Nach Berlinale-Kontroverse: Wim Wenders präzisiert seine Position zu Film und Politik
- Toni Schindele

- vor 1 Stunde
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Im Februar sorgte Wim Wenders mit seinen Aussagen über Film und Politik für heftige Reaktionen. Nun versucht der Regisseur bei den Filmfestspielen von Venedig, seine damalige Position genauer zu fassen.

Wim Wenders hat seine im Februar bei der Berlinale kontrovers diskutierten Aussagen zum Verhältnis von Film und Politik noch einmal nachgeschärft. Entzündet hatte sich die Debatte an der Eröffnungspressekonferenz des Festivals, dessen Jury Wenders in diesem Jahr leitete. Auf die Frage nach dem Gaza-Krieg und danach, wie die Berlinale mit politischen Konflikten umgehen solle, erklärte er damals: „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten, denn wenn wir Filme machen, die dezidiert politisch sind, begeben wir uns in das politische Geschehen.“ Dem Film wies er zugleich eine beinahe entgegengesetzte Rolle zu: als „Gegengewicht“ und „Gegenteil“ von Politik.
Eine Trennlinie, die nicht unwidersprochen blieb: Die Schriftstellerin Arundhati Roy sagte ihre Teilnahme an der Berlinale ab, später wandten sich 81 Filmschaffende, darunter Tilda Swinton und Javier Bardem, in einem offenen Brief gegen Wenders’ Gegenüberstellung von Film und Politik. Besonders heikel machte die Kontroverse ein Blick zurück auf Wenders’ eigene Worte: Seit Jahrzehnten beschreibt der Regisseur Kino ausdrücklich als politische Kraft. 1977 bezeichnete er jeden Film als politisch, 2017 sprach er von einer Pflicht des Kinos zur Einmischung und noch 2022 nannte er die Veränderung von Wahrnehmung durch Film einen „zutiefst politischen Vorgang“. In Venedig kam Wenders am Sonntag noch einmal auf die Worte zurück, die ihm seit der Berlinale nachhängen.
Filmemacher seien demnach „das Gegenteil von Politikern“, weil ihre Arbeit auf Empathie beruhe und darauf ziele, Veränderungen anzustoßen, erklärte er. „Wir haben einen ganz anderen Ansatz. Ich arbeite nicht mit der Denkweise von Politikern, wir arbeiten mit der Denkweise empathischer Menschen. Und wir wollen Dinge verändern, die Politik will den Status quo bestätigen“, wie Wenders weiter ausführte. Dass Filmemacher sich deshalb aus der Politik heraushalten sollten, wollte Wenders daraus ausdrücklich nicht abgeleitet wissen. In Venedig stellt der Regisseur „From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor“ vor. Der in 3D realisierte Dokumentarfilm über den Schweizer Architekten Peter Zumthor feiert im Bereich Venice Open außer Konkurrenz seine Weltpremiere.





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