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Christian Alvart im Interview zur 2. Staffel von „Oderbruch“: „Auch in der zweiten Staffel bleibt der Vampirismus geerdet“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

„Den großen Twist der ersten Staffel kann man nicht wiederholen, also wollten wir bewusst eine Veränderung“, erzählt Christian Alvart im Interview zur zweiten Staffel von „Oderbruch“. Was erwartet uns also in den neuen Episoden?


Christian Alvart bei der „Oderbruch“-Premiere, links im Bild; rechts das Poster zur zweiten Staffel von „Oderbruch“ mit Sambin Tambrea und Karoline Schuch.
Bildnachweis: (l) © ARD Degeto/Syrreal Entertainment/Lars Nitschke (r) © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak/Håvard Schei/Marcel Weisheit

Fast 13 Millionen Abrufe in der ARD Mediathek machten die erste Staffel von „Oderbruch“ zu einem der auffälligsten deutschen Serienerfolge der vergangenen Jahre. Was als düsteres Rätsel in der menschenleeren Grenzregion zwischen Deutschland und Polen begann, wächst nun deutlich über diesen Ausgangspunkt hinaus: Im Zentrum stehen erneut die Vampir-Geschwister Maggie und Kai, die den tödlichen Blutdurst ihrer eigenen Art beenden wollen und dabei immer tiefer in einen eskalierenden Konflikt geraten. Ihre Spur führt quer durch Europa bis nach Spanien, wo persönliche Geheimnisse und ein mittelalterlicher Orden warten. Hinter der Serie steht erneut das eingespielte Kreativteam um Christian Alvart, der sich kurz vor dem Start der neuen Episoden Zeit für ein Interview genommen hat.


Der Film Journalist: Sie haben sich einmal als Anwalt des Genrefilms bezeichnet – einer Kunstform, die in Deutschland lange als Nische galt. Hat sich da nach den Erfolgen von

„Sløborn“ und „Oderbruch“ in den letzten Jahren etwas verändert?


Christian Alvart: Es hat sich auf jeden Fall etwas bewegt. Tatsächlich kommen inzwischen eher Anfragen, ob man nicht noch einmal so etwas wie „Oderbruch“ machen möchte. Das Problem ist:

Bildnnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak
Bildnnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak

Genrefilm ist ein weites Feld, und wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung. Es gibt viele Genres, die noch keinen Erfolg im Rücken haben. Wenn ich immer neue Serien wie „Oderbruch“ machen würde, wäre es vielleicht leichter, aber mich reizt ja gerade das Neue.. Sender vom Potenzial eines „Genres“ zu überzeugen, ist nach wie vor schwierig. Es klingt für viele erst einmal nischig. Dann kommt ein Erfolg – und plötzlich ist es das nicht mehr. Doch beim nächsten Genre, beim nächsten Thema beginnt die Diskussion von vorn. Trotzdem: Ich freue mich, dass es funktioniert hat und dass es vielleicht zwei, drei Prozent leichter geworden ist.


Der Film Journalist: In „Oderbruch“ spielt das Vampirische eine zentrale Rolle – ein Motiv, das in der Popkultur stark verankert ist. In eurer Serie wird es aber ganz anders erzählt als in klassischen Vampirgeschichten. Was reizt Sie an diesem Ansatz?


Christian Alvart: Mich reizt der klassische Vampir durchaus sehr. Ich habe die Anne-Rice-Bücher

Bildnnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak
Bildnnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak

gelesen, mag „Bram Stoker’s Dracula“, die alten Hammer-„Dracula“-Filme, die Universal-Klassiker oder auch „Near Dark“ von Kathryn Bigelow. Das ist für mich ein wahnsinnig faszinierendes Themenfeld. Die Kernidee von „Oderbruch“ war allerdings eine andere. Sie stammt von Arend Remmers: eine Serienkiller-Geschichte mit einer leichten Überhöhung in Richtung Vampirmythos. Der Ansatz war, dass hinter diesem Mythos eine reale, genetisch und wissenschaftlich erklärbare Krankheit steckt – und dass aus ihr die Legenden entstanden sind.


