Fatih Akins Mentor Hark Bohm ist mit 86 Jahren gestorben: „Der Leuchtturm ist erloschen“
- Toni Schindele

- 14. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der Hamburger Filmemacher Hark Bohm ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Seine Familie bestätigte den Tod des Regisseurs, Drehbuchautors, Schauspielers, Produzenten und Hochschulprofessors am Freitag in Hamburg.

Seit den frühen 1970er-Jahren prägte Bohm als Regisseur, Autor und Darsteller die Strukturen des bundesdeutschen Autorenkinos entscheidend mit. Er war Mitbegründer des Filmverlags der Autoren sowie später des Hamburger Filmbüros und des Filmfest Hamburg. Seine Filme beschäftigten sich häufig mit gesellschaftlichen Spannungsfeldern, jugendlichen Perspektiven und familiären Konfliktlagen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Nordsee ist Mordsee“, „Moritz, lieber Moritz“ und „Yasemin“. Parallel übernahm Bohm prägnante Rollen in zahlreichen Filmen von Rainer Werner Fassbinder, darunter „Händler der vier Jahreszeiten“, „Angst essen Seele auf“ und „Die Ehe der Maria Braun“. Bohm wurde in Hamburg geboren und wuchs auf Amrum auf. Nach einem Jurastudium fand er Ende der 1960er-Jahre über seinen Bruder Marquard Bohm Zugang zur Münchner Filmszene und begann dort seine Karriere zunächst als Schauspieler und wechselte kurz darauf auch ins Schreiben und Regieführen.
Sein filmisches Interesse galt über Jahrzehnte Figuren, die gesellschaftliche Ränder bewohnen, sowie präzisen Alltagsbeobachtungen, die seine Arbeiten unverwechselbar machten. Kollegen beschrieben Bohm als zurückhaltenden, analytischen Künstler mit ruhiger, konzentrierter Präsenz. Ab 1992 lehrte Bohm als Professor an der Universität Hamburg und gründete dort das Filmstudium, war am Aufbau des 1993 eingerichteten Filmstudiums an der Universität Hamburg beteiligt, aus dem später die Hamburg Media School hervorging. Vor allem in Hamburg gilt Bohm für zahlreiche Filmschaffende als prägende Lehrfigur. 2003 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie. Eine zentrale Rolle in Bohms Spätwerk nahm seine Zusammenarbeit mit Fatih Akin ein. Beide schrieben gemeinsam das Drehbuch zur Verfilmung des Romans „Tschick“ sowie das Drehbuch zu „Aus dem Nichts“, für das sie 2018 den Deutschen Filmpreis erhielten.
„Amrum“ bildet den späten Höhepunkt dieser Partnerschaft. Der 2025 in Cannes uraufgeführte

Film basiert auf Bohms autobiografisch geprägtem Drehbuch und erinnert an seine Kindheit auf der Insel Amrum in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Ursprünglich war Bohm selbst für die Regie vorgesehen; gesundheitliche Gründe machten diesen Plan jedoch unmöglich, worauf Akin die Regie übernahm. Der Film schließt mit einem kurzen Auftritt des hochbetagten Bohm, der am Strand auf das Meer blickt – ein symbolischer Abschluss eines jahrzehntelangen künstlerischen Lebenswegs. Akin veröffentlichte ein Foto dieser Szene auf Instagram, das als Aufmacherbild dieses Artikels verwendet wird. Anlässlich des Todes teilte Akin über seine Managerin der Deutschen Presse-Agentur mit: „Mein Freund und Meister Hark Bohm ist von uns gegangen. Der Leuchtturm ist erloschen. Harks Seele atmet in seinem einzigartigen Werk weiter.“





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