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Paramounts Warner-Deal gerät vor Gericht unter Druck: Zwölf US-Staaten klagen gegen Studio-Übernahme

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Nach dem grünen Licht des US-Justizministeriums schien Paramounts Übernahme von Warner Bros. Discovery fast auf der Zielgeraden. Nun ziehen zwölf US-Bundesstaaten vor Gericht. Können sie den Zusammenschluss doch noch stoppen?


Gegenüberstellung der Warner-Bros.-Studios mit ikonischem Wasserturm und dem Haupteingang von Paramount Pictures – Symbolbild zur Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount nach dem Ausstieg von Netflix.
Bildnachweis: (l) Todd Dwyer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (r) Coolcaesar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Noch vor wenigen Wochen schien Paramount die entscheidenden Hürden auf dem Weg zur Übernahme von Warner Bros. Discovery genommen zu haben. Nach einem monatelangen Bieterstreit mit Netflix einigten sich beide Unternehmen Ende Februar auf den rund 110 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenschluss. Im April stimmten die Warner-Aktionäre zu, im Juni verzichtete schließlich auch das US-Justizministerium nach achtmonatiger Prüfung auf eine Klage. Nun nimmt das Verfahren eine neue Wendung. Kalifornien und elf weitere US-Bundesstaaten wollen die Übernahme vor Gericht doch noch stoppen und haben neben einer Kartellklage auch eine sofortige Sperre beantragt.


Paramount und Warner sollen den Deal nicht abschließen dürfen, bevor geprüft ist, ob der gemeinsame Konzern den Wettbewerb im Kino- und Fernsehgeschäft zu stark einschränken würde. Nach einer ersten Anhörung will Richterin Araceli Martínez-Olguín bis Mittwoch, den 22. Juli, über diesen Eilantrag entscheiden. Eine Sperre wäre noch kein endgültiges Verbot, könnte die Übernahme aber für Wochen oder Monate auf Eis legen. Damit steht der Deal erstmals seit der Freigabe durch das Justizministerium wieder vor einer konkreten juristischen Hürde. Die Bundesstaaten befürchten, dass Paramount Pictures und Warner Bros. Pictures als Teile desselben Konzerns nicht mehr um Filme, Starttermine und Kinoleinwände konkurrieren würden.


Nach ihren Berechnungen käme das gemeinsame Unternehmen auf rund 27 Prozent des US-Marktes für breit gestartete Kinofilme; bei Produktionen, die schon vor ihrer Veröffentlichung als mögliche Kassenschlager gelten, wären es etwa 30 Prozent. Die Kläger warnen vor größerem Druck auf Kinoketten und Fernsehanbieter, höheren Preisen und einem kleineren Film- und Programmangebot. Paramount widerspricht dieser Einschätzung und beschreibt den Kinomarkt als deutlich offener, als es die Klage nahelege. Große Filme entstünden längst nicht mehr nur bei den klassischen Hollywoodstudios: Netflix und Amazon investierten Milliarden in eigene Produktionen, Apple finanziere aufwendige Kinofilme, während kleinere Verleiher und unabhängige Projekte ebenfalls ein Millionenpublikum erreichen könnten.


Ein gemeinsamer Konzern aus Paramount und Warner würde den Wettbewerb deshalb nach Darstellung des Unternehmens nicht schwächen, sondern einen stärkeren Gegenspieler zu den globalen Streaming- und Technologiekonzernen schaffen. Nach der Übernahme wolle Paramount jährlich mindestens 30 Filme regulär ins Kino bringen und ihnen ein exklusives Auswertungsfenster auf der großen Leinwand von mindestens 45 Tagen sichern. Wie weit diese neue Konkurrenz tatsächlich reicht, lässt sich allerdings nicht allein daran messen, wer einen Film finanziert oder produziert. Für einen weltweiten Kinostart müssen Werbekampagnen organisiert, Starttermine abgestimmt und Vereinbarungen mit Tausenden Kinos in zahlreichen Ländern getroffen werden.


Gerade an diesem Punkt unterscheiden sich kleinere Anbieter weiterhin von den großen Studios, die über eigene internationale Vertriebsnetze und langjährige Beziehungen zu Kinoketten verfügen. In der Anhörung führte Paramount laut Branchenmagazin Deadline „Obsession – Du sollst mich lieben“ als Beispiel dafür an, dass auch ein unabhängig produzierter Film zu einem weltweiten Kinoerfolg werden könne. Die Produktion kostete weniger als eine Million US-Dollar und spielte mehr als 400 Millionen US-Dollar ein. Aus Sicht des Unternehmens spreche das gegen die Annahme, dass nur die großen Hollywoodstudios Filme mit Blockbuster-Reichweite hervorbringen könnten. Die Bundesstaaten halten dem entgegen, dass „Obsession – Du sollst mich lieben“ für seinen Kinostart auf Focus Features zurückgriff, eine Tochter von Universal Pictures.


Der Erfolg belege nach ihrer Auffassung daher zwar das Potenzial unabhängiger Produktionen, nicht aber eine mit Paramount oder Warner vergleichbare Vertriebs- und Verhandlungsmacht. Auch „F1 – Der Film“ lässt unterschiedliche Deutungen zu. Apple finanzierte die Großproduktion und trat damit als neuer Akteur im Kinogeschäft auf, überließ den weltweiten Verleih jedoch Warner Bros. Paramount wertet Unternehmen wie Apple dennoch als ernsthafte Konkurrenz zu den klassischen Studios. Nach Ansicht der Kläger zeige die Zusammenarbeit dagegen, dass selbst ein finanzstarker Technologiekonzern für einen internationalen Kinostart weiterhin auf die Strukturen eines etablierten Verleihs angewiesen sein könne.

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