UPDATE: Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Leiterin
- Toni Schindele

- 4. März
- 2 Min. Lesezeit
Nach mehreren Tagen intensiver Debatten über die Zukunft der Berlinale steht nun eine endgültige Entscheidung fest: Festivalintendantin Tricia Tuttle bleibt an der Spitze der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Die Diskussionen um ihre Zukunft waren laut und kontrovers – doch nun ist klar: Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Leiterin. Vorausgegangen war eine Sitzung des Aufsichtsrats der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB), der Trägergesellschaft der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Aufsichtsrat begrüßte laut Mitteilung die Bereitschaft Tuttles, ihre Tätigkeit fortzusetzen, und formulierte zugleich mehrere Empfehlungen für die künftige Entwicklung des Festivals. Dazu gehört unter anderem die Ausarbeitung eines KBB-weiten Verhaltenskodex sowie die Einrichtung eines beratenden Forums. Zudem soll die Berlinale organisatorisch und finanziell weiterentwickelt werden, etwa durch eine stärkere Einbindung der Filmwirtschaft, von Medienhäusern und potenziellen Investoren.
Ziel sei es, das Festival langfristig abzusichern und seine gesellschaftliche Akzeptanz zu stärken. In der Mitteilung heißt es, der Aufsichtsrat bedauere, dass die künstlerische Arbeit der jüngsten Berlinale durch politischen Aktivismus überlagert worden sei. Zugleich bekräftigte das Gremium sein Engagement im Kampf gegen Antisemitismus und erklärte, jüdische Perspektiven sollten geschützt, gefördert und hörbar gemacht werden. In einer im Anschluss veröffentlichten Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) äußerte sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zur Entscheidung des Aufsichtsrats. Darin erklärte er: „Tricia Tuttle hat in den zurückliegenden Monaten mit viel Energie wesentliche Weichenstellungen vorgenommen und der Berlinale den Weg aus einer sich bereits länger abzeichnenden Krise gewiesen.“
Er danke ihr für die Bereitschaft, diesen Weg fortzusetzen. Auch Tricia Tuttle äußerte sich in derselben Mitteilung zu der Entscheidung. „Ich begrüße die heutige Entscheidung des Aufsichtsrats, sein Vertrauen in meine Leitung der Berlinale zu bekräftigen“, erklärte sie. Die ausgesprochenen Empfehlungen werde man nun sorgfältig prüfen. Zugleich dankte sie dem Gremium „für den konstruktiven Dialog und dafür, dass es die Bedeutung der Unabhängigkeit unserer Arbeit erneut hervorgehoben hat“. Tuttle steht seit April 2024 an der Spitze der Berlinale und verantwortete 2026 erstmals vollständig eine von ihr kuratierte Ausgabe. Zuvor war sie unter anderem künstlerische Leiterin des London Film Festivals und leitete die Spielfilmregie-Abteilung der britischen National Film and Television School.
Auslöser der kontroversen Debatte um ihre Position war eine Rede des Regisseurs Abdallah Alkhatib während der Preisverleihung seines Films „Chronicles from the Siege“ bei der Berlinale. In seiner Dankesrede warf Alkhatib der Bundesregierung vor, im Nahostkonflikt „Partner eines Völkermords“ zu sein. Die Äußerungen lösten unmittelbar widersprüchliche Reaktionen aus und führten dazu, dass einzelne politische Vertreter den Saal verließen. In den Tagen nach dem Festival wurde in mehreren Medien darüber berichtet, dass die Rede und der Umgang damit Konsequenzen für die Festivalleitung haben könnten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte daraufhin als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH eine Sondersitzung einberufen, deren Ausgang nun feststeht: Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Leiterin.





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