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47. Bayerischer Filmpreis verliehen: „Amrum“ gewinnt den Hauptpreis

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 10 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

In München ist der 47. Bayerische Filmpreis vergeben worden. Die Auszeichnung zählt zu den renommiertesten Filmpreisen Deutschlands und würdigt herausragende Filme sowie die Menschen hinter den Produktionen des zurückliegenden Kinojahres.


Filmszene aus „Amrum“ von Fatih Akin: Diane Kruger als Tessa Bendixen steht mit zwei Jungen und einem Pferd auf einem Acker auf der Nordseeinsel Amrum während des Kriegsjahres 1945.
Bildnachweis: © 2025 bombero international GmbH & Co. KG / Rialto Film GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH / Gordon Timpen

Der Bayerische Filmpreis wird seit 1979 vergeben und zählt zu den renommiertesten sowie bestdotierten Auszeichnungen des deutschen Films. In diesem Jahr waren die Preise mit insgesamt 300.000 Euro ausgestattet und wurden auf Vorschlag einer zehnköpfigen Fachjury vergeben. Während zahlreiche Gewinnerinnen und Gewinner bereits im Vorfeld kommuniziert wurden, blieben die Kategorien „Bester Film“ und „Entdeckung“ bewusst bis zur Gala offen. In der Hauptkategorie „Bester Film“ wurde „Amrum“ ausgezeichnet, inszeniert von Fatih Akin. Die Jury hob hervor, dass der Film den Umbruch der unmittelbaren Nachkriegszeit aus der Perspektive eines zwölfjährigen Jungen auf einer nordfriesischen Insel erzählt und dabei bewusst auf große dramatische Gesten verzichtet. Stattdessen entfalte sich die Wirkung aus der Beobachtung eines radikalen historischen Einschnitts im Alltag einer Familie. In der Begründung heißt es, der Film verknüpfe seine historische Verortung mit Fragen, die bis in die Gegenwart reichen, etwa nach ideologischer Prägung, Verantwortung und menschlicher Würde.


Die Auszeichnung ist mit 100.000 Euro dotiert; die ebenfalls nominierten Filme „Heldin“ und „22 Bahnen“ erhielten jeweils 50.000 Euro. Der Preis in der Kategorie „Entdeckung“ ging an Heike Hanold-Lynch und Til Schindler für ihre Rollen in „Scham“. Die Jury beschrieb den Film als konzentrierte Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn, die mit minimalistischen Mitteln arbeite und dennoch eine hohe emotionale Dichte erreiche. In der Kategorie „Beste Darstellerin“ wurde Leonie Benesch für ihre Rolle in „Heldin“ ausgezeichnet. In der Jurybegründung wird ihre Darstellung einer Krankenschwester während einer Nachtschicht als Beispiel dafür genannt, wie Schauspiel eine berufliche Realität erfahrbar machen kann, ohne sie zu erklären oder zu kommentieren. Benesch lasse das Publikum die Belastung, Überforderung und Verantwortung der Figur unmittelbar miterleben und schaffe damit eine Identifikationsfigur, die über den Film hinausweise. Der Preis als „Bester Darsteller“ ging an Rainer Bock für „Karla“.


Die Jury würdigte seine Fähigkeit, einer zurückgenommenen Figur – einem Richter, der einem missbrauchten Mädchen zuhört – mit minimalen Mitteln emotionale Tiefe zu verleihen. Bocks Spiel zeichne sich dadurch aus, dass es nicht dominiere, sondern Raum für die Geschichte und die Perspektive des Kindes lasse. Der Film „Karla“ wurde zudem mit dem Drehbuchpreis für Yvonne Görlach ausgezeichnet, deren Text laut Jury eine reale Geschichte in eine zeitlose, universelle Form überführe. Der Regiepreis ging an Mascha Schilinski für „In die Sonne schauen“. Die Jury betonte, dass der Film ohne klassische Dramaturgie arbeite und stattdessen über Bilder, Stimmungen und Erinnerungsfragmente mehrere Kindheiten aus unterschiedlichen Epochen miteinander verschränke. Außerdem erhielt der Film den Preis für „Beste Bildgestaltung“, der an Fabian Gamper ging. Seine Kameraarbeit wurde als Balance zwischen Nähe und Distanz beschrieben, die das Licht nicht funktional, sondern als emotionalen Zustand einsetze. Der Dokumentarfilmpreis ging an Daniel Abma für „Im Prinzip Familie“.


Die Jury hob hervor, dass der Film den Alltag in einer Wohngruppe für Kinder beobachtet und dabei den Fokus auf Beziehungen, Fürsorge und Verantwortung legt, ohne zu dramatisieren oder zu idealisieren. Der Blick auf Menschen, die Kindern Stabilität geben, sei präzise und von großer Zurückhaltung geprägt. Mit dem Newcomer-Regiepreis wurde Michael Kofler für „Zweitland“ ausgezeichnet. Die Jury verwies auf die intensive Auseinandersetzung mit Herkunft, Identität und politischer Geschichte Südtirols und betonte, dass der Film bewusst auf touristische Bilder verzichte und stattdessen eine konfliktreiche, widersprüchliche Heimat zeige. Als „Erfolgreichster Film“ wurde „Das Kanu des Manitu“ von Michael Bully Herbig geehrt. Die Jury begründete die Entscheidung mit dem anhaltenden Publikumserfolg und der Fähigkeit des Films, an einen bekannten Stoff anzuknüpfen und zugleich ein breites Kinopublikum zu erreichen. Den Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten erhielt Florian David Fitz. In der offiziellen Begründung wurde auf seine langjährige Arbeit als Schauspieler, Autor und Regisseur verwiesen, ebenso auf seine Vielseitigkeit zwischen Kino- und Fernsehproduktionen.

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