Iranischer Filmpionier Bahram Beyzaie im Alter von 87 Jahren verstorben
- Toni Schindele

- 30. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der iranische Filmemacher Bahram Beyzaie ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Er starb am 26. Dezember 2025 in Kalifornien an den Folgen einer Krebserkrankung. Beyzaie gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten des modernen iranischen Autorenkinos.

Geboren 1938 in Teheran, arbeitete Bahram Beyzaie als Regisseur, Drehbuchautor, Dramatiker, Produzent und Hochschullehrer und verband in seinem Werk Film, Theater und Literatur. Er lehrte lange an der Universität Teheran und prägte mehrere Generationen von Filmschaffenden in Iran und der Diaspora. Beyzaie zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der seit den 1960er-Jahren aufkommenden iranischen Nouvelle Vague, die sich ästhetisch und thematisch vom kommerziellen Mainstreamkino absetzte. Seine Arbeiten griffen häufig mythologische und historische Stoffe auf, nutzten symbolische Erzählformen und beschäftigten sich mit gesellschaftlichen und philosophischen Fragen. Wiederkehrende Themen waren Identität, Erinnerung, Kriegserfahrung sowie weibliche Figuren, die er oftmals ins Zentrum seiner Geschichten stellte.
Seine Filmkarriere begann Ende der 1960er-Jahre. Zu seinen international bekannten Arbeiten zählen „Der Platzregen“, „Der Fremde und der Nebel“, „Der Tod von Yazdgerd“ sowie „Bāshu, der kleine Fremde“, der 1986 gedreht und 1989 veröffentlicht wurde und zu den einflussreichsten iranischen Filmen der späten 1980er-Jahre zählt. Erst dieses Jahr wurde bei den Filmfestspielen von Venedig eine restaurierte Fassung des Films gezeigt, der die Geschichte eines kriegsvertriebenen Jungen erzählt, der im Norden des Landes Zuflucht findet und dort mit Sprach-, Kultur- und Identitätsbarrieren ringt. Mit poetischer Bildsprache verhandelt der Film Themen wie Zugehörigkeit, Rassismus und die fragile Möglichkeit von Verständigung und gilt bis heute als humanistisches Schlüsselwerk des iranischen Kinos.
Beyzaie wurde auf internationalen Festivals ausgezeichnet, darunter in Chicago, Moskau, Istanbul und auf iranischen Filmfestivals. Neben dem Film hinterließ er auch im Theater bedeutende Arbeiten und theoretische Schriften zur persischen Kunst- und Theatergeschichte. Nach der Islamischen Revolution arbeitete Beyzaie weiterhin künstlerisch, stieß aber immer wieder an politische und institutionelle Grenzen. In späteren Jahren lebte und arbeitete er überwiegend im Exil. Aus der iranischen Filmgemeinde kamen zahlreiche Reaktionen auf seinen Tod. Der Regisseur Asghar Farhadi würdigte ihn als „großen Lehrer“ und betonte, Beyzaies Werk, Worte und seine Liebe zur Kultur Irans hätten ihn tief geprägt; zugleich sei es „bitter“, dass dieser „Inbegriff eines Iraners“ fern der Heimat sterben musste.





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