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Sofie Eifertinger im Interview zum Johanna-Comeback in „WaPo Bodensee“: „Es war wirklich ein Déjà-vu“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 55 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

„Wieder in diese Räume zu kommen, ins Haus zu gehen, an dieser Klingel zu läuten, durch diese wunderschöne alte Holztür zu treten – das fühlte sich an, als würde Johanna wieder zu mir sprechen“, erzählt Sofie Eifertinger über ihre Rückkehr zur achten Staffel von „WaPo Bodensee“.


Porträt von Sofie Eifertinger als Johanna Fehrenbach in der ARD-Serie „WaPo Bodensee“, mit ernstem Blick vor unscharfem Außenhintergrund.
Bildnachweis: © ARD/Saxonia Media/Laurent Trümper

Seit fast einem Jahrzehnt gehört „WaPo Bodensee“ zu den festen Größen im Vorabendprogramm des Ersten. Die vom SWR produzierte Krimiserie verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit familiären und gesellschaftlichen Konflikten und verlegt ihr Geschehen an den Bodensee, wo das Team der Wasserschutzpolizei in Konstanz Mordfälle, Betrug und Verbrechen im scheinbar idyllischen Umfeld aufklärt. Im Zentrum steht Kommissarin Nele Fehrenbach. Mit der nun gestarteten achten Staffel kehrt auch eine Figur zurück, die viele Zuschauer über Jahre – auch durch die zahlreichen Wiederholungen der Serie in den vergangenen Jahren – begleitet hat: Johanna Fehrenbach. Gespielt von Sofie Eifertinger, war sie von 2017 bis 2019 fester Bestandteil der Serie, bevor die Schauspielerin andere Wege einschlug.


Nach rund sieben Jahren Pause übernimmt Eifertinger erneut die Rolle der Fehrenbach-Tochter und bringt eine sichtbar gereifte Figur zurück an den Bodensee. Zum Start der neuen Staffel hat sich Sofie Eifertinger Zeit für ein großes Interview genommen und spricht über ihre Rückkehr zu „WaPo Bodensee“, über das Wiedersehen mit dem Ensemble, über Johannas Entwicklung und darüber, wie es sich anfühlt, nach mehreren Lebensphasen und Rollen erneut in eine Figur einzutauchen, mit der viele Zuschauer groß geworden sind. Die ersten beiden Folgen der achten Staffel sind bereits in der ARD Mediathek abrufbar, neue Episoden laufen wieder stets dienstags um 18:50 Uhr im Ersten.


Der Film Journalist: Der deutsche TV-Krimi ist seit Jahrzehnten ein Quotengarant. Was glaubst du: Warum werden in Deutschland besonders gern Kriminalgeschichten verfolgt?


Sofie Eifertinger: Ich würde sagen, der Reiz am deutschen TV-Krimi liegt schon allein darin, dass

Johanna Fehrenbach (Sofie Eifertinger, links) und ihre Großmutter Mechthild Fehrenbach (Diana Körner, rechts) stehen im Freien und lächeln im Gespräch über Johannas bevorstehende Hochzeit.
Bildnachweis: © ARD/Laurent Trümper

es ja selten reine Krimis sind. Meist erzählen wir Genre-Hybride. „WaPo Bodensee“ ist zum Beispiel eine Mischung aus Family-Drama und Crime, „Der Tatortreiniger“ verbindet dagegen Krimi mit Comedy. Aber ich glaube auch, dass uns deutsche Kriminalgeschichten deshalb so interessieren, weil die Verbrechen oft im Verborgenen stattfinden, im scheinbar Alltäglichen. Zudem ist da natürlich der Puzzle-Charakter. Dieses Mitfiebern, dieses Rätseln von der Couch aus, wer wohl dahintersteckt, ist für viele sicher ebenfalls ein zentraler Reiz.


