Deutscher Filmpreis 2026: Alle Gewinner, Dankesreden und Highlights des Abends
- Toni Schindele

- vor 12 Stunden
- 13 Min. Lesezeit
Die Gewinner des 76. Deutschen Filmpreises stehen fest: Vor allem das Drama „In die Sonne schauen“ prägte die Lola-Verleihung im Berliner Palais am Funkturm und setzte sich bereits früh in mehreren Kategorien durch.

Die Lolas sind vergeben: Im Palais am Funkturm ist zum 76. Mal der Deutsche Filmpreis verliehen worden. Mit der Auszeichnung ehrt die Deutsche Filmakademie jährlich die herausragenden Filme sowie kreativen Leistungen des deutschen Kinos. Seit der ersten Verleihung im Jahr 1951 gilt die Lola als renommierteste und wichtigste Auszeichnung der deutschen Filmbranche. Im Vorfeld der diesjährigen Verleihung galt vor allem das Drama „In die Sonne schauen“ von Regisseurin Mascha Schilinski als Favorit des Abends. Der Film war mit insgesamt elf Nominierungen ins Rennen gegangen, darunter in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“. Dahinter folgte das Politdrama „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak mit neun Nominierungen.
Jeweils sieben Nennungen erhielten „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Simon Verhoeven sowie „Das Verschwinden des Josef Mengele“ von Kirill Serebrennikov. Insgesamt konkurrierten sechs Produktionen um die Goldene Lola für den Besten Spielfilm. Rund 1900 Gäste kamen zur 76. Verleihung des Deutschen Filmpreises zusammen, bei der die Lola in insgesamt 17 Kategorien vergeben wurde. Durch den Abend führte erneut Schauspieler und

Regisseur Christian Friedel, der bereits zum zweiten Mal die Moderation der wichtigsten deutschen Filmauszeichnung übernahm. Musikalisch begleitet wurde die Verleihung von Friedels Band Woods of Birnam sowie der Sängerin und Songwriterin Lary, mit denen er die Gala eröffnete. In seiner Auftaktrede stellte Friedel vor allem die Vielfalt des aktuellen deutschen Kinojahrgangs in den Mittelpunkt.
Man wolle „das Miteinander zelebrieren“, erklärte der Schauspieler zu Beginn der Verleihung. Zugleich würdigte er die Bandbreite der nominierten Produktionen und betonte die gesellschaftliche Bedeutung künstlerischer Freiheit: „Wir feiern die Freiheit der Kunst. Denn sie ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft Filme haben, die uns emotionalisieren, uns auch mal herausfordern oder einfach unterhalten dürfen.“ Eröffnet wurde die Preisverleihung mit der Kategorie „Beste weibliche Nebenrolle“. Die Lola ging dabei an Lena Urzendowsky für ihre Rolle in „In die Sonne schauen“. In ihrer Dankesrede zeigte sich die Schauspielerin sichtlich bewegt und sprach ausführlich über die gesellschaftlichen Themen des Films. Die Geschichte ihrer Figur Angelika zeige, „was mit Menschen und zwischen Menschen passiert, wenn sie keine Sprache finden“.
Weiter sagte Urzendowsky: „Wir müssen miteinander reden und uns einander anvertrauen und füreinander da sein.“ Zugleich kritisierte sie den Umgang mit Gewalt im Filmschaffen und erklärte: „Gewalt jeglicher Art, über Grenzen gehen und vor allem nicht genug füreinander da sein – das muss aufhören.“ Besonders hob sie dabei Regisseurin Mascha Schilinski und das Team von „In die Sonne schauen“ hervor, denen es gelungen sei, „aus einem kollektiven Trauma der Figuren [...] so etwas Besonderes wie Kunst“ zu machen. Anschließend wurde die Lola für das „Beste Kostümbild“ vergeben. Die Auszeichnung erhielt Sabrina Krämer ebenfalls für ihre Arbeit an „In die Sonne schauen“. Anmoderiert wurde die Kategorie von Schauspielerin Mala Emde.
