R-Rating für „Die Odyssee“: Welche Altersfreigabe Christopher Nolans Epos in Deutschland erhalten könnte
- Toni Schindele
- vor 2 Stunden
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Die Altersfreigabe für Christopher Nolans nächstes Kinoepos steht in den USA fest. Während „Die Odyssee“ dort nur eingeschränkt für Minderjährige zugänglich sein wird, dürfte die Bewertung in Deutschland deutlich komplizierter ausfallen. Ab welchem Alter wird man hierzulande ein Kinoticket kaufen können?

Wie die US-Branchenmagazine übereinstimmend berichten, hat Christopher Nolans „Die Odyssee“ in den Vereinigten Staaten ein R-Rating erhalten. Damit dürfen Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung sehen. Für einen Film dieser Größenordnung ist das bemerkenswert, da große Studio-Produktionen üblicherweise auf die kommerziell attraktivere PG-13-Freigabe abzielen. Nach aktuellem Stand hat die Motion Picture Association (MPA) die genaue Begründung für die Einstufung noch nicht veröffentlicht. Offen bleibt daher, ob die Entscheidung auf Gewaltdarstellungen, Nacktheit, Sprache oder eine Kombination mehrerer Faktoren zurückzuführen ist. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass Nolans Verfilmung der antiken Sage zu den teuersten Filmen mit R-Rating zählen dürfte.
Das R-Rating ist die zweithöchste reguläre Altersfreigabe in den USA. Darüber existiert lediglich die Einstufung NC-17, die Personen unter 18 Jahren grundsätzlich vom Kinobesuch ausschließt. Eine direkte Übertragung auf das deutsche System ist jedoch nicht möglich. Während die MPA ihre Entscheidungen vor allem danach trifft, welche Inhalte Eltern für Kinder als problematisch empfinden könnten, bewertet die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Deutschland primär die mögliche Wirkung eines Films auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dadurch entstehen regelmäßig erhebliche Unterschiede zwischen beiden Ländern. Insbesondere bei Nacktheit, Sexualität, Schimpfwörtern oder Drogenkonsum urteilen die US-Behörden häufig strenger. Die FSK legt ihren Schwerpunkt dagegen stärker auf Intensität, Realismus und Kontext von Gewaltdarstellungen.
Deshalb erhalten zahlreiche Filme in den USA ein R-Rating, werden in Deutschland jedoch lediglich ab 12 oder 16 Jahren freigegeben. Auch ein Blick auf Christopher Nolans bisherige Filmografie spricht gegen eine automatische Gleichsetzung von R-Rating und FSK 18. Von seinen bisherigen Langspielfilmen erhielten die meisten in den USA die Freigabe PG-13 und wurden in Deutschland mit FSK 12 eingestuft. Vier seiner Filme bekamen dagegen ein R-Rating. Dazu zählt auch sein bislang letzter Film „Oppenheimer“. Trotz seiner ernsten Thematik, der Darstellung des Zweiten Weltkriegs und der Atombombenentwicklung entschied sich die FSK letztlich bei diesem Film lediglich für eine Freigabe ab 12 Jahren. Ein weiteres aufschlussreiches Beispiel liefert Wolfgang Petersens „Troja“. Der Historienfilm erhielt in den USA ebenfalls ein R-Rating, wurde in Deutschland jedoch mit FSK 12 freigegeben.
Obwohl der Film zahlreiche Schlachten, Tötungen, Blutdarstellungen sowie einzelne Nackt- und Sexszenen enthält, wertete die FSK die Gewalt vor allem als historisches Kriegsgeschehen und nicht als besonders verstörend oder jugendgefährdend. Eine verlässliche Prognose bleibt derzeit dennoch schwierig, da außerhalb des Studios bislang niemand den fertigen Film gesehen haben dürfte. Dennoch spricht derzeit vieles dafür, dass sich die deutsche Altersfreigabe zwischen FSK 12 und FSK 16 bewegen wird. Die größere Wahrscheinlichkeit liegt nach aktuellem Kenntnisstand bei einer FSK 12, während eine FSK 16 ebenfalls realistisch erscheint, falls die Gewaltdarstellungen deutlich intensiver ausfallen als in Nolans bisherigen Werken. Eine FSK 18 wirkt dagegen derzeit als wenig wahrscheinliches Szenario.

