Nastassja Kinski meldet sich nach Wim Wenders’ Entschuldigung zu Wort: „Er nahm mich nicht ernst“
- Toni Schindele

- vor 17 Minuten
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Mit dem vorläufigen Rückzug von „Falsche Bewegung“ und einer öffentlichen Entschuldigung hatte Wim Wenders auf die anhaltende Kritik an einer Szene aus seinem Film reagiert. Jetzt äußert sich auch Nastassja Kinski selbst und schildert ihre Perspektive auf die Ereignisse.

Eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Filmpreises und zwei Tage nach der Ankündigung der Wim Wenders Stiftung, „Falsche Bewegung“ vorerst aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückzuziehen, hat sich Nastassja Kinski erstmals öffentlich zu den jüngsten Entwicklungen geäußert. Auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte die Schauspielerin ein Bild aus dem Film und verband dieses mit einem persönlichen Statement, in dem sie ihre Sicht auf die Ereignisse schildert und schwere Vorwürfe gegen den Regisseur erhebt. Auslöser der aktuellen Debatte war Wenders’ Rede bei der Verleihung des Ehrenpreises beim Deutschen Filmpreis. Dort sprach der Regisseur über eine rund zweiminütige Szene aus „Falsche Bewegung“, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist.
Wenders erklärte, er würde eine solche Szene heute nicht mehr drehen und stellte die grundsätzliche Frage, wie mit problematischen Aspekten historischer Filmwerke umgegangen werden solle. Zugleich verwies er auf veränderte gesellschaftliche Sensibilitäten und die Verantwortung gegenüber dem Filmerbe. Fünf Tage nach der Preisverleihung zog Wenders daraus konkrete Konsequenzen. Die Wim Wenders Stiftung kündigte an, „Falsche Bewegung“ bis auf Weiteres aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückzuziehen. Streaming-, Fernseh- und Vertriebspartner seien angewiesen worden, „den Film nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen.“ Zugleich entschuldigte sich Wenders öffentlich bei Kinski. In der Erklärung der Stiftung heißt es, sie „hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber.“
Erst nach weiteren Gesprächen und einer einvernehmlichen Lösung, auch mit Kinski, solle über eine erneute Freigabe des Films entschieden werden. Nun reagierte die Schauspielerin selbst. In
ihrem Instagram-Beitrag bedankt sie sich zunächst bei den Menschen, die sich bei ihr gemeldet hätten. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass sie sich über Jahre hinweg nicht ernst genommen gefühlt habe. Sie sei lange ruhig und geduldig gewesen und habe auf einen fairen Dialog mit ihrem damaligen Regisseur gehofft. Dieser sei jedoch ausgeblieben. Wenders habe ihre Bitte, die betreffende Szene zu entfernen, nicht ernst genommen, schreibt Kinski und verbindet das mit der Frage, ob es daran gelegen habe, weil sie damals erst 13 Jahre alt gewesen war. Besonders kritisch äußert sich Kinski über Wenders’ Rede beim Deutschen Filmpreis. Sie verweist darauf, dass der Regisseur die Situation vor großem Publikum angesprochen habe, ohne sich dort unmittelbar bei ihr zu entschuldigen.
Zudem kritisiert sie, dass Wenders die Diskussion mit anderen Filmen und Regisseuren verglichen habe, obwohl die Verantwortung aus ihrer Sicht allein bei ihm liege. „Es warst nur du Wim, der es ändern muss, diese Szene“, schreibt sie in ihrem Beitrag. „Falsche Bewegung“ entstand 1974 und kam 1975 in die Kinos. Der Film gilt als moderne Adaption von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und bildet den zweiten Teil von Wenders’ „Road Movie“-Trilogie zwischen „Alice in den Städten“ und „Im Lauf der Zeit“. Für Kinski bedeutete die Produktion den Beginn ihrer Filmkarriere. Sie spielte die Figur Mignon und war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 13 Jahre alt. Gegenstand der Kontroverse ist eine etwa zweiminütige Szene, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper neben einem erwachsenen Mann im Bett zu sehen ist.





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