Krämer sprach in ihrer Dankesrede humorvoll über die oft unsichtbare Arbeit hinter dem Kostümbild und erklärte, der Beruf bedeute meist „zu wenig Zeit, zu viele Meinungen und erstaunlich intensive Diskussionen über Farben“. Gleichzeitig würdigte sie die Leidenschaft ihres

Gewerks und betonte, wie viel Arbeit selbst in Details stecke, die später nur wenige Sekunden im Bild zu sehen seien. Besonders dankte sie ihrem gesamten Kostümteam sowie Regisseurin Mascha Schilinski für das Vertrauen während der Produktion. Auch in den technischen Kategorien setzte sich „In die Sonne schauen“ zunächst weiter durch. Die Lola für das „Beste Maskenbild“ ging an Anne-Marie Walther und Irina Schwarz.
In ihrer gemeinsamen Dankesrede bedankten sich beide ausführlich beim Team des Films und betonten die enge Zusammenarbeit hinter den Kulissen. Das Projekt habe ihnen ermöglicht, „die Leidenschaft für unser Handwerk mit einer Vision und Themen zu kombinieren, die uns tief berühren“. Gleichzeitig hoben sie hervor, wie viele Menschen an der Entstehung des Maskenbilds beteiligt gewesen seien und appellierten an mehr Zusammenhalt innerhalb der Branche: „Lasst uns ein bisschen mehr bündeln, teilen und zusammenarbeiten, anstatt immer nur alleine für sich und nebeneinander her.“ Im Anschluss wurde die Lola für die „Besten visuellen Effekte“ vergeben. Ausgezeichnet wurden Michael Wortmann und Frank Schlegel für ihre Arbeit an „Momo“. Wortmann nahm den Preis alleine entgegen, da Schlegel nicht vor Ort sein konnte.
In seiner Rede sprach er über die langjährige Arbeit an dem Film sowie den Anspruch, visuell

möglichst große Kinobilder zu erschaffen. Gemeinsam mit Produzent Christian Becker und Regisseur Christian Ditter habe man den Wunsch gehabt, „einen Film zu machen, der so starke Bilder hat, dass er – egal wie groß die Leinwand ist – sie komplett ausfüllen kann“. Besonders hob Wortmann zudem die Arbeit seines Teams hervor und erklärte: „Ich bin so stolz auf diesen Film, weil er wirklich bewiesen hat, dass wir in Deutschland richtig, richtig große Bilder für Kinofilme machen können. Wir müssen uns nicht verstecken.“ Zwischendurch wurde auch die bereits im Vorfeld verliehene Lola für den „Besucherstärksten Film“ gewürdigt.
Erstmals in der Geschichte des Deutschen Filmpreises wurde eine Kategorie dabei aus dem klassischen Gala-Rahmen herausgelöst und direkt im Kino vor Publikum vergeben. Die Auszeichnung erhielt Michael Bully Herbig für seine Komödie „Das Kanu des Manitu“, die mit über fünf Millionen Besuchern zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm des vergangenen Jahres wurde. Überreicht wurde die Lola bereits Anfang Mai im Münchner ARRI Kino von Moderator Christian Friedel an Herbig sowie dessen Co-Stars Christian Tramitz und Rick Kavanian. Zurück in der eigentlichen Gala ging es anschließend mit der Kategorie „Beste Filmmusik“ weiter. Die Lola erhielt Marvin Miller für seine Musik zu „Gelbe Briefe“. Anschließend rückte mit der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ wieder die Schauspielkunst in den Mittelpunkt der Verleihung.
Noch bevor jedoch der Gewinner bekannt gegeben werden konnte, kam es im Saal zu einer unerwarteten Unterbrechung: Wegen technischer Probleme musste die Gala zeitweise pausieren. Nach Angaben der Deutschen Filmakademie war eine der großen Leinwände im Saal ausgefallen und musste repariert werden. Das Publikum durfte währenddessen kurzzeitig den Saal verlassen. Auch die Liveübertragung der Verleihung in der Mediathek des Ersten war von der Panne betroffen. Diese wurde vorübergehend unterbrochen, stattdessen war lediglich eine Einblendung mit den Worten „Es geht gleich weiter!“ zu sehen. Nach längerer Unterbrechung konnte die Gala schließlich fortgesetzt und der Gewinner in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ doch noch verkündet werden.
