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Carmen-Maja Antoni im Interview zu „Merz gegen Merz – Entscheidungen“: „Meine Entscheidungen waren immer aus dem Bauch heraus“

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

„Diese Lebenskomik interessiert mich immer“, sagt Carmen-Maja Antoni über die ZDF-Komödienreihe „Merz gegen Merz“, in der sie seit 2019 als Renate mitten im familiären Dauerchaos steckt.


Carmen-Maja Antoni als Renate Merