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Bettina Lamprecht im Interview zur Bowling-Komödie „Die Abräumer“: „Für ein paar Takes musste ich tatsächlich auch Strikes werfen“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

„Ich hatte dann schnell auch aufgeschürfte Daumen und Finger“, erzählt Bettina Lamprecht über ihre Vorbereitung auf die neue ZDF-Komödie „Die Abräumer“, für die sie sich intensiv mit dem Spiel mit Ball und Pins auseinandersetzte.


Bettina Lamprecht setzt in „Die Abräumer“ konzentriert zum Wurf auf der Bowlingbahn an.
Bildnachweis: © ZDF/Martin Valentin Menke

Bettina Lamprecht ist seit Jahren eine feste Größe der deutschen Fernsehkomödie und einem breiten Publikum unter anderem aus „Pastewka“ oder auch „Ladykracher“ bekannt. In „Die Abräumer“ spielt sie nun Karo, ein einstiges Bowlingtalent, das nach einem schmerzhaften Scheitern nie wieder einen Ball anfassen wollte – bis ausgerechnet ein großes Turnier zur letzten Chance wird, die Bowlinghalle ihrer Familie zu retten. Für die Rolle trainierte Lamprecht selbst mehrere Monate Bowling. Im Interview spricht sie über schwere Profibälle und aufgeschürfte Finger, Karos Verbissenheit, die Angst vor dem Scheitern und darüber, warum gerade eine Komödie über einen eher selten im Fernsehen gezeigten Sport ihren Reiz hat.


Der Film Journalist: Karo hat sich in „Die Abräumer“ geschworen, nie wieder einen Bowlingball anzufassen. Haben Sie selbst etwas, bei dem Sie sagen würden: „Das mache ich nie wieder“?


Bettina Lamprecht: Film und Theater zwingen einen ja immer wieder dazu, Dinge zu tun, die man sonst vielleicht nicht tun würde. Für „Die Abräumer“ habe ich drei Monate lang Bowling gelernt – zumindest so, dass es aussieht, als könnte ich bowlen. Während der Vorbereitung dachte ich tatsächlich noch: Vielleicht wird das ja mein neuer Sport, vielleicht werde ich richtig gut und mache das jetzt immer. Soviel kann ich schon mal sagen: Es ist anders ausgegangen. Mit diesen wahnsinnig schweren Bällen sollen sich andere abmühen. 


Der Film Journalist: In „Die Abräumer“ spielen Sie Karo, die nicht unbedingt die klassische Sympathieträgerin ist: oft schroff, stur und eher jemand, der Menschen vor den Kopf stößt. Was hat Sie an dieser Figur und ihrer sehr speziellen Mutter-Tochter-Beziehung gereizt?


Bettina Lamprecht: Genau das hat mich gereizt: einen Menschen zu spielen, der in seinem Leben

Bettina Lamprecht steht in „Die Abräumer“ mit Mido Kotaini in der Bowlinghalle und blickt angespannt nach vorn.
Bildnachweis: © ZDF/Martin Valentin Menke

so festhängt. Karo hat Angst vor Versagen, vor Kritik, vor einer neuen Niederlage und geht deshalb im Grunde gar nichts mehr wirklich an. Weder eine Freundschaft noch eine Beziehung noch einen anderen, besseren Job. Dazu kommt diese schwierige Dynamik mit ihrer Mutter. Karo emanzipiert sich erst sehr spät in ihrem Leben von dieser Beziehung und wird gezwungen, etwas Neues zu wagen. Dabei merkt sie, dass Verbindungen zu anderen Menschen auch schöne Erlebnisse möglich machen und dass das Leben vielleicht gar nicht so schrecklich ist, wie es für sie viele Jahre ausgesehen hat. Diesen Wandel durchzugehen, hat mich sehr gereizt.


Der Film Journalist: Gibt es etwas an Karo, bei dem Sie sagen: Das mag ich wirklich an ihr und etwas anderes, bei dem Sie froh sind, selbst ganz anders zu ticken?


Bettina Lamprecht: Ich hoffe, dass ich mich meistens eher auf der positiven Seite des Lebens bewege und nicht so mürrisch und verbittert bin. Was ich an Karo aber mag, ist ihr Kampfgeist. Den hatte sie als Kind offenbar sehr stark, und den entdeckt sie im Laufe der Geschichte wieder. Man würde sich natürlich wünschen, dass dieser Kampfgeist stärker mit Teamgeist einhergeht. Das muss Karo erst langsam lernen. Ob sie es wirklich gelernt hat, weiß ich nicht. Aber ich glaube, am Ende begreift sie, dass es nur zusammen geht und nicht allein.


Der Film Journalist: Karo definiert sich lange Zeit über diesen einen misslungenen Moment. Warum fällt es Menschen Ihrer Meinung nach so schwer, Fehler loszulassen?