Die Lola ging an Michael Wittenborn für seine Rolle in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. In seiner Dankesrede zeigte sich Wittenborn sichtlich bewegt und erklärte: „Was kann ich

anderes tun als danken, wenn ich alles als Geschenk betrachte?“ Besonders bedankte er sich bei Regisseur Simon Verhoeven, Casting Directorin Nina Haun sowie Autor Joachim Meyerhoff, dessen Vorlage er als „passgenau in den Strafraum“ gesegelt beschrieb. Im Anschluss folgte einer der emotionalen Höhepunkte des Abends: die Verleihung des Ehrenpreises an Wim Wenders. Die Laudatio hielt Florian Gallenberger, Präsident der Deutschen Filmakademie, der Wenders als einen Filmemacher würdigte, dessen Werk weit über das Kino hinausreiche.
„Es gibt Menschen, die machen Filme. Es gibt Menschen, die machen herausragende Filme und prägen damit das Kino. Und manchmal gibt es sogar Menschen, die mit ihrem Kino unser Leben prägen“, sagte Gallenberger zu Beginn seiner Rede. Als Wim Wenders anschließend unter minutenlangen Standing Ovations die Bühne betrat, nutzte der Ehrenpreisträger seine Dankesrede nicht nur für persönliche Erinnerungen, sondern auch für grundsätzliche Fragen über Filmgeschichte und den Umgang mit künstlerischem Erbe. Wenders bezeichnete sich als „den Letzten“ des Neuen Deutschen Films und würdigte zugleich Generationen von Filmschaffenden – von Alexander Kluge bis hin zu den Gewerken hinter der Kamera. Besonders hob er die Arbeit von Schauspielerinnen und Schauspielern hervor, die „den wirklich gefährlichen Job“ machen würden, weil sie ihre eigene Seele offenlegen müssten.
Gleichzeitig sprach Wenders ausführlich über einen heute umstrittenen Moment aus seinem Film „Falsche Bewegung“ und stellte die Frage in den Raum, ob ältere Werke nachträglich verändert werden dürften, wenn Szenen Beteiligte verletzten oder nicht mehr in die heutige Zeit passten. Dabei verwies er auch auf Steven Spielberg, der nachträgliche Änderungen an „E.T.“ später selbst bereut habe. Wenders appellierte schließlich an die Deutsche Filmakademie, eine größere Diskussion über Verantwortung, Zeitgeist und künftig auch über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Kino anzustoßen. Anschließend wurden mit dem „Besten Szenenbild“ und der „Besten Kamera“ zwei weitere zentrale kreative Gewerke ausgezeichnet und erneut dominierte dabei „In die Sonne schauen“. Die Lola für das „Beste Szenenbild“ ging an Cosima Vellenzer und Maike Kiefer.
In ihrer gemeinsamen Dankesrede bedankten sie sich vor allem bei ihrem Team sowie den Menschen in der Altmark, wo der Film entstand. Trotz kleiner Mittel habe das gesamte Team mit außergewöhnlichem Einsatz gearbeitet. Besonders hoben sie hervor, wie wichtig die gemeinsame Zusammenarbeit und das Vertrauen innerhalb der Produktion gewesen seien. Zudem dankten sie Regisseurin Mascha Schilinski und Autorin Luise Peter dafür, „mit diesem Film Frauen eine Stimme gegeben“ zu haben. Direkt danach folgte die Kategorie „Beste Kamera“, die ebenfalls an „In die Sonne schauen“ ging. Ausgezeichnet wurde Fabian Gamper, der sich in seiner Dankesrede besonders bewegt über die Zusammenarbeit mit dem Team zeigte. Bereits die Nominierung gemeinsam mit den anderen Kameraleuten habe ihn „wahnsinnig gefreut“.
