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„Obsession“-Crewmitglied kritisiert Bezahlung nach Millionen-Erfolg des Horrorhits

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Überraschungserfolg von „Obsession – Du sollst mich lieben“ sorgt derzeit nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Einspielergebnisse für Aufmerksamkeit. Denn nun hat eine zentrale Mitarbeiterin der Produktion öffentlich Kritik an den Arbeits- und Vergütungsbedingungen hinter dem Independent-Horrorfilm geäußert.


Nikki lächelt in einer warm beleuchteten Wohnzimmerszene aus „Obsession – Du sollst mich lieben“.
Bildnachweis: © 2026 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Der Horrorfilm „Obsession – Du sollst mich lieben“ gehört zu den größten Überraschungserfolgen des Kinojahres. Seit seinem US-Kinostart am 15. Mai 2026 hat die Independent-Produktion weltweit rund 224,8 Millionen US-Dollar eingespielt – bei einem Produktionsbudget von lediglich 750.000 US-Dollar. Bereits am zweiten Wochenende schrieb der Film Box-Office-Geschichte, als die Einnahmen gegenüber dem Startwochenende um rund 39 Prozent anstiegen. Während die meisten Kinofilme nach ihrer Premiere deutliche Rückgänge verzeichnen, entwickelte sich der Thriller von Regisseur Curry Barker erst in seiner zweiten Spielwoche zu einem außergewöhnlichen Publikumserfolg.


Vor diesem Hintergrund hat sich nun Sally Choi, die bei „Obsession – Du sollst mich lieben“ als Art Director tätig war, mit einem ausführlichen Statement auf Instagram zu Wort gemeldet. Darin

schildert sie ihre Erfahrungen während der Produktion und kritisiert die finanziellen Bedingungen, unter denen sie und andere Teammitglieder gearbeitet hätten. Nach eigenen Angaben erhielt sie für ihre Tätigkeit einen Tagessatz von 300 US-Dollar. Nach Steuern habe ihr gesamtes Honorar 6.741,36 US-Dollar betragen. Fahrtkosten seien ihr nicht erstattet worden. Gleichzeitig verweist Choi auf die inzwischen prognostizierten Einnahmen des Films von rund 250 Millionen US-Dollar und stellt die Frage nach der Beteiligung jener Filmschaffenden, die maßgeblich an dessen Entstehung beteiligt gewesen seien.


In ihrem Beitrag beschreibt Choi zudem die Arbeitsrealität vieler Low-Budget-Produktionen. Obwohl sie offiziell als Art Director beschäftigt gewesen sei, habe sie während der Dreharbeiten zahlreiche weitere Aufgaben übernommen – darunter Tätigkeiten als Produktionsassistentin, Set Decorator, Grafikdesignerin, Fahrerin, Einkäuferin und Komparsin. Sie berichtet von langen Arbeitstagen, organisatorischen Zusatzaufgaben außerhalb ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs sowie körperlich belastenden Arbeitsbedingungen. Darüber hinaus behauptet sie, dass einzelne Crewmitglieder freiwillig gearbeitet hätten und selbst zugesagte Benzin- und Fahrtkostenerstattungen teilweise verspätet ausgezahlt worden seien. Die Belastung während der Produktion habe nach ihren Angaben dazu geführt, dass sie erheblich an Gewicht verloren habe.


Die Position des Art Directors zählt innerhalb der Szenenbildabteilung zu den wichtigsten Funktionen hinter der Kamera. Während der Production Designer beziehungsweise Szenenbildner die visuelle Gesamtgestaltung eines Films entwickelt, ist der Art Director in der Regel für die praktische Umsetzung verantwortlich. Dazu gehören die Koordination von Kulissenbau, Ausstattung, Materialbeschaffung, Zeitplänen und Budgets. Gerade bei Independent-Produktionen übernehmen Art Directors häufig zusätzliche Aufgaben, da die personellen und finanziellen Ressourcen deutlich begrenzter sind als bei Studiofilmen. Gewinnbeteiligungen sind für diese Position allerdings unüblich.


Die Vergütung erfolgt meist über feste Tages-, Wochen- oder Projektgagen – unabhängig vom späteren wirtschaftlichen Erfolg eines Films. Chois Beitrag löste seit seiner Veröffentlichung in den sozialen Medien eine kontroverse Debatte aus. Ein Teil der Kommentierenden argumentierte, sie habe dem vereinbarten Honorar im Vorfeld zugestimmt und könne deshalb nachträglich keine Ansprüche aus dem Erfolg des Films ableiten. Andere Nutzer warnten sogar davor, dass öffentliche Kritik an Produzenten und Regie ihrer Karriere schaden könnte. Demgegenüber stellten sich zahlreiche Stimmen hinter die Art Directorin und sahen ihre Aussagen als wichtigen Beitrag zu einer längst überfälligen Diskussion über Arbeitsbedingungen in der Filmbranche.


Mehrere Kommentatoren betonten, dass insbesondere kreative Schlüsselpositionen hinter den Kulissen bei erfolgreichen Produktionen stärker am finanziellen Erfolg beteiligt werden sollten. In jedem Fall möchte Choi ihre Wortmeldung nicht als alleinige Kritik an „Obsession – Du sollst mich lieben“ oder an Curry Barker und dessen Team verstanden wissen. Vielmehr sehe sie das Problem als Teil einer größeren strukturellen Entwicklung innerhalb der Filmindustrie. Drei Tage

nach ihrem ursprünglichen Beitrag legte Choi auf Instagram nach und ordnete ihre Aussagen nochmals ein. Sie erklärte, es gehe ihr nicht primär um ihre persönliche Situation, sondern um ein strukturelles Problem, das weit über „Obsession – Du sollst mich lieben“ hinausreiche.


Ihr Beitrag habe einen Nerv getroffen, „nicht, weil es eine einzelne Geschichte darüber war, übersehen zu werden, sondern weil genau das jeden Tag passiert, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Filmindustrie.“ Gleichzeitig erklärte sie, bereits im Austausch mit der Gewerkschaft Local 800 zu stehen, und rief Filmschaffende dazu auf, sich an ihre jeweiligen Arbeitnehmervertretungen zu wenden. Es sei an der Zeit, die Wahrheit auszusprechen, schrieb Choi: „Habt keine Angst; wir stellen uns den Mächten, die einst das Sagen hatten, gemeinsam entgegen.“

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