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Anspruchsvoll, intensiv und fiktional: Kritik zu „Blond“

Aktualisiert: 31. Dez. 2022

Nachdem Andrew Dominiks Film „Blond“ rund zwei Jahre unter Verschluss war, kam nun das fiktionale Drama über Marilyn Monroe endlich auf Netflix heraus, doch ist es der Skandalfilm, zu dem er im Vorfeld aufgebaut wurde?


Bildnachweis: 2022 © Netflix


Bereits vor über zehn Jahren begann Andrew Dominik mit seinem Projekt, den von Joyce Carol Oates verfassten Roman „Blond“, über das Leben von Marilyn Monroe zu verfilmen. Schnell konnte er dafür das Filmstudio Plan B Entertainment begeistern und der preisgekrönte Filmproduzent Jeremy Kleiner, Dede Gardner und Brad Pitt schlossen sich der Verfilmung als Produzenten an. Doch auch wenn Andrew Dominik die folgenden Jahre an dem Projekt weiterarbeitete und selbst das Drehbuch verfasste, konnte lange kein Finanzier für den Film gefunden werden. Doch da er immer wieder betonte, diesen Film unbedingt machen zu wollen, blieb er hartnäckig und 2016 bot ihm Netflix das nötige Produktionsbudget.


Zwei Jahre später fand Andrew Dominik nach langer Suche in der spanisch-kubanischen Schauspielerin Ana de Armas seine Hauptdarstellerin, der er bereits nach dem ersten Vorsprechen die Rolle zugesichert haben soll. In der Vorbereitung auf die Verkörperung der legendären, blonden Schauspielerin Marilyn Monroe, las Ana de Armas den Roman von Joyce Carol Oates, sah sich viele Filme, Fotos und Audioaufzeichnungen an und arbeitete rund ein Jahr mit einem Sprachtrainer zusammen, bevor im August 2019 die Dreharbeiten starteten.

Noch im selben Jahr wurden die Dreharbeiten abgeschlossen und 2020 sollte Andrew Dominiks „Blond“ auf Netflix starten. Doch es kam nie dazu, weil er den Netflix-Verantwortlichen als zu hart erschien. Netflix strich die Veröffentlichung und sagte die Einladung ab, den Film bei den Filmfestspielen von Cannes 2021 Premiere feiern zu lassen. In den vergangenen zwei Jahren gab es immer wieder Spekulationen und Gerüchte, doch von offizieller Seite wurden keine klaren Aussagen getroffen, ob und wann der Film herauskommen wird.


Bildnachweis: 2022 © Netflix


Andrew Dominik ließ jedoch nicht locker und letztlich konnte er doch durchsetzen, dass sein Film bei Netflix erscheint. Und zwar so, wie er sich den Film vorgestellt hatte. Aufgrund „sexueller Inhalte“ entschied sich Streaming-Anbieter Netflix in den Vereinigten Staaten für die NC-17-Altersfreigabe, hierzulande für eine Altersfreigabe ab 18 Jahren, so dass der Film nur für Erwachsene geeignet ist.

Darum geht es:


Basierend auf dem Erfolgsroman von Joyce Carol Oates wagt „Blond“ eine ganz neue Persepektive auf das Leben der US-amerikanischen Schauspielerin Marilyn Monroe. Doch die Geschichte beleuchtet nicht die öffentliche Figur als Hollywoodstar, sondern wirft einen Blick auf ihre Biographie, die die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion über die Biographie verschwimmen lässt, um ein schwieriges Bild zeichnen zu können. Es geht nicht um Marilyn, es geht um Norma Jeane hinter der Fassade der Hollywoodlegende. Denn hinter dem Publikumsliebling und Sexsymbol steckt das düstere Leben einer jungen Frau, die bereits im Alter von 36 Jahren nach einer Überdosis Barbiturate ums Leben kam...