Gamper bedankte sich unter anderem bei den Produzenten, der Crew sowie seinem Oberbeleuchter Oliver Geissler, die mit großer Leidenschaft an dem Projekt gearbeitet hätten.

Viele Beteiligte hätten „viel mehr gemacht, als man eigentlich in diesem Beruf erwarten kann“, erklärte der Kameramann. Seinen abschließenden Dank richtete er an Regisseurin Mascha Schilinski: „Danke, dass du diesen Film mit mir gemacht hast.“ Nach einer emotionalen musikalischen Einlage zum Gedenken an die verstorbenen Filmschaffenden des vergangenen Jahres wurde die Verleihung mit der Kategorie „Bester Filmschnitt“ fortgesetzt. Und erneut setzte sich der große Favorit des Abends durch: Die Lola ging an Evelyn Rack für „In die Sonne schauen“. In ihrer Dankesrede sprach Rack ausführlich über die Eigenständigkeit des Films und dessen bewusste Abkehr von klassischen Verwertungsmechanismen.
Oft habe sie das Gefühl, dass Filme vor allem „gut funktionieren“ und sich möglichst klar vermarkten lassen müssten. „Dieser Film entzieht sich all diesen Dingen“, erklärte Rack. „Er ist widersprüchlich, widerständig und verweigert sich nach bestem Wissen jeder Verwertungslogik.“ Besonders bedankte sie sich bei Regisseurin Mascha Schilinski für deren Mut, „die eigene Sprache und Stimme zu bewahren“, sowie bei ihrem Team im Schneideraum. Gleichzeitig nutzte Rack ihre Rede auch für einen Appell an mehr Zusammenhalt innerhalb der Branche und betonte, dass Konkurrenzdenken unter Filmschaffenden überwunden werden müsse. Mit der Kategorie „Bester Kinderfilm“ rückte anschließend das junge Publikum in den Mittelpunkt der Verleihung. Die Lola ging an den Dokumentarfilm „Zirkuskind“.
Mit der Auszeichnung für die „Beste weibliche Hauptrolle“ folgte anschließend eine der großen

Hauptkategorien des Abends. Nominiert waren Senta Berger für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, Özgü Namal für „Gelbe Briefe“ sowie Luna Wedler für „22 Bahnen“. Durchsetzen konnte sich schließlich Senta Berger, die im Alter von 85 Jahren erstmals mit einem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Bereits beim Betreten der Bühne erhielt die Schauspielerin besonders großen Applaus aus dem Saal und zeigte sich sichtlich überwältigt von der Reaktion des Publikums. „Bitte nicht mehr, bitte, bitte. Ich kann es nicht aushalten“, sagte Berger zu Beginn ihrer Rede unter großem Jubel. In ihrer Dankesrede sprach Berger anschließend emotional über ihre jahrzehntelange Karriere und ihre anhaltende Liebe zum Schauspielberuf. „Ich liebe diesen Beruf immer noch. Ja, und dafür werde ich jetzt belohnt“, erklärte sie bewegt.
Gleichzeitig erinnerte sie an viele Wegbegleiter, die sie im Laufe ihres Lebens geprägt hätten. Man brauche in diesem Beruf immer wieder Mut, sagte Berger, werde oft enttäuscht, sei aber umso glücklicher, wenn etwas gelinge. „Und ich bin auch heute Abend sehr glücklich. Ich bin aber auch aufgeregt. Morgen bin ich glücklich – aber heute ist es einfach zu viel.“ Nach einer musikalischen Einlage von Gisa Flake ging es mit der Kategorie „Beste Tongestaltung“ weiter. Und auch hier setzte sich erneut „In die Sonne schauen“ durch, das damit seinen beeindruckenden Lauf bei der Verleihung fortführte. Die Lola ging an Claudio Demel, Billie Mind, Kai Tebbel, Sebastian Heyser und Jürgen Schulz. In ihrer gemeinsamen Dankesrede betonte das Team insbesondere die enge Verzahnung von Bild, Montage und Ton innerhalb des Films. Regisseurin Mascha Schilinski habe Klang von Anfang an als Teil der Erzählung verstanden, was „alles andere als selbstverständlich“ sei.
