Neue Vergleichsgespräche im Warner-Deal: Paramount läuft die Zeit davon

Paramount ist seinem Ziel so nah wie nie und zugleich Monate vom Abschluss der Warner-Übernahme entfernt. Wie viel wird Paramount noch aufgeben müssen, um den Deal doch früher abzuschließen?

Paramount hat sämtliche für die Übernahme von Warner Bros. Discovery notwendigen regulatorischen Freigaben erhalten und muss trotzdem weiter warten. Zwei US-Kartellverfahren blockieren den Abschluss; kommt es vorher zu keiner Einigung, beginnt der Prozess am 2. März 2027 und läuft über zwölf Verhandlungstage bis zum 19. März. Paramount hatte auf einen Termin im November gedrängt, die Kläger den April vorgeschlagen. Damit ist aus der Ende Juli zunächst nur auf wenige Wochen angelegten Zwangspause ein monatelanger Stillstand mit festem Fahrplan geworden. Zugleich räumten die Behörden außerhalb der USA die letzten regulatorischen Hürden aus dem Weg: Anfang August gab Großbritannien grünes Licht, am 14. August folgte Mexiko.
Der achtmonatige Prüfprozess erstreckte sich nach Unternehmensangaben über 68 Länder, Anfang September sprach Paramount bereits von Freigaben in 69 Jurisdiktionen. Übrig geblieben ist damit vor allem ein amerikanischer Rechtsstreit: Nach Darstellung des Konzerns sind die Klage der zwölf Bundesstaaten und das parallele Verfahren der Writers Guild die einzigen verbliebenen Hindernisse für den Vollzug. Beide richten sich gegen die zunehmende Konzentration im Film- und Fernsehgeschäft und bezweifeln, dass nach dem Zusammenschluss zweier der größten Hollywoodstudios noch ausreichend Wettbewerb bestehen würde. Die Bundesstaaten sehen vor allem die Kinofilm- und Kabelmärkte gefährdet, Paramount hält diese Abgrenzung für zu eng und verweist auf den Wettbewerb durch Netflix, Amazon, Apple und andere internationale Streaming- und Technologiekonzerne.
Das US-Justizministerium hatte seine eigene Prüfung bereits im Juni beendet, ohne gegen die Fusion vorzugehen. Für Paramount wird der verbliebene Streit nun vor allem teuer: Ab dem 1. Oktober werden nach der Übernahmevereinbarung zusätzliche Zahlungen an die Warner-Aktionäre von rund sieben Millionen US-Dollar pro Tag fällig. Zieht sich das Verfahren bis ins Frühjahr, rechnet der Konzern allein dadurch mit Kosten von rund 1,3 Milliarden US-Dollar und beantragte deshalb beim Gericht eine Sicherheitsleistung von insgesamt 1,88 Milliarden US-Dollar durch die zwölf Bundesstaaten und die Writers Guild. Sie soll einen Teil der Verzögerungskosten auffangen, falls die Übernahme nach dem Prozess doch erlaubt wird. Die Kläger halten dagegen, Paramount habe der Verschiebung freiwillig zugestimmt und könne ihnen die finanziellen Folgen nun nicht auferlegen.
Über den Antrag soll am 24. September verhandelt werden. Mit dem wachsenden finanziellen Druck rückt damit auch ein möglicher Vergleich stärker in den Mittelpunkt. Dabei ist die Front innerhalb Hollywoods weniger geschlossen, als es die beiden Klagen zunächst vermuten lassen. Auch innerhalb der Branche wächst der Druck auf eine Lösung. Die Directors Guild of America und IATSE drängen auf einen Kompromiss oder zumindest einen früheren Prozess, weil die anhaltende Unsicherheit zunehmend die Beschäftigten treffe. Cinema United zeigt sich nach früheren Bedenken gegen eine weitere Studiokonzentration inzwischen ebenfalls offen für einen Zusammenschluss, sofern dieser mit konkreten und durchsetzbaren Schutzmaßnahmen verbunden wird; mit AMC und Regal unterstützen zudem zwei der größten Kinoketten die Übernahme.
Damit geht es zunehmend weniger um das Ob als um die Bedingungen eines möglichen Deals – und genau dort liegen Paramount und Kalifornien weit auseinander. Generalstaatsanwalt Rob Bonta fordert ausdrücklich strukturelle Maßnahmen: Zusagen über eine bestimmte Zahl produzierter Filme oder andere zeitlich begrenzte Verhaltensregeln reichen ihm nicht aus. Notfalls müssten Teile des künftigen Konzerns dauerhaft getrennt bleiben oder verkauft werden. Als Beispiel nennt Bonta das Kabelgeschäft, in dem Paramount und Warner nach einem Zusammenschluss gemeinsam rund 50 große Sender kontrollieren würden. Paramount setzt dagegen bislang stärker auf Vorgaben für die künftige Unternehmensführung. Wie schwer beide Positionen zusammenzubringen sind, haben erste Gespräche bereits gezeigt.
Ein für den 24. August geplantes Treffen sagte Bonta kurzfristig ab. Er warf Paramount vor, vertrauliche Inhalte früherer Gespräche an Medien weitergegeben und Positionen seiner Behörde falsch dargestellt zu haben; der Konzern bestritt, hinter den Leaks zu stehen. An seiner grundsätzlichen Bereitschaft zu einer Einigung hielt Bonta fest, knüpfte weitere Gespräche aber an Verhandlungen in gutem Glauben. Parallel verschärfte Paramount selbst den Ton. Konzernchef David Ellison ließ intern mit einem Rückzug aus Kalifornien drohen: Sollte es bis Anfang Oktober keine Fortschritte geben, könne das Unternehmen damit beginnen, seinen Sitz und langfristig weitere Teile des Studiobetriebs aus dem Bundesstaat zu verlagern – ausgerechnet jenem Staat, der die Klage gegen die Fusion anführt.
Inzwischen hat das Gericht beide Seiten wieder an einen Tisch beordert: Nach einer Anhörung am 11. September ordnete Magistrate Judge Thomas S. Hixson für Ende Oktober zwei aufeinanderfolgende Tage persönlicher Vergleichsgespräche an. Ob daraus tatsächlich eine Einigung entsteht, bleibt offen. Gleichzeitig wird die Blockade auch außerhalb des eigentlichen Verfahrens juristisch angegriffen. Die republikanisch geführten Bundesstaaten Iowa und Montana haben sich an den Supreme Court gewandt und argumentieren, einzelne Staaten dürften eine andernorts genehmigte Fusion nicht faktisch für das gesamte Land blockieren. Ob sich das höchste US-Gericht damit befasst, ist offen; die Gegenseite soll zunächst bis zum 25. September Stellung nehmen.
Paramount könnte Warner nach eigener Darstellung längst übernehmen – zwei Verfahren verhindern weiterhin den Vollzug, während inzwischen auch die finanzielle Uhr läuft. Ab Oktober wächst die Rechnung täglich weiter, ein regulärer Prozess soll erst fünf Monate später beginnen. Viel spricht deshalb dafür, dass die kommenden Wochen vor allem vom Ringen um einen Vergleich geprägt sein werden. Der dürfte für Paramount allerdings kaum ohne Zugeständnisse zu haben sein. Damit geht es längst nicht mehr nur darum, ob der Konzern Warner Bros. Discovery übernehmen darf, sondern zunehmend darum, welchen Preis er dafür zahlen müsste – und wie viel vom ursprünglich geplanten Zusammenschluss am Ende überhaupt noch übrig bliebe.





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