Netflix übernimmt Ben Afflecks KI-Firma InterPositive: Was steckt hinter dem Deal?
- Toni Schindele

- vor 3 Tagen
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Netflix zahlt bis zu 600 Millionen Dollar für die bislang kaum bekannte KI-Firma des zweifachen Oscarpreisträgers Ben Affleck. Die Übernahme könnte verändern, wie Filme künftig entstehen und welche Rolle Menschen dabei noch spielen.

Netflix lässt sich Ben Afflecks Vorstoß in die Zukunft des Filmemachens offenbar 587 Millionen US-Dollar kosten. So viel zahlte der Streamingkonzern nach übereinstimmenden Branchenberichten für InterPositive – ein bislang weitgehend unbekanntes KI-Unternehmen, dessen Werkzeuge Filmaufnahmen nachträglich verändern, fehlende Bilder ergänzen und teure Nachdrehs vermeiden sollen. Was zunächst nach einer technischen Übernahme klingt, könnte damit unmittelbar beeinflussen, wie Filme künftig entstehen und wie viele Menschen dafür noch am Set und in der Nachbearbeitung gebraucht werden. Bekannt gegeben hatte Netflix den Kauf bereits am 5. März 2026, den Preis ließ der Konzern damals jedoch offen.
Nun nennt Netflix in einer Börsenmitteilung für eine im März abgeschlossene Übernahme eine Barzahlung von rund 587 Millionen Dollar. InterPositive wird darin zwar nicht ausdrücklich genannt, doch Zeitpunkt und Berichte mehrerer Branchenmedien lassen kaum Zweifel an der Zuordnung. Bloomberg hatte bereits im März von einem Kaufpreis von annähernd 600 Millionen Dollar berichtet. Damit bezahlt Netflix eine bemerkenswerte Summe für ein kleines Unternehmen, das weniger eine fertige Filmfabrik als einen neuen Werkzeugkasten für Dreharbeiten und Postproduktion entwickelt hat. Die hohe Kaufsumme erklärt sich damit weniger aus der Größe der Firma als aus ihrem technischen Vorsprung: Netflix sichert sich Modelle, Trainingsdaten und Patente, die früh in die eigenen Produktionen einfließen können.
Dabei soll InterPositive keine kompletten Filme auf Zuruf erzeugen, sondern bereits gedrehte Szenen gezielt reparieren und erweitern. Fehlende Einstellungen könnten ergänzt, Hintergründe ausgetauscht, Licht und Farben korrigiert oder störende Bildelemente entfernt werden. Damit das möglichst präzise gelingt, trainierte die Firma ihre Modelle mit eigens aufgenommenem Studiomaterial und Angaben zu Objektiven, Kamerapositionen, Licht und Bewegung. InterPositive soll seine Modelle zudem auf das Material einzelner Produktionen zuschneiden können. Statt Figuren, Kostüme oder Schauplätze aus beliebigen Internetbildern nachzubauen, könnte die KI mit den tatsächlich gedrehten Aufnahmen eines Films arbeiten und dessen Bildsprache genauer bewahren.
Das kann Ergebnisse kontrollierbarer machen und rechtliche Risiken verringern – wirft aber weiterhin die Frage auf, wer einer solchen Nutzung zugestimmt hat und wie lange die dabei gewonnenen Daten verwendet werden dürfen. Für Netflix ist der Kauf Teil einer größeren KI-Offensive. Nach eigenen Angaben setzte der Konzern generative Werkzeuge bereits bei rund 300 Produktionen ein, vor allem in der Nachbearbeitung. Der Reiz liegt auf der Hand: Eine falsche Lichtstimmung, ein fehlender Zwischenschnitt oder ein unbrauchbarer Hintergrund könnten künftig am Computer korrigiert werden, ohne Schauspielende, Team und Drehort erneut zusammenbringen zu müssen. Gerade kleine Änderungen, gefährliche Stunts oder große Massenszenen ließen sich dadurch schneller und möglicherweise günstiger umsetzen.
Netflix und Affleck betonen, dass InterPositive Filmschaffende unterstützen und nicht ersetzen soll. Die Patente der Firma reichen allerdings weiter: Sie beschreiben auch die Erzeugung neuer Bilder und eine mögliche Verringerung klassischer Dreharbeiten. Welche Funktionen bereits zuverlässig einsetzbar sind, ist von außen kaum zu beurteilen, denn unabhängige Tests und ausführliche Vorher-nachher-Beispiele fehlen bislang. Ebenso offen ist, ob die Technik vor allem neue kreative Möglichkeiten schafft – oder ob sie langfristig zu kleineren Teams, weniger Aufträgen für VFX-Firmen und einem geringeren Bedarf an Statisten und anderen Beschäftigten führt.





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