Besonders hervorgehoben wurde zudem der Einfluss der Montage auf die akustische Gestaltung des Films. „Filme entstehen auch im Hören“, erklärte das Team. „Klang beeinflusst, wie wir Bilder erinnern, fühlen und wahrnehmen.“ Anschließend wurde der Bernd-Eichinger-Preis verliehen, der seit 2012 unregelmäßig im Rahmen des Deutschen Filmpreises vergeben wird und an den 2011 verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger erinnert. In diesem Jahr ging die Auszeichnung erst zum fünften Mal an die Produzenten Thomas Wöbke und Philipp Trauer. In ihrer Dankesrede erinnerten beide ausführlich an persönliche Begegnungen mit Eichinger und würdigten ihn nicht nur als erfolgreichen Produzenten, sondern vor allem als Förderer und Mentor junger Filmschaffender.
Nach dem Sonderpreis rückte die Verleihung wieder die großen Wettbewerbskategorien des Abends in den Mittelpunkt. Nachdem bereits Senta Berger als beste weibliche Hauptdarstellerin

ausgezeichnet worden war, folgte nun die Kategorie „Beste männliche Hauptrolle“. Die Lola ging an August Diehl für seine Darstellung in „Das Verschwinden des Josef Mengele“. In seiner emotionalen Dankesrede sprach Diehl vor allem über die Menschen, die ihn über Jahre hinweg begleitet haben. Besonders hob er Regisseur Kirill Serebrennikov hervor, den er als „Meisterregisseur“ bezeichnete. Zudem bedankte sich Diehl bei seiner langjährigen Agentin Marie-Luise Schmidt, die ihn seit rund 30 Jahren begleite. Sie habe ihn „in seiner Kompliziertheit ausgehalten“ und sei über die Jahre zu einer engen Freundin geworden. „Dieser ganze Weg hat ganz viel mit dir zu tun“, erklärte der Schauspieler bewegt.
Mit der Kategorie „Bestes Drehbuch“ folgte anschließend eine weitere der zentralen Auszeichnungen des Abends und erneut führte kein Weg an „In die Sonne schauen“ vorbei. Die Lola ging an Mascha Schilinski und Luise Peter, die fast vier Jahre lang gemeinsam an dem Drehbuch gearbeitet hatten. In ihrer Dankesrede beschrieben beide den langen kreativen Prozess hinter dem Film und sprachen davon, „mit dieser Welt gelebt“ zu haben. Besonders betonten sie den Versuch, Erinnerungen und Traumata filmisch greifbar zu machen, obwohl diese sich eigentlich jeder klaren Sprache entziehen würden. Dafür habe man bewusst klassische Drehbuchregeln hinter sich gelassen und nach einer neuen Erzählstruktur gesucht. „Wir machen das Gegenteil von ‚Kill Your Darlings‘“, erklärten die beiden scherzhaft. „Darlings only.“
Gleichzeitig dankten Schilinski und Peter ihren Produzenten dafür, dass diese den ungewöhnlichen Weg des Films trotz des Risikos und einer fehlenden klassischen Hauptfigur unterstützt hätten. Mit der Lola für den „Besten Dokumentarfilm“ rückte danach das dokumentarische Erzählen in den Mittelpunkt des Abends. Die Auszeichnung ging an „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“ von Sabine Lidl, der über mehrere Jahre hinweg das Leben und Schreiben der US-amerikanischen Autorin Siri Hustvedt begleitet. In ihrer Dankesrede zeigte sich Lidl sichtlich bewegt von der Atmosphäre des Abends und bezeichnete die Verleihung als „menschlich“ und „tief berührend“. Gleichzeitig hob sie die langen Produktionsprozesse und Herausforderungen des Dokumentarfilms hervor. „Dokumentarfilm macht sichtbar, aber er ist nicht selbstverständlich“, erklärte die Regisseurin.
