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Teresa Weißbach im Interview zum Erzgebirgskrimi „Die letzte Note“: „Der Osten und speziell der Erzgebirger fühlte und fühlt sich zu wenig gesehen“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 25. Apr. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

„Dass ich nun auch noch aus beruflichen Gründen dort sein kann, ist herrlich“, sagt Teresa Weißbach über die Dreharbeiten für den Erzgebirgskrimi, die sie regelmäßig zurück in ihre Heimat führen.


Teresa Weißbach im Interview zum Erzgebirgskrimi „Die letzte Note“: „Der Osten und speziell der Erzgebirger fühlte und fühlt sich zu wenig gesehen“
Bildnachweis: © ZDF und Uwe Frauendorf

Der Erzgebirgskrimi lädt zum neuen Fall. Seit der allerersten Folge gehört Teresa Weißbach als Försterin Saskia Bergelt zum vertrauten Gesicht der beliebten ZDF-Reihe. In der neuen Folge „Die letzte Note“, die am Samstag, den 26. April 2024, im ZDF zur Prime-Time um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, verschlägt es die Ermittler nach Chemnitz – in die Kulturhauptstadt Europas 2025. Ein Todesfall an einer traditionsreichen Musikschule führt tief in die Vergangenheit der DDR und in persönliche Geschichten, die bis heute nachwirken. Über diese Folge, ihre Rolle und die Bedeutung des Erzgebirgskrimis für die Region erzählt Teresa Weißbach nun im Interview.


Der Film Journalist: Sie sind im Erzgebirge geboren, leben mittlerweile aber in Berlin und kehren nun seit einigen Jahren immer wieder dorthin zurück. Wie fühlt es sich an, quasi „nach Hause“ zu kommen?


Teresa Weißbach: Toll! Ich bin immer wieder gern im Erzgebirge. Meine Eltern leben dort und ich bin ein ausgeprägter Familienmensch und pflege die Beziehung zu meinen Eltern. Deshalb bin ich privat auch oft in meiner ehemaligen Heimat. Dass ich nun auch noch aus beruflichen Gründen dort sein kann, ist herrlich. Der Menschenschlag und der Dialekt sind mir vertraut, die Orte, an denen wir drehen, sind mir bekannt. Wenn es mir neben dem Drehalltag möglich ist, dann treffe ich alte Freunde und Bekannte. Also bin ich per se oft und gern im Erzgebirge. Durch den Dreh lerne ich dann auch Orte und Gegenden kennen, die ich noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Das sind für mich irre Entdeckungen, weil unsere Location-Scouts immer ganz besonders schöne Orte und Motive aussuchen, an denen wir drehen können. Das ist für mich als Erzgebirgerin eine große Freude.


Der Film Journalist: Das Erzgebirge hat in den vergangenen Jahrzehnten große wirtschaftliche undgesellschaftliche Veränderungen erlebt; zugleich zeigt der „Glücksatlas 2024“ eine gesunkene Lebenszufriedenheit in Sachsen und bei der letzten Bundestagswahl entfielen über 46 Prozent der Stimmen im Erzgebirge auf die AfD. Inwieweit sehen Sie gerade deshalb eine besondere Verantwortung für den Erzgebirgskrimi, die Menschen in der Region ernst zu nehmen und gleichzeitig Perspektiven aufzuzeigen, die einer weiteren Radikalisierung entgegenwirken können?


Teresa Weißbach: Das ist eine schwierige Frage. Generell kann man aber sagen, dass so ein Format wie der Erzgebirgskrimi schon generell ein Schritt in die Richtung ist. Der Osten und speziell der Erzgebirger fühlte und fühlt sich zu wenig gesehen und hatte in der Vergangenheit nicht ganz unrecht damit. Da arbeitet ja so ein Format per se dagegen. Man wird als Region, als Menschenschlag wahrgenommen und das im gesamtdeutschen Fernsehen. Und so eine Reihe bringt ja in Bezug auf Tourismus und auch in anderen Teilen der Wirtschaft einen Zugewinn. Inhaltlich setzt sich die Reihe mit Themen auseinander, die ein Miteinander im demokratischen Sinn befördern, wie Rechtssicherheit, wie Gleichheit unabhängig von Alter, Geschlecht oder Hautfarbe, und das muss auch so sein.


Meine Rolle als Försterin, die für den Einklang von Natur und Mensch steht, ist so ein Beispiel. Die Reihe versucht keine neuen Fronten aufzumachen oder stellt sich mit dem erhobenen Zeigefinger hin. Im Gegenteil beschäftigen sich die Fälle mit den Widrigkeiten des normalen Alltags und sprechen auch mal brisante Themen wie Rassismus und Intoleranz an. Das hilft, ein anderes Bild vom Erzgebirge und seinen Bewohnern zu zeigen und so Populisten ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Viel mehr kann und will die Reihe, glaube ich, auch nicht leisten. Ein Unterhaltungsformat wie dieses kann nicht die Aufgaben der Politik übernehmen oder ersetzen.


Teresa Weißbach im Interview zum Erzgebirgskrimi „Die letzte Note“: „Der Osten und speziell der Erzgebirger fühlte und fühlt sich zu wenig gesehen“
Bildnachweis: © ZDF/Hardy Spitz

Der Film Journalist: Sie verkörpern die Försterin Saskia Bergelt seit der ersten Folge – damals ermittelte noch der Berliner Kriminalhauptkommissar Ralf Adam – und haben ihre Entwicklung nun über sechs Jahre hinweg begleitet. Was fasziniert Sie an der Rolle, welche Eigenschaften schätzen Sie besonders und gibt es eine, die Ihnen fernliegt?