Der Film Journalist: Ein Krimi-Format, das sich nicht nur ums Ermitteln selbst dreht, ist auch „WaPo Bodensee“, wo du die ersten drei Staffeln lang als Tochter von Kommissarin Nele Fehrenbach mitgespielt hast. Wer ist Johanna Fehrenbach und warum ist sie nach der dritten Staffel nicht mehr dabei gewesen?


Sofie Eifertinger: Johanna kommt mit ihrer Familie inklusive ihrer alleinerziehenden Mutter und gleichermaßen Kommissarin von Hamburg zurück an den Bodensee. So steigen wir in die Serie ein. Sie hat einen jüngeren Bruder Niklas, übernimmt früh Verantwortung und ist in den ersten Staffeln vor allem ein klassisches good girl, das das, was man ihr sagte, einfach machte. Doch inzwischen hat sie gelernt, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und sich auch gegenüber Mutter und Großmutter abzugrenzen. Diese Entwicklung konnte ich der Figur aber auch nur geben, weil ich mich in anderen Projekten ausprobieren durfte. Bei „WaPo Bodensee“ bin ich ein integraler Teil der Fehrenbach-Familie, der Villa Fehrenbach. Mein Handeln ist schon durchaus interessant, aber nicht handlungsentscheidend für die jeweilige Episode.


Bei Produktionen wie „Kitz“ oder auch „Katakomben“ war das anders: Dort waren wir jungen Figuren die treibenden Kräfte der Geschichte und erzählerisch viel stärker im Zentrum. Die siebenjährige Pause hatte für mich deshalb auch viel mit einem persönlichen Coming-of-Age zu

Sofie Eifertinger steht während eines Drehs am Set der Netflix-Serie „Kitz“ vor einer Filmkamera und blickt konzentriert in Richtung Objektiv.
Bildnachweis: © Walter Wehner

tun. Als dann die Anfrage kam, Johanna wieder zu spielen, habe ich keine Sekunde gezögert. Es war sofort ein Ja. Sie ist eine echte Identifikationsfigur. Beim Dreh am Bodensee habe ich beispielsweise eine junge Frau getroffen, ungefähr in meinem Alter, die mir erzählt hat, sie sei mit Johanna aufgewachsen. Das ist das Dankbare an so einer Rolle: Teil einer Familie zu sein – noch dazu einer so warmherzigen – und über Jahre hinweg Menschen zu begleiten.


Der Film Journalist: Johanna Fehrenbach ist die Rolle, die du bisher am häufigsten vor der Kamera gespielt hast. Dennoch ist das letzte Mal rund sieben Jahre her. Wie war es nun, in die Rolle zurückzukehren und wieder am Set von „WaPo Bodensee“ zu stehen?


Sofie Eifertinger: Es war wirklich ein Déjà-vu – da ist diese ganz bestimmte Seeluft am Bodensee, die Villa Fehrenbach ist ja direkt am Wasser und auch der Kaffeegeruch, die French Press, die heruntergedrückt wird. Diese Gespräche bei Kaffee unter den Frauen, die haben ja schon begonnen, als Johanna noch ein Teenager war, und jetzt wieder in diese Räume zu kommen, ins Haus zu gehen, an dieser Klingel zu läuten, durch diese wunderschöne alte Holztür zu treten – das fühlte sich an, als würde Johanna wieder zu mir sprechen. Fast so, als würde sie sagen: Hast du mich eigentlich vergessen? Es war wirklich ein Wiedersehen. Dann wieder mit Schauspielgrößen wie Floriane Daniel und Diana Körner diese Fäden aufnehmen zu dürfen, war für mich schon sehr beeindruckend. Und auch Petra Käthe Niemeyer als Regisseurin: Sie fordert viel, arbeitet sehr präzise und konzentriert sich stark auf emotionale Details.


