André Kaczmarczyk im Erzgebirgskrimi-Interview: „Mein Blick hat sich geweitet durch meine eigene Arbeit als Regisseur“
- Toni Schindele

- vor 8 Stunden
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„Sobald ich beginne, diese beiden Welten miteinander zu vergleichen, gerate ich innerlich ins Schwanken“, erzählt André Kaczmarczyk, der sowohl regelmäßig vor der Kamera als auch auf der Theaterbühne steht.

Der Erzgebirgskrimi kehrt mit einer neuen Folge zurück. Nachdem die Ausstrahlung wegen der Handball-Europameisterschaft verschoben werden musste, steht nun die TV-Premiere von „Erzgebirgskrimi – Mordholz“ im ZDF an; in der ZDFmediathek ist der Film bereits abrufbar. Im Zentrum des Falls steht der Tod eines Holzunternehmers, der die Ermittler Robert Winkler und Karina Szabo in ein Geflecht aus Familienkonflikten, dubiosen Holzgeschäften und persönlichen Verstrickungen führt. Eine zentrale Rolle spielt dabei Heiko Zenker, der Sohn des Opfers, der schnell selbst unter Verdacht gerät. Verkörpert wird er von André Kaczmarczyk, der vielen Zuschauern auch als Kommissar Vincent Ross aus dem „Polizeiruf 110“ bekannt ist. Vor der Ausstrahlung hat er sich Zeit für ein Interview genommen.
Der Film Journalist: Sie kommen ursprünglich stark vom Theater und haben über Jahre große klassische Rollen gespielt. Hat die Theaterarbeit Ihren Zugang zu Figuren im Film- und Fernsehbereich verändert, und was gibt Ihnen das jeweilige Medium, was das andere vielleicht nicht leisten kann?
André Kaczmarczyk: Sobald ich beginne, diese beiden Welten miteinander zu vergleichen, gerate ich innerlich ins Schwanken. Vielleicht auch, weil sie sich in ihrem Wesen so stark unterscheiden – in ihren Arbeitsprozessen, ihrer Struktur, ihrem Ausdruck. Am Theater fasziniert mich das Flüchtige: das gemeinsame Erleben im selben Raum, die Einmaligkeit jedes Abends. Was dort geschieht, existiert nur in diesem Moment. Beim Film und Fernsehen ist es gerade umgekehrt. Die Arbeit findet ohne direktes Publikum statt, fast abgeschirmt. Dafür bleibt das Ergebnis bestehen, ist wiederholbar, abrufbar. Zwei sehr verschiedene Prinzipien – und doch auf ihre Weise gleichwertig für mich. Und sicher: Die Arbeit in beiden Medien befruchtet sich gegenseitig; wirklich verändert hat sich mein Zugang aber kaum.
Der Film Journalist: Der Krimi ist das dominierende Genre im deutschen Fernsehen. Wie sehen Sie die Krimi-Formate in der deutschen Fernsehlandschaft?
André Kaczmarczyk: Offenbar werden sie von vielen Menschen noch immer geschaut und gemocht, trotz oder vielleicht gerade wegen der großen Fülle unterschiedlichster Sendungen. Dennoch würde ich mir wünschen, dass neben der Breite der Formate mit Krimi-Inhalt vermehrt auch andere Geschichten ihren Platz im deutschen Fernsehen finden würden.
Der Film Journalist: Sie führen in den vergangenen Jahren zunehmend auch selbst Regie. Hat diese Erfahrung Ihre Herangehensweise an Dreharbeiten verändert – insbesondere in der Zusammenarbeit mit Regisseurinnen und Regisseuren?
André Kaczmarczyk: Nein. Bei den Dreharbeiten bin ich ja als Schauspieler engagiert und als solcher auch am Set. Den Regisseur in mir versuche ich bewusst nicht mitzubringen. Aber klar: Mein Blick hat sich geweitet durch meine eigene Arbeit als Regisseur; ich verstehe heute besser die komplexen Geflechte, in denen regieführende Personen stehen, und kann mir die unterschiedlichen Zugänge zur Arbeit genauer herleiten.
Der Film Journalist: Im neuen und 14. Erzgebirgskrimi spielen Sie mit Heiko Zenker den Sohn eines ermordeten Holzunternehmers, dessen Tod den Fall ins Rollen bringt und der selbst in den Kreis der Verdächtigen gerät. Wer ist er, und was zeichnet ihn Ihrer Meinung nach aus?
André Kaczmarczyk: Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen. Vielleicht wird spürbar, wie stark

er von seiner eigenen Geschichte geprägt ist – von seiner Herkunft, den Erwartungen, die an ihn herangetragen wurden, und denen, die er sich selbst auferlegt. Auch die Abhängigkeiten und persönlichen Verstrickungen, in denen er steckt, wirken auf sein Handeln ein. Das entschuldigt natürlich nicht seine Verfehlungen. Aber es kann helfen, manches zumindest nachvollziehbar zu machen. Gerade diese Ambivalenz, diese innere Widersprüchlichkeit, hat mich an der Figur besonders interessiert.
Der Film Journalist: Zum Abschluss: „Erzgebirgskrimi – Mordholz“ läuft am Samstag, den 7. März 2026, zur Primetime um 20.15 Uhr im ZDF. Zum Abschluss gefragt: Warum sollte man einschalten und diesen Erzgebirgskrimi nicht verpassen?
André Kaczmarczyk: Tolle Kolleginnen und Kollegen in einem fast kammerspielartigen, sensibel geführten Psychodrama und das ungewöhnliche Setting um das Sägewerk samt Einblick in die Holzwirtschaft.





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