Teresa Weißbach: Mich fasziniert an meiner Rolle zunächst erstmal die Tatsache, dass ich in einem Krimi als Försterin zum erweiterten Ermittlerteam gehören darf. Das ist eine Besonderheit und ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Krimilandschaft. Und dann spielt ja der Erzgebirgskrimi in meiner Heimat. Ich darf hier drehen, in meiner Sprache, mit Dialekt spielen und als Repräsentantin meiner Heimat auftreten. Das war immer ein Traum, so eine Rolle angeboten zu bekommen. Und jetzt darf ich sie seit über sechs Jahren verkörpern. An der Rolle Saskia Bergelt gefällt mir nicht nur die Verbundenheit zur Natur, zur Musik, ihre soziale Kompetenz in ihrem beruflichen und privaten Umfeld, ihre Loyalität und Heimatverbundenheit, sondern auch ihre permanente Neugier.


Sie will immer alles wissen und steckt überall ihre Nase mit rein. Deshalb sind die anderen Ermittler oft froh, sie zu haben, um im nächsten Moment wieder genervt davon zu sein, dass die Försterin ihre Füße nicht stillhalten kann. Dadurch bringt sie nicht nur sich in brenzlige Situationen. Das finde ich toll und kann nicht genug davon bekommen. Außerdem darf ich schießen und Waldhorn spielen. In Beziehungsfragen ist die Bergelt sehr speziell. Die Beharrlichkeit und ihr langer Atem beim Aufbau der Beziehung zu Winkler würde mich privat an meine Grenzen bringen. Das fordert mich auch in meiner Rolle echt heraus.


Der Film Journalist: Prägt Ihre Ernennung zur offiziellen Erzgebirgs-Botschafterin seit 2012 Ihr Verständnis für die Serie und Ihre Darstellung von Saskia Bergelt?


Teresa Weißbach: Meine Ernennung zur Botschafterin des Erzgebirges lag ja schon weit vor dem Angebot der Rolle. Deswegen hat diese Funktion keine wirkliche Prägung für die Rolle der Försterin gehabt. Andersherum wird eher ein Schuh daraus. Diese Rolle gibt mir als Botschafter ein anderes Gewicht. Der Erfolg der Serie verschafft mir als Botschafterin größeres Gehör.


Der Film Journalist: In der Folge rückt die Musikpädagogin Marianne Bach in den Fokus, die tragischerweisekurz vor einem Konzert stirbt, in dem auch Saskia Bergelt eingebunden wäre. Was hat Sie an diesem speziellen neuen Erzgebirgskrimi am meisten gereizt?


Teresa Weißbach: Verschiedene Dinge. Wie schon erwähnt, ist die Försterin ja Teil des Orchesters und bereitet sich konzentriert mit ihrem Hornspiel auf dieses besondere und einmalige Konzert in der Kulturhauptstadt vor. Damit steht sie natürlich für die Ermittlungen an prädestinierter Stelle und wird sogar vom Orchester zur Sprecherin desselben ernannt. Neben der wichtigen Zuarbeit für die Lösung des Falles kümmert sie sich auch um den inneren Frieden des Orchesters, der nach dem Tod ihrer Leiterin und anderen Überwerfungen vor einer inneren Zerreißprobe steht. Darüber hinaus kämpft Saskia Bergelt mit ihren eigenen Dämonen. Dass sie im vorigen Fall ihren Exfreund in den Rollstuhl geschossen hat, macht ihr neben dem aktuellen Mordfall emotional stark zu schaffen. Dafür darf sie die Chemnitzer Nächte im Bett von Winkler verbringen. Der versucht ihr den verlorenen Halt wieder zurückzugeben.


Teresa Weißbach im Interview zum Erzgebirgskrimi „Die letzte Note“: „Der Osten und speziell der Erzgebirger fühlte und fühlt sich zu wenig gesehen“
Bildnachweis: © ZDF/Hardy Spitz

Der Film Journalist: Apropos Chemnitz: Der neue Erzgebirgskrimi spielt nicht auf dem Land, sondern in der Großstadt Chemnitz, der drittgrößten Stadt Sachsens und gleichzeitig dem Tor zum Erzgebirge. Vorallem trägt Chemnitz dieses Jahr auch den Titel der Kulturhauptstadt Europas. Was glauben Sie, bedeutet das Ihrer Meinung nach für die Stadt und die Region?


Teresa Weißbach: Dieser Titel ist für die Stadt, für die Region von absolut großer Bedeutung. Gerade Chemnitz stand ja in den letzten Jahren nicht immer für positive Nachrichten, was meiner Meinung nach der Stadt und ihren Bewohnern sowieso nicht gerecht wurde. Chemnitz ist eine lebendige, vielseitige, eher junge Stadt, mit vielen Studenten und einer lebendigen Kultur. Doch davon haben außerhalb von ihr nur wenige etwas mitbekommen. Stattdessen stand die Stadt wegen dieser unschönen Vorfälle für eine typische ostdeutsche Stadt, die nichts auf die Reihe bekommt. Das spürte die ganze Region. Nun als Kulturhauptstadt hat Chemnitz die Chance, mit diesem Bild aufzuräumen. Das macht sie in meinen Augen recht gut und unser Film kann und sollte seinen Teil dazu beitragen. Das versucht er und ich hoffe, es gelingt ihm auch ein wenig.


Der Film Journalist: Am Samstag, dem 26. April 2024, wird der neue Erzgebirgskrimi zur Prime-Time um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Deshalb zum Abschluss die Frage: Warum sollte man unbedingt einschalten und den neuen Erzgebirgskrimi „Die letzte Note“ auf keinen Fall verpassen?


Teresa Weißbach: Ganz einfach: weil man grundsätzlich als Freund dieser Reihe keinen Erzgebirgskrimi verpassen sollte. Und es ist natürlich wieder ein großartig besetztes Ensemble zu erleben.

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