Bettina Lamprecht: Ich glaube, das hat sehr viel mit tiefen Ängsten zu tun – vor allem mit der Angst, wieder verletzt zu werden. Für Karo war dieser Moment eine riesengroße Verletzung. Und

Bettina Lamprecht und ihre Filmmutter betrachten in „Die Abräumer“ Bowling-Schuhe auf einer Bowlingbahn.
Bildnachweis: © ZDF/Martin Valentin Menke

diese Verletzung hing ja auch mit der Beziehung zu ihren Eltern zusammen. Wenn die Eltern nicht so starke Erwartungen an sie gestellt und ihr ganzes Geld in dieses Kind investiert hätten, um dann auch den großen Erfolg aus ihr ziehen zu können, wäre diese Verletzung vielleicht nicht so stark gewesen. Aber dadurch, dass so viel Erwartung auf ihr lastete, war die Enttäuschung der Eltern eben umso größer. Und diese Enttäuschung ist durch die Mutter bis heute präsent. Ich glaube, das sind sehr tiefliegende Ängste, von denen wir oft vielleicht gar nicht wissen, wie tief sie wirklich sitzen und wie schwer sie zu überwinden und loszulassen sind.


Der Film Journalist: Und diese Verbissenheit zeigt sich bei Karo besonders beim Bowling. Auch wenn das wohl nicht Ihr neuer Lieblingssport wird: Wie haben Sie sich auf diese Szenen in „Die Abräumer“ vorbereitet?


Bettina Lamprecht: Ich hatte das Glück, hier in Berlin einen wirklich fantastischen Coach zu haben, den mir Network Movie vermittelt hat. Ich habe fast drei Monate mit ihm trainiert. Er hat versucht, mir die Bewegungsabläufe beizubringen: wie viele Schritte man macht, wie hoch man den Arm nimmt, dass der Arm nicht überschwingt, in welchem Winkel man abwirft, wo man genau abwirft und so weiter. Da gibt es unglaublich viele Finessen. Allein schon dieser Profiball ist eine Sache für sich. Der ist wie gesagt sehr schwer und bekommt individuelle Bohrungen, also genau auf die eigenen Finger abgestimmt. Dann wird ewig daran herumgefeilt, weil ein Loch entweder zu klein oder doch zu groß ist. Dann wird wieder geklebt und angepasst.


Ich hatte dann schnell auch aufgeschürfte Daumen und Finger – das haben die Profispieler aber

Bettina Lamprecht steht in „Die Abräumer“ mit ihrem Bowlingteam vor einem Plakat zum Big Battle Bowl.
Bildnachweis: © ZDF/Martin Valentin Menke

offenbar alle. Ehrlich gesagt habe ich einfach auch nicht den allerstärksten Muskelapparat und bin hyperflexibel. Das heißt, meine Wirbelsäule macht gerne, was sie will. Deshalb bin ich eher für sanftere Sportarten. Gleichzeitig macht es mir wahnsinnig viel Spaß, neue Dinge zu lernen, selbst wenn sie mir erst einmal nicht leichtfallen. Deshalb hatte ich große Freude daran, mich da reinzufuchsen. Für ein paar Takes musste ich tatsächlich auch Strikes werfen. Mal hat das sehr gut geklappt, mal hat es auch 20 Takes gebraucht. Aber wir haben es auf jeden Fall hingekriegt. Und ansonsten gibt es beim Film zum Glück ja auch noch den Schnitt. Da kann man dann ein bisschen tricksen.


Der Film Journalist: Neben Ihnen gehören auch Mido Kotaini, Hans-Joachim Heist und Jing Xiang zu dem Quartett, das im Film das Bowlingturnier gewinnen soll. Nachdem Sie die anderen bei den Dreharbeiten nun erlebt haben: Wer aus dem Cast hätte Ihrer Einschätzung nach die besten Chancen, bei einem Bowlingturnier abzuräumen?


Bettina Lamprecht: Jing Xiang. Sie war tatsächlich mit am talentiertesten. Die anderen hatten längst nicht so eine lange Vorbereitungszeit wie ich und haben sich nur ein paar Mal mit jemandem getroffen. Aber Jing ist sehr sportlich und kann, soweit ich mich erinnere, auch alle möglichen Kampfsportarten. Sie hat wirklich ein paar richtig gute Bälle geworfen. Aber auch Hans-Joachim Heist hat überraschenderweise manchmal etwas hingelegt, bei dem man dachte: Wow, wie ging das denn jetzt? Also alle hatten ihre guten Momente.


Der Film Journalist: Zum Schluss noch eine letzte Frage dazu, warum sollte man sich „Die Abräumer“ – ob in der Mediathek oder im Fernsehen – nicht entgehen lassen?


Bettina Lamprecht: Ich glaube, Sport ist tatsächlich immer etwas, das verbindet. Jetzt hatten wir zwar erst einmal den Fußball, aber der ist gefühlt auch schon wieder lange vorbei. Genügend Krimis laufen ohnehin, denke ich. Warum also nicht auch mal eine Komödie, die sich mit Sport beschäftigt – und zwar mit einem Sport, der im Fernsehen nicht so häufig vorkommt? Ich glaube, das kann viel Spaß machen.

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