Emily Kusche im Interview zur 2. Staffel von „Oderbruch“: „Ich mag es sehr, wenn Stoffe so wirklichkeitsnah und intensiv erzählt sind“
- Toni Schindele

- vor 1 Tag
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„Beim Lesen des Drehbuchs dachte ich oft: Oh Gott, das ist so realistisch, dass ich im Hinterkopf hatte, vielleicht gibt es so etwas wirklich“, erzählt Emily Kusche im Interview zur zweiten Staffel von „Oderbruch“.

Im Kosmos von Syrreal Entertainment ist Emily Kusche längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Nach Auftritten im Kinofilm „Steig. Nicht. Aus!“ und in der Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ wurde sie vor allem durch die drei Staffeln der ZDF-Serie „Sløborn“ einem breiten Publikum vertraut. Dort verkörperte sie mit Evelin Kern eine Jugendliche, die mitten im Ausbruch einer tödlichen Pandemie gezwungen ist, früh Verantwortung zu übernehmen und unter extremen Bedingungen erwachsen zu werden. Während „Sløborn“ 2024 nach seiner dritten Staffel endete, startete nahezu zeitgleich mit „Oderbruch“ eine weitere Serie aus dem Hause Syrreal Entertainment – und entwickelte sich in der ARD Mediathek rasch zu einem der auffälligsten deutschen Serienerfolge der vergangenen Jahre. Entsprechend schnell war klar, dass die Geschichte nach der ersten Staffel nicht abgeschlossen sein würde.
Was als düsteres Rätsel in der menschenleeren deutsch-polnischen Grenzregion begann, führt uns nun in der zweiten Staffel nach Spanien, wo persönliche Geheimnisse und ein mittelalterlicher Orden warten. Im Zentrum stehen weiterhin die Geschwister Maggie und Kai, die versuchen, den tödlichen Blutdurst ihrer eigenen Art zu beenden. Dabei stoßen sie auf Vera, Maggies verschollene Tochter. Die junge Musikstudentin hält sich mit einem Klavierjob über Wasser und ahnt lange nichts von ihrer Herkunft, bis sie nach und nach erkennt, dass sie durch ihre Mutter das Vampirgen in sich trägt. Gespielt wird Vera von Emily Kusche, die unwissentlich in die Machtstrukturen eines aussterbenden Vampirordens gerät und zunehmend zum Spielball konkurrierender Interessen wird. Kurz vor dem Start der neuen Folgen hat sich Emily Kusche Zeit für ein Gespräch genommen.
Der Film Journalist: Wann hast du das erste Mal von „Oderbruch“ mitbekommen und wie kam es dazu, dass du in der zweiten Staffel dabei bist?
Emily Kusche: Ich habe zunächst eher am Rande mitbekommen, womit Arend Remmers sich beschäftigt. Wir haben ja schon zuvor zusammengearbeitet, und dadurch bekommt man manchmal grob mit, welche Projekte gerade entstehen. So richtig bewusst wurde mir „Oderbruch“ aber erst, als die erste Staffel veröffentlicht war. Ich habe dann alle acht Folgen hintereinander zu Hause geschaut und war sofort begeistert. Ich bin ohnehin ein großer Fan von

