Meldorf weitgehend erhalten.


Technisch entwickelte sich das Haus dagegen weiter: Seit 2011 kamen unter anderem digitale Projektion, neue Tontechnik, 3D, ein Laserprojektor sowie Verbesserungen an Ton und Heizung hinzu. Geblieben ist auch der Anspruch, neben größeren Produktionen Arthouse-Filme und Dokumentationen zu zeigen – dafür wurde das Kino seit 2009 mehrfach ausgezeichnet. Bevor der reguläre Betrieb nach 99 Jahren enden soll, stehen daher noch besondere Vorstellungen auf dem Programm: Am 15. Oktober wird Fatih Akins „Aus dem Nichts“ gezeigt, am 1. November kommt der in Meldorf aufgewachsene Regisseur Lars Jessen zur Meldorfer Premiere von „Spaziergang nach Syrakus“ ins Deutsche Haus.

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