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Aus 14 Tagen werden Monate: Paramounts Warner-Deal bleibt auf Eis

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount bleibt deutlich länger auf Eis als zunächst erwartet. Statt um einige Wochen verzögert sich der rund 110 Milliarden US-Dollar schwere Zusammenschluss nun voraussichtlich um mehrere Monate und könnte Paramount teuer zu stehen kommen.


Gegenüberstellung der Warner-Bros.-Studios mit ikonischem Wasserturm und dem Haupteingang von Paramount Pictures – Symbolbild zur Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount nach dem Ausstieg von Netflix.
Bildnachweis: (l) Todd Dwyer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (r) Coolcaesar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Erst am Montag hatte ein US-Gericht Paramount untersagt, die Übernahme innerhalb der folgenden 14 Tage abzuschließen. Die vorläufige Sperre sollte verhindern, dass beide Unternehmen bereits zusammengeführt werden, während das Gericht über einen weitergehenden Antrag der Bundesstaaten entscheidet. Zwischenzeitlich wurde diese Frist bis zum 17. August verlängert. Zu der dafür geplanten Anhörung wird es nun jedoch nicht mehr kommen: Paramount hat sich mit den Klägern darauf verständigt, den Deal zunächst für mehrere Monate freiwillig ruhen zu lassen. Aus der kurzen Zwangspause wird damit eine Verzögerung mit offenem Ende. Wie Variety berichtet, darf Paramount die Übernahme frühestens fünf Tage nach einer Entscheidung in der Sache vollziehen.


Fällt bis zum 1. Juni 2027 keine Entscheidung in der Sache, läuft die jetzige Vereinbarung zwar aus, die Bundesstaaten und die Writers Guild können dann aber erneut eine einstweilige Verfügung beantragen. Setzen sich die Kläger vor Gericht durch, soll der Zusammenschluss nach Angaben der kalifornischen Generalstaatsanwaltschaft auch während eines möglichen Berufungsverfahrens blockiert bleiben. Die Übernahme ist damit weder abgesagt noch genehmigt. Ihr weiterer Weg führt nun jedoch nicht mehr über eine kurzfristige Anhörung, sondern mitten durch das eigentliche Kartellverfahren. Der für den 3. August angesetzte Termin wurde gestrichen, auch die Writers Guild zog ihren eigenen Antrag auf eine längere Sperre zurück.


Bis zum 31. Juli sollen beide Seiten dem Gericht mitteilen, wann der Prozess beginnen könnte. Die Bundesstaaten hatten zuletzt den April 2027 vorgeschlagen. Für Paramount ist der neue Zeitplan vor allem deshalb heikel, weil die Uhr ab Herbst gegen das Unternehmen läuft. Der Konzern wollte die Übernahme unbedingt vor dem 30. September abschließen. Danach werden zusätzliche Zahlungen an die Warner-Aktionäre fällig, die sich auf rund sieben Millionen US-Dollar pro Tag belaufen. Zieht sich der Rechtsstreit bis Juni 2027, könnten sich die Mehrkosten laut Reuters auf bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar summieren. Paramount hatte deshalb zunächst auf eine kurze Anhörung Ende August und einen Abschluss Anfang September gedrängt.


Die Bundesstaaten lehnten dieses Tempo ab und verlangten mehr Zeit für die Beweisaufnahme. Trotzdem beanspruchen beide Seiten die Einigung für sich. Paramount sieht darin den gewünschten direkten Weg zu einem Prozess, in dem das Unternehmen seine Argumente vorlegen könne. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta wertet dagegen bereits die weitere Verzögerung als Erfolg im Kampf gegen den Zusammenschluss. Ein Schuldeingeständnis Paramounts ist die Vereinbarung nicht. Sie verhindert aber, dass der Konzern Warner übernimmt und beide Unternehmen zusammenführt, bevor das Gericht die kartellrechtlichen Vorwürfe geprüft hat. Damit muss weiterhin die Frage beantwortet werden, wie viel Wettbewerb nach der Fusion übrig bliebe.


Paramount Pictures und Warner Bros. Pictures gehören zu den fünf großen Hollywoodstudios und konkurrieren bislang um Filme, Kinostarttermine, Leinwände und die Konditionen der Kinoketten. Nach Berechnungen der Kläger käme das gemeinsame Unternehmen auf rund 27 Prozent des US-Marktes für breit gestartete Kinofilme. Bei Filmen, die bereits vor ihrer Veröffentlichung als mögliche Kassenschlager gelten, läge der Anteil bei mehr als 30 Prozent. Die Bundesstaaten fürchten deshalb, dass ein gemeinsamer Konzern gegenüber Kinos und Fernsehanbietern deutlich mehr Druck ausüben könnte. Weniger Konkurrenz könne höhere Preise, schlechtere Vertragsbedingungen und ein kleineres Film- und Programmangebot zur Folge haben. Paramount hält dieses Bild des Marktes für überholt.


Netflix, Amazon und Apple hätten sich längst zu finanzstarken Konkurrenten entwickelt, hinzu kämen kleinere Studios und unabhängige Produktionen. Der Zusammenschluss würde den Wettbewerb nach Darstellung des Unternehmens deshalb nicht schwächen, sondern einen größeren Gegenspieler zu den weltweiten Streaming- und Technologiekonzernen schaffen. Das US-Justizministerium kam nach seiner achtmonatigen Prüfung zu einem ähnlichen Ergebnis und verzichtete im Juni auf eine Klage. Die Bundesstaaten setzen jedoch an einem anderen Punkt an: Ein Film müsse nicht nur finanziert oder produziert, sondern auch beworben, terminiert und in Tausende Kinos gebracht werden.


Selbst finanzstarke Technologieunternehmen greifen dafür häufig auf die Vertriebsnetze der großen Hollywoodstudios zurück. Genau diese Strukturen würden durch die Verbindung von Paramount und Warner weiter gebündelt. Noch vor wenigen Wochen schien der Deal beinahe auf der Zielgeraden. Nach einem monatelangen Bieterstreit mit Netflix einigten sich Paramount und Warner Bros. Discovery Ende Februar auf den Zusammenschluss, im April stimmten die Warner-Aktionäre zu und im Juni verzichtete das Justizministerium auf eine Klage. Nun hat sich das Bild gedreht: Aus dem für Juli geplanten Abschluss ist ein offener Rechtsstreit geworden. Die Übernahme bleibt möglich – wann und ob sie tatsächlich vollzogen werden kann, hängt nun aber vor allem vom Ausgang der Kartellverfahren ab.

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