Unsere Aufgabe war es, diese Idee konsequent weiterzuentwickeln. Ich habe Arend zum Beispiel den Film „Martin“ gezeigt, den ich sehr liebe und der in eine ähnliche Richtung geht. Arend steht dem klassischen Vampirmotiv eher distanziert gegenüber, ich selbst mag es etwas mehr. Dadurch konnte ich kleine Verbeugungen einbauen – etwa, dass die Vampire bei uns auch hereingebeten werden. Das sind schöne Liebhaberdetails, aber sie stehen nicht im Zentrum. Es geht um etwas anderes – und genau darauf habe ich mich sehr gern eingelassen. Auch in der zweiten Staffel bleibt der Vampirismus klar geerdet.


Der Film Journalist: In Staffel eins gab es einen größeren Writers’ Room, die zweite haben Sie wieder gemeinsam mit Arend Remmers geschrieben. Wie seid ihr die zweite Staffel angegangen?


Christian Alvart: Es ist Arends Baby. Wenn er die Kapazitäten hat, schreibt er in erster Linie selbst. Natürlich kam er mit vielen Fragen zu mir, und ich würde sagen: Ich habe mitentwickelt und mitgeschrieben – aber geschrieben hat Arend. Wir sind ein sehr eingespieltes, vertrautes kreatives Team und haben alles gemeinsam durchgesprochen. Uns verbindet eine klare Philosophie: Wir lieben horizontales Erzählen und Figuren, deren Entscheidungen echte Konsequenzen haben und sich weiterentwickeln dürfen. Zweite Staffeln neigen oft dazu, die erste zu wiederholen – genau das wollten wir vermeiden. Den großen Twist der ersten Staffel kann man nicht wiederholen, also wollten wir bewusst eine Veränderung. Es gibt weniger Mystery, weil das Grundprinzip nun bekannt ist. Gleichzeitig bleiben große Fragen offen, auch im Hinblick auf eine mögliche dritte Staffel. Wichtig war uns, dass Welt, Figuren und Tonalität konsistent bleiben – selbst wenn diesmal etwas mehr Sonne ins Spiel kommt.


Bildnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak
Bildnachweis: © ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Entertainment/Kurt Patzak

Der Film Journalist: Abseits von „Oderbruch“ haben Sie kürzlich auf Instagram mit „Back to set life“ auf ein neues Projekt angespielt. Ist das „Embassy“?


Christian Alvart: Ja, das ist „Embassy“. Viel mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht sagen, weil ich vertraglich gebunden bin. In diesem Fall bin ich nicht Showrunner oder Produzent. Wenn meine eigene Firma produziert, habe ich deutlich mehr Spielraum, was Kommunikation angeht – hier gelten andere Regeln. Das Projekt entsteht bei Turbine Studios zusammen mit AGC Television und Ascendant Fox. Es ist eine große Action-Serie mit Anna Kendrick und J.K. Simmons. Im Zentrum steht ein Überfall auf die amerikanische Botschaft in London, bei dem der US-Botschafter als Geisel genommen wird.


Dass ich dazugekommen bin, war eher überraschend. Vor acht oder neun Monaten wurde ich gefragt, ob mich das grundsätzlich interessieren würde. Ich habe die Bücher gelesen und gesagt: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Danach habe ich lange nichts mehr gehört und dachte, das Thema sei erledigt. Kurz vor Weihnachten kam dann doch noch einmal die Anfrage, ob ich weiterhin verfügbar wäre. Aufgrund der tollen Geschichte und der Darsteller habe ich gesagt: Ja, das schiebe ich rein und habe jetzt gerade großen Spaß am Set. Es ist mal wieder toll, auf Englisch zu arbeiten, das war jetzt schon eine Weile her.


Der Film Journalist: Zum Abschluss nochmals zurück zu „Oderbruch“ – warum lohnt es sich, für die zweite Staffel wieder in diese Welt zurückzukehren?


Christian Alvart: Es werden viele offene Fragen beantwortet. Die Figuren, die man liebgewonnen hat – außer denen, die gestorben sind –, sind alle wieder dabei und entwickeln sich konsequent weiter. Gleichzeitig kommen neue, spannende Charaktere hinzu. Der Suspense bleibt ungemein hoch, wir erzählen wieder in großem Bogen, mit viel Genre und einem entsprechend kraftvollen Showdown – so intensiv wie beim letzten Mal.

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