Er müsse finanziert werden, koste Zeit, Kraft und Geld. Besonders dankte sie Hustvedt selbst für deren Vertrauen und Offenheit während der siebenjährigen Entstehungszeit des Films: „Wir sind mehr als nur das Beiblatt des Kinos. Wir sind wirklich da – und wir müssen bleiben.“ Kurz vor dem Höhepunkt des Abends stand schließlich noch die Kategorie „Beste Regie“ auf dem Programm und wenig überraschend setzte sich auch hier der große Gewinner der Verleihung durch: Mascha Schilinski wurde für „In die Sonne schauen“ ausgezeichnet. In ihrer emotionalen Dankesrede zeigte sich Schilinski sichtlich überwältigt und bedankte sich bei ihrem gesamten Team, das „Dinge möglich gemacht“ habe, „die eigentlich unmöglich waren“. Besonders hob sie Kameramann Fabian Gamper hervor, der mit der Kamera „wie ein Geist“ durch das Haus des Films geschwebt sei.
Außerdem richtete Schilinski auch persönliche Worte an junge Filmschaffende und ermutigte

den Nachwuchs, an die eigene Vision zu glauben: „Wir warten auf eure Geschichten. Seid mutig, seid laut, glaubt an eure Vision. Wir alle brauchen Filme, die wir so noch nicht erwartet haben und die uns aufrütteln.“ Zum Abschluss des Abends standen schließlich die wichtigsten Auszeichnungen des Deutschen Filmpreises auf dem Programm: die Lolas in Gold, Silber und Bronze für die besten Filme des Jahres. Insgesamt sechs Produktionen waren in der Königskategorie „Bester Spielfilm“ nominiert. Die Lola in Bronze ging dabei an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. In der Dankesrede bedankte sich das Team zunächst bei Autor Joachim Meyerhoff, dessen autobiografischer Roman die Vorlage des Films bildet.
Die Lola in Silber ging anschließend an „Gelbe Briefe“. In ihrer Dankesrede bedankte sich das Team ausführlich bei Förderinstitutionen, Sendern und allen Beteiligten hinter der Produktion, nutzte den Moment aber auch für politische Botschaften. Besonders betont wurde die Bedeutung künstlerischer Freiheit und demokratischer Strukturen für das Filmschaffen in Deutschland. Mit Verweis auf öffentlich-rechtliche Sender, Filmförderungen und die Berlinale erklärte das Team, man lebe und arbeite in einem Land, in dem freie Kunst möglich sei. Zugleich wurde dazu aufgerufen, diese Freiheit aktiv zu verteidigen – „mit unseren Filmen, mit unserem Engagement in der Zivilgesellschaft“. Abschließend zitierte das Team die politische Theoretikerin Hannah Arendt mit den Worten: „Der Sinn von Politik ist Freiheit.“
Der Höhepunkt des Abends gehörte schließlich dem großen Gewinner der 76. Lola-Verleihung: Die Goldene Lola für den „Besten Spielfilm“ ging – nach den zahlreichen Auszeichnungen im Verlauf des Abends wenig überraschend – an „In die Sonne schauen“. Damit krönte das Drama von Mascha Schilinski einen Abend, den der Film über weite Strecken dominiert hatte. In der abschließenden Dankesrede bedankte sich das Team noch einmal bei allen Beteiligten vor und hinter der Kamera sowie bei den Förderinstitutionen und Produzenten, die das ungewöhnliche Projekt möglich gemacht hatten. Gleichzeitig wurde die Auszeichnung auch als Signal für mutiges, unkonventionelles Kino verstanden. Immer wieder war im Laufe des Abends betont worden, wie sehr sich der Film klassischen Erzähl- und Verwertungslogiken verweigere und gerade dadurch viele Menschen berührt habe. Mit der Goldenen Lola fand dieser außergewöhnliche Erfolgsabend schließlich seinen endgültigen Höhepunkt.