Arend und Adolfo Kolmerer, deshalb war mir relativ schnell klar, dass mir diese Serie gefallen würde. Irgendwann kam dann das Thema zweite Staffel auf und nach und nach auch die Idee einer neuen Figur. Arend hatte mich dabei wohl schon im Hinterkopf. Trotzdem ist so etwas natürlich immer ein Prozess: Auch bei der ARD müssen Besetzungen vorgeschlagen und abgesegnet werden. Am Ende hat das funktioniert, und ich habe die Nachricht bekommen, dass ich die Rolle spiele.
Der Film Journalist: Vampirgeschichten sind durch die Popkultur stark geprägt. Was verbindest du persönlich mit dem Vampirmotiv, und was hat dich hier besonders gereizt?
Emily Kusche: Ich muss ehrlich sagen, dass ich vorher gar nicht besonders tief im Vampirthema drin war. Generell mag ich Science-Fiction und übernatürliche Elemente in Filmen oder Serien eher nicht so gern, weshalb ich in diesem Genre auch nicht besonders viel unterwegs bin. Vampire kenne ich tatsächlich am ehesten noch aus früheren deutschen Kinderfilmen wie „Die Vampirschwestern“. Das ist, glaube ich, das Letzte, woran ich mich erinnere, wo Vampire wirklich eine zentrale Rolle gespielt haben. Was mich an dem Stoff von „Oderbruch“ aber gereizt hat, ist die ganz andere Herangehensweise an das Thema.
Vampire werden hier eben nicht als eine Art Superkraft inszeniert – nicht als etwas, bei dem Menschen durch die Luft fliegen oder sich mit spitzen Zähnen in den Hals beißen –, sondern als etwas, das in eine realistische Welt und eine realistische Gesellschaft eingebettet ist. Man hat nicht das Gefühl, dass Vampire nicht existieren könnten – im Gegenteil. Beim Lesen des Drehbuchs dachte ich oft: Oh Gott, das ist so realistisch, dass ich im Hinterkopf hatte, vielleicht gibt es so etwas wirklich. Und genau das finde ich super spannend. Ich mag es sehr, wenn Stoffe so wirklichkeitsnah und intensiv erzählt sind.

Der Film Journalist: Und jemand, der das erst herausfinden muss – dass er da vielleicht eine Verbindung hat, von der er nicht gedacht hätte, dass sie existiert –, ist ja dann auch deine Rolle Vera. Was macht sie für dich aus, wer ist Vera für dich?
Emily Kusche: Ich fand von Anfang an beim Lesen, dass Vera ein super interessanter Charakter ist. Wie du schon sagst: Man lernt sie zunächst als Einzelgängerin kennen, irgendwie ohne ein richtiges Zuhause, ohne Familie oder enge soziale Beziehungen. Sie lebt so ein bisschen in ihrer eigenen Welt und wirkt dadurch auch unberechenbar. Man lernt Vera kennen, weiß aber lange nicht so richtig, was eigentlich in ihr vorgeht. Gerade im Verlauf der Serie ist es dann super spannend zu sehen, wie sie mit verschiedenen Menschen und Situationen umgeht – wovor sie Angst hat, was sie vielleicht sogar reizt oder wo sie plötzlich denkt: Oh, das könnte jetzt hier irgendwie spannend werden. Ich glaube, genau das macht sie aus: dass sie so individuell ist und zu den einzelnen Figuren sehr unterschiedliche Beziehungen hat. Man weiß lange nicht, was in ihr vorgeht, und genau das macht ihre Entwicklung so spannend, weil alles ein Stück weit unvorhersehbar bleibt.
Der Film Journalist: Du hast für die Rolle Cello und Spanisch gelernt. Wie lief die Vorbereitung auf die zweite Staffel ab?
Emily Kusche: Als ich das Drehbuch gelesen habe, war mir relativ schnell klar, dass da einiges auf mich zukommen würde. Sobald feststand, dass ich die Rolle spiele, habe ich mit dem Unterricht begonnen: einmal pro Woche Spanisch, einmal pro Woche Cello, und habe natürlich auch versucht, zu Hause selbst noch zu üben. Am Anfang dachte ich: Oh, ich freue mich. Ich sehe