Ich war dadurch durchaus herausgefordert, wieder den richtigen Ton für diese Figur zu finden. Übrigens hat Niemayer in den 90ern mit dem Vater des Showrunners von Kitz, Niko Schulz-Dornburg, die Serie „Der Gletscherclan“ in den Alpen gedreht. Das stellten wir beim Berlinale Empfang meiner Agentur fest, bei dem beide eingeladen waren. Da hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Außerdem fand ich toll, dass es bei den Dreharbeiten einen Green Production Consultant gab. Daher versteht sich von selbst, dass wir Johanna – und damit auch mich selbst – nicht in Neuseeland sehen werden, aber es heißt auch, dass die Anreisen zum Set mit dem Zug waren. Aber das war auch sehr schön, besonders auch die Strecke am Bodenseeufer entlang ist wie die Zielgerade nach Hause in die Villa Fehrenbach. Außerdem hatten wir ein Drehteam, welches seit Jahren dabei ist und großteils vor Ort bleibt.


Der Film Journalist: Johanna Fehrenbach hat bei ihrer Rückkehr einen neuen Freund, der allerdings nicht bei ihr ist, sondern im angesprochenen Neuseeland. In welcher Verfassung werden wir sie wiedersehen?


Sofie Eifertinger: Ich hatte selbst einmal eine Fernbeziehung zwischen Deutschland und Neuseeland, allerdings war diese deutlich sanfter und respektvoller, als Johanna das jetzt erlebt.

Mechthild Fehrenbach (Diana Körner, links), Johanna Fehrenbach (Sofie Eifertinger, Mitte) und Nele Fehrenbach (Floriane Daniel, rechts) sitzen gemeinsam im Garten am Bodensee und reagieren nachdenklich auf neue Entwicklungen.
Bildnachweis: © ARD/Laurent Trümper

Sie kehrt doch sehr kantig zurück und steht in einem enormen Zwiespalt: auf der einen Seite diese starke Familienordnung mit Oma Mechthild, Mutter Nele und ihrem Bruder – auf der anderen Seite der menschliche, fast zwingende Wunsch, sich weiterzuentwickeln und etwas Eigenes aufzubauen. Ihr Freund Josh ist Meeresbiologe. Dieses Herz für das Wasser, für Lebewesen, für Natur und Klima verbindet sie stark mit ihm. Deshalb nimmt sie diese Herausforderung an und folgt ihrem Herzen. Das ist vielleicht Johannas größter Charakterzug und etwas, das sie klar von ihrer Mutter geerbt hat: diese starke Intuition und eine erstaunliche Klarheit mitten in völliger Ungewissheit.


Was mir dabei besonders gefallen hat: In dieser Fernbeziehung passiert viel über Telefonate. Johanna chattet nicht, sie schickt keine Sprachnachrichten – sie versucht, wirklich jemanden am anderen Ende der Leitung zu erreichen. Das erzählt mir sehr viel über die Figur. Für mich fühlt sich das an, als würde die Geschichte genau dort wieder ansetzen, wo sie einst geendet hat. Die letzte Beziehung von Johanna ist zwar passé, aber über diese Art der Kommunikation spürt man sehr schnell wieder, wer sie ist und welche Männer in ihrem Leben eine Rolle spielen. Ob am Bodensee oder eben ganz woanders, in Neuseeland. Auch die Klarheit, mit der sie reagiert, als sie erfährt, dass sie schwanger ist – dass sie sich darüber freut –, sagt viel über sie aus. Johanna ist nicht frei von Zweifeln, aber sie ist ehrlich mit sich selbst.


Der Film Journalist: Ist deine Rückkehr als Johanna Fehrenbach aber der Auftakt für ein großes Comeback oder mehr ein nochmaliges Vorbeischauen?


Sofie Eifertinger: Ich würde sagen: Johanna ist so lange da, wie sie gebraucht wird.


Der Film Journalist: Und abschließend abseits von „WaPo Bodensee“ – kannst du uns schon einen Ausblick geben, wann man dich vielleicht noch als Nächstes sehen wird?


Sofie Eifertinger: Also was ich auf jeden Fall schon sagen kann, ist, dass ich in zwei kommenden Ostfriesenkrimis dabei sein werde. Da warten schon zwei 90-Minüter.

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