Nachfolgend alle Lola-Auszeichnungen in der Übersicht (Gewinner in grün):
In der Kategorie „Bester Spielfilm“:
„22 Bahnen“
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ (BRONZE)
„Amrum“
„Gelbe Briefe“ (Silber)
„In die Sonne schauen“ (GOLD)
„Das Verschwinden des Josef Mengele“
In der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“:
„Im Prinzip Familie“
„Siri Hustvedt – Dance Around the Self“
„Soldaten des Lichts“
In der Kategorie „Bester Kinderfilm“:
„Das geheime Stockwerk“
„Zirkuskind“
In der Kategorie „Beste Regie“:
İlker Çatak für „Gelbe Briefe“
Mascha Schilinski für „In die Sonne schauen“
Simon Verhoeven für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
In der Kategorie „Bestes Drehbuch“:
İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak und Enis Köstepen für „Gelbe Briefe“
Mascha Schilinski und Louise Peter für „In die Sonne schauen“
Simon Verhoeven für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
In der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“:
Senta Berger für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Özgü Namal für „Gelbe Briefe“
Luna Wedler für „22 Bahnen“
In der Kategorie „Beste männliche Hauptrolle“:
Bruno Alexander für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Tansu Biçer für „Gelbe Briefe“
August Diehl für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
In der Kategorie „Beste weibliche Nebenrolle“:
Lena Urzendowsky für „In die Sonne schauen“
Claudia Geisler-Bading für „In die Sonne schauen“
Laura Tonke für „22 Bahnen“
In der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“:
Leonard Kunz für „Der Tiger“
Peter Kurth für „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“
Thorsten Merten für „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“
Jannis Niewöhner für „22 Bahnen“
Michael Wittenborn für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
In der Kategorie „Beste Kamera/Bildgestaltung“:
Fabian Gamper für „In die Sonne schauen“
Judith Kaufmann für „Gelbe Briefe“
Karl Walter Lindenlaub für „Amrum“
Vladislav Opelyants für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
In der Kategorie „Bester Schnitt“:
Maxine Goedicke für „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“
Gesa Jäger für „Gelbe Briefe“
Evelyn Rack für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „Beste Tongestaltung“:
David Almeida-Ribeiro, Olivier Touche und Olivier Goinard für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
Claudio Demel, Billie Mind, Kai Tebbel, Sebastian Heyser und Jürgen Schulz für „In die Sonne schauen“
Jacques Kieffer, Tobias Koch und Bertin Molz für „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“
Eckhard Kuchenbecker, Dominik Schleier, Nico Krebs, Christoph Merkele und Hanse Warns für „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Joern Martens, Tobias Fleig, Corinna Fleig und Richard Borowski für „Amrum“
In der Kategorie „Beste Filmmusik“:
Lorenz Dangel für „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“
Dascha Dauenhauer für „22 Bahnen“
Stefan Götsch alias Hainbach für „Amrum“
Marvin Miller für „Gelbe Briefe“
In der Kategorie „Bestes Szenenbild“:
Zazie Knepper für „Gelbe Briefe“
Vladislav Ogay für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
Cosima Vellenzer und Maike Kiefer für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „Bestes Kostümbild“:
Tatiana Dolmatovskaya für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
Sabrina Krämer für „In die Sonne schauen“
Birgit Missal für „Amrum“
In der Kategorie „Bestes Maskenbild“:
Maike Heinlein für „Amrum“
Mariia Tutukina für „Das Verschwinden des Josef Mengele“
Anne-Marie Walther und Irina Schwarz für „In die Sonne schauen“
In der Kategorie „Beste visuelle Effekte“:
Tomer Eshed, Dennis Rettkowski und Frank Kaminski für „Die Schule der magischen Tiere 4“
Max Riess und Mona Mohr für „Woodwalkers 2“
Michael Wortmann und Frank Schlegel für „Momo“
In der Kategorie „Besucherstärkster Film“:
„Das Kanu des Manitu“ – Michael „Bully“ Herbig
Ehrenpreis:
Wim Wenders
Bernd Eichinger Preis:
Thomas Wöbke und Philipp Trauer





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