das eigentlich immer eher als etwas Positives und natürlich auch als etwas total Tolles, wenn man für ein Projekt die Chance bekommt, etwas Neues zu lernen. Aber natürlich unterschätzt man trotzdem, wie schnell so eine Vorbereitungszeit vorbeigeht – und auf einmal steht man am Drehort und muss ein Cello-Stück performen. Ich muss aber sagen, ich hatte sehr gute Lehrer und habe mich sehr aufgehoben gefühlt. Auch bei Adolfo, der ja selbst Spanisch spricht, habe ich mich natürlich sehr sicher gefühlt und wusste, da ist mir sowieso keiner böse, wenn ich mal einen falschen Ton spiele. Zusätzlich hatte ich auch noch Acting-Hilfe, und das hat am Ende alles super funktioniert – also meiner Meinung nach, aber mal schauen, was die anderen sagen. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und war einfach noch einmal eine extra Challenge, die man bei manchen Projekten eben nicht hat, bei diesem aber schon.
Der Film Journalist: Das heißt, du hast mit Spanisch tatsächlich erst für diese Produktion begonnen?
Emily Kusche: Ja, genau. Sowohl Spanisch als auch Cello hatte ich vorher nie im Unterricht. Ich kannte natürlich die Sprache und das Instrument an sich, aber nicht praktisch. Der Vorteil beim Dreh ist ja, dass man keine freie Konversation führen muss. Die spanischen Passagen stehen im Drehbuch, man kann sich also sehr gezielt auf die Sätze vorbereiten und an Aussprache, Betonung und Akzenten feilen.
Der Film Journalist: Wenn wir schon beim Spanischen sind, einmal zu den Dreharbeiten, die ja zur zweiten Staffel größtenteils auf Gran Canaria stattfanden. Du meintest einmal, dass es für dich spannend war, als Neue in ein bestehendes Ensemble einzutauchen – gleichzeitig war es wieder eine Syrreal-Entertainment-Produktion mit dem vertrauten „Sloborn“-Kreativtrio um Arend, Christian und Adolfo. Wie hast du diese Dreharbeiten erlebt?
Emily Kusche: Also, wie du schon sagst, war das eigentlich eine gute Mischung: Man hatte neue Leute, vor allem im Ensemble, und gleichzeitig so ein familiäres Teamgefühl. Ich kannte auch schon einige und habe mich direkt sehr aufgehoben gefühlt – und mich trotzdem gleichzeitig extrem gefreut, auch mal mit Leuten zu spielen, mit denen ich vorher noch nicht gearbeitet hatte. Gran Canaria selbst war unfassbar. Die Insel hat wirklich tolle Orte, und wir haben an sehr

unterschiedlichen Locations gedreht. Wir hatten fast jeden Morgen eine Anfahrt von etwa einer Stunde von dort, wo wir gewohnt haben, aber das hat sich immer gelohnt. Teilweise haben wir in den Bergen in einem Kloster gedreht, dann wieder am Strand an der Küste oder in wüstenartigen Regionen. Gran Canaria ist als Insel einfach sehr vielfältig, man kann dort unglaublich viel machen. Ich bin auch der Meinung, dass diese Staffel extrem tolle Szenerien hat und dass genau das sie sehr ausmacht. Allein die Bilder und die Orte, an denen wir gedreht haben. Als Schauspieler gibt dir das sofort ein ganz anderes Gefühl, wenn du an so einem extrem schönen oder eindrucksvollen Ort stehst – ein Ort, der emotional etwas mit dir macht. Fürs Spielen ist das einfach etwas anderes, wenn du die Atmosphäre der Umgebung direkt mit aufnehmen kannst.
Der Film Journalist: Die zweite Staffel startet am 20. Februar 2026 in der ARD Mediathek und wird zwei Tage später auch linear im Ersten ausgestrahlt. Zum Abschluss: Warum sollte man unbedingt einschalten und die neuen „Oderbruch“-Folgen nicht verpassen?
Emily Kusche: Ich glaube, es gibt viele Gründe. Zum einen ist da das Ensemble mit den unfassbar tollen Schauspielern, die unglaublich vielfältig sind und jeder für sich extrem gut und extrem interessant. Zum anderen spielen die Schauplätze eine große Rolle: Wo das alles gedreht wurde, ist visuell einfach extrem toll anzusehen. Und ich glaube, dass es sehr spannend wird und vor allem von Folge zu Folge exponentiell an Spannung gewinnt.





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