Preis der deutschen Filmkritik 2025 verliehen: „In die Sonne schauen“ gewinnt Hauptpreis
- Toni Schindele
- vor 21 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Während der laufenden Berlinale hat der Verband der deutschen Filmkritik seine jährlichen Auszeichnungen vergeben. „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski wurde als „Bester Spielfilm“ ausgezeichnet.

Der Preis der deutschen Filmkritik wird seit den 1950er-Jahren vergeben und gilt als einzige nationale Filmauszeichnung, die ausschließlich von Filmkritikern entschieden wird. Die diesjährige Preisverleihung fand am 15. Februar 2026 in der Akademie der Künste in Berlin statt. Neben den Wettbewerbskategorien werden ein Ehrenpreis sowie ein Innovationspreis vergeben. In der Kategorie „Bester Spielfilm“ wurde „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski ausgezeichnet. Der Film, der im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt und dort mit dem Preis der Jury geehrt wurde, erzählt in assoziativer Struktur von vier Mädchen auf einem altmärkischen Bauernhof über einen Zeitraum von rund 100 Jahren. In ihrer Begründung beschrieb die Jury das Werk als einen Film, in dem „seltsam geisterhaft“ Geschichten, Bilder und Figuren ineinander übergingen.
Vergangenheit und Gegenwart, Realität, Traum und Erinnerung verwischten nahezu unmerklich.

Das Ergebnis sei ein „sinnliches, assoziatives und außergewöhnlich experimentelles Erleben“, das von Gewalt, gesellschaftlichen Konventionen, Machtstrukturen und über Generationen weitergegebenen Traumata erzähle. Der Film sei „kompromisslos, existenziell und künstlerisch einzigartig“ und entfalte eine Wirkung, die das Publikum „verstört“ und „benommen“ zurücklasse. In den Darstellerkategorien entschied sich die Jury in der Kategorie „Beste Darstellerin“ für Sabine Timoteo für ihre Rolle in „Chaos und Stille“. Ihr Spiel, so die Jury, zeichne sich durch Zurückhaltung, Offenheit und eine bewusste Verweigerung eindeutiger Lesarten aus. In der Kategorie „Bester Darsteller“ wurden Anton Franke und Camille Moltzen gemeinsam für ihre Leistungen in „Mit der Faust in die Welt schlagen“ ausgezeichnet.
Die Jury hob hervor, dass ihre Darstellung von Emotionalität über kleinste Gesten, Blicke und Bewegungen funktioniere und so die innere Suche der Figuren nach Zugehörigkeit und Verlässlichkeit erfahrbar mache. Das „Beste Drehbuch“ ging an Frédéric Hambalek für „Was Marielle weiß“. In ihrer Begründung betonte die Jury, dass der Film eine Komödie mit satirischer Schärfe verbinde und aus einer präzisen Grundidee heraus einen erzählerischen Sog entwickle. Hervorgehoben wurde dabei die dialogische Verdichtung sowie der Verzicht auf erklärende Überzeichnung. In der Kategorie „Beste Bildgestaltung“ wurde Paul Spengemann für seine Kameraarbeit an „Der Fleck“ ausgezeichnet. Die Jury verwies auf die besondere Sensibilität, mit der jugendliche Wahrnehmungen und Räume filmisch eingefangen werden, sowie auf den Einsatz von analogem 16mm-Material als prägendes Gestaltungselement.
Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an Philipp Döring für die „Beste Montage“ des Dokumentarfilms „Palliativstation“, an Henrik Ajax für die „Beste Filmmusik“ zu „Chaos und Stille“ sowie an Dominik Kremerskothen für das „Beste Szenenbild“ von „Rote Sterne überm Feld“. In der Kategorie „Bestes Kostümbild“ wurde Chiara Minchio für ihre Arbeit an „Die Tagebücher von Adam und Eva“ ausgezeichnet. Der Preis für den „Besten Dokumentarfilm“ ging ebenfalls an „Palliativstation“, während „Zirkuskind“ von Anna Koch und Julia Lemke als „Bester Kinderfilm“ geehrt wurde. Als „Bester Kurzfilm“ wurde „Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben“ von Andreas Grützner ausgezeichnet, der „Beste Experimentalfilm“ war „Overwork“ von Céline Berger. Mit dem Ehrenpreis würdigte der Verband die Filmemacherin, Fotografin und Kamerafrau Elfi Mikesch für ihr Gesamtwerk. Der Innovationspreis ging an das Berliner Kino- und Projektformat SİNEMA TRANSTOPIA, das als sozialer Diskursraum für Film konzipiert ist und mit kuratierten Reihen, Workshops und internationalen Programmen arbeitet.
Nachfolgend die Gewinner beim Preis der deutschen Filmkritik
in der Übersicht (Gewinner in grün):
In der Kategorie „Bester Spielfilm“:
„In die Sonne schauen“
„Sehnsucht in Sangerhausen“
„September 5“
„Sieben Tage“
„Zikaden“
In der Kategorie „Bestes Spielfilmdebüt“:
„Rote Sterne überm Feld“
„Der Fleck“
„Milch ins Feuer“
„Mit der Faust in die Welt schlagen“
„Raumteiler“
In der Kategorie „Beste Darstellerin“:
Sabine Timoteo für „Chaos und Stille“
Ensemble für „In die Sonne schauen“
Hannah Ehrlichmann für „Rote Sterne überm Feld“
Nina Hoss für „Zikaden“
Devrim Lingnau Islamoğlu für „Hysteria“
In der Kategorie „Bester Darsteller“:
Anton Franke und Camille Moltzen für „Mit der Faust in die Welt schlagen“
Armin Dallapiccola für „Satanische Sau“
Leo-Konrad Kuhn für „Der Fleck“
Enno Trebs für „Miroirs No. 3“
Anton von Lucke für „Chaos und Stille“
In der Kategorie „Bestes Drehbuch“:
Frédéric Hambalek für „Was Marielle weiß“
Louise Peter, Mascha Schilinski für „In die Sonne schauen“
Laura Laabs für „Rote Sterne überm Feld“
Julian Radlmaier für „Sehnsucht in Sangerhausen“
Mohammad Rasoulof für „Sieben Tage“
In der Kategorie „Beste Bildgestaltung“:
Paul Spengemann für „Der Fleck“
Julian Krubasik für „Chaos und Stille“
Fabian Gamper für „In die Sonne schauen“
Hans Fromm für „Miroirs No. 3“
Markus Förderer für „September 5“
In der Kategorie „Beste Montage“:
Philipp Döring für „Palliativstation“
Evelyn Rack für „In die Sonne schauen“
Justine Bauer, Semih Korhan Güner für „Milch ins Feuer“
Emma Gräf für „Rote Sterne überm Feld“
Julian Radlmaier für „Sehnsucht in Sangerhausen“
In der Kategorie „Beste Filmmusik“:
Henrik Ajax für „Chaos und Stille“
Dascha Dauenhauer für „Kein Tier. So Wild.“
Ed Davenport, John Gürtler für „Rave On“
Lukas Lauermann für „Rote Sterne überm Feld“
Adam Goodwin, Anil Eraslan, Jung-Jae Kim, Lukas Akintaya, Shingo Masuda für „Stille Beobachter“
In der Kategorie „Bestes Szenenbild“:
Dominik Kremerskothen für „Rote Sterne überm Feld“
Cosima Vellenzer für „In die Sonne schauen“
Renate Schmaderer für „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“
K. D. Gruber für „Miroirs No. 3“
wtp-kollektiv für „Überall gibt es ein Hausen“
In der Kategorie „Bestes Kostümbild“:
Chiara Minchio für „Die Tagebücher von Adam und Eva“
Katarzyna Lewińska für „Kein Tier. So Wild.“
Aleksandra Staszko für „Köln 75“
Esther Amuser für „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“
Sophie Peters für „Rote Sterne überm Feld“
In der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“:
„Palliativstation“ (Regie: Philipp Döring)
„Active Vocabulary“ (Regie: Yulia Lokshina)
„Nonkonform“ (Regie: Arne Körner)
„Stille Beobachter“ (Regie: Eliza Petkova)
„Soldaten des Lichts“ (Regie: Julian Vogel, Johannes Büttner)
In der Kategorie „Bester Kinderfilm“:
„Zirkuskind“ (Regie: Anna Koch, Julia Lemke)
„Grüße vom Mars“ (Regie: Sarah Winkenstette)
„Pumuckl und das große Missverständnis“ (Regie: Marcus H. Rosenmüller)
In der Kategorie „Bester Kurzfilm“:
„Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben“ (Regie: Andreas Grützner)
„Dog“ (Regie: Marieke de Zwaan)
„Machine Boys“ (Regie: Karimah Ashadu)
In der Kategorie „Bester Experimentalfilm“:
„Overwork“ (Regie: Céline Berger)
„Ecce Mole“ (Regie: Heinz Emigholz)
„Les Rites de Passage“ (Regie: Florian Fischer, Johannes Krell)
Ehrenpreis:
Elfi Mikesch
Innovationspreis:
SİNEMA TRANSTOPIA