Die Rezension:


Hauptdarstellerin Ana de Armas, die sich intensiv mit Marilyn Monroe beschäftigte, ist das emotionale wie wuchtige Herzstück des Films, die neben einer authentischen Verkörperung von Monroe, vor allem mit ihrem vielschichtigen Spiel als Norma Jeane eindrucksvoll ist. Nach der schwierigen Kindheit spielt Armas eine verunsicherte junge Frau, die Trauer und Schmerz in den Wahnsinn treiben. Im Männer dominierten Hollywood erlebt sie nicht die glamouröse Traumfabrik, sondern einen Albtraum ohne Entrinnen...

Bildnachweis: 2022 © Netflix


Doch „Blond“ lebt bei weitem nicht nur von seiner außergewöhnlichen Hauptdarstellerin, die kunstvolle Gestaltung und besonders die unkonventionelle Erzählweise, sorgen für einen Film, der dem Zuschauer ein exzeptionelles Erlebnis bietet. Gerade die kontrastreichen Bilder, von Schwarzweißbilden zu kräftigen Farbaufnahmen,verdeutlichen, dass Andrew Dominik sein eigenes Porträt von Marilyn Monroe zeichnet. Doch auch, da der Film größtenteils im 4:3 Format gedreht wurde, ist „Blond“ nicht für jeden etwas.


“Every Baby Needs a Da-Da-Daddy” sang Marilyn Monroe in „Ladies of the Chorus“ – Norma Jeane wuchs nur mit ihrer neurotischen Mutter auf, den Vater kannte sie nicht. Und hier setzte Dominik an und lässt Fakten und Fiktion verschwimmen, wenn er in Norma Jeane den Vaterkomplex aufkeimen und krankhaft werden lässt. Wenn sie später ihren Lebensgefährten immer wieder als „Daddy“ anspricht, wird ihr verzweifelter Wunsch nach dem Vater auf die Spitze getrieben. Die Komplexität von Monroe wird aber letztlich auf den Vaterkomplex reduziert. Auch der unerfüllte Kinderwunsch wird in brutalen Abtreibungssequenzen gezeigt.

Bildnachweis: 2022 © Netflix


„Viel verehrt, doch nie verstanden“ heißt es im Trailer und dies verdeutlicht auch die Idee von Oates und Dominik. Während eines Streites schreit Ana de Armas so einmal, „was geht dich mein Leben an?“ und wendet sich dabei direkt zur Kamera und spricht somit das Publikum an. Andrew Dominiks „Blond“ ist keine Biographie eines Lebens, da er sich nur auf bestimmte Momente im Leben Monroes konzentriert, um dann in einer anspruchsvollen, immersiven wie ergreifenden Inszenierung den erdrückenden Niedergang zu zeigen. Eine schonungslose Geschichte, über eine junge Frau, die misshandelt, vorgeführt und letztlich zerstört wird...

Der Ansatz der Geschichte ist fiktional und kann vor allem durch Schauspiel und ästhetische Inszenierung begeistern, doch die Biographie von Monroe wird zwar angerissen, ausgestaltet aber nur in einem düsteren Bild. Marilyn Monroe war aber nicht nur Opfer, auch wenn es der Film nahelegt. Nicht nur naiv, so hat sie sich in Hollywood auch hochgearbeitet und wurde Filmproduzentin. Doch sie hatte hinter ihrer Fassade viele Tiefpunkte und Düsternis und verstarb bereits nach 36 Jahren. Ein differenzierterer Blick auf Monroe wäre ihr gerechter geworden.


Bildnachweis: 2022 © Netflix


Fazit:


Andrew Dominiks Film „Blond“ ist Fiktion und sollte auch als diese verstanden werden. Er beleuchtet, wie Marilyn Monroe, oder besser Norma Jeane misshandelt, vorgeführt und letztlich zerstört wird. Durch eine anspruchsvolle wie intensiven Inszenierung ist es aber durchaus ein beeindruckender Film, gerade auch wegen der oscarwürdigen Performance von Ana de Armas.

7 von 10 Punkten


„Blond“ ist seit dem 28. September 2022 auf Netflix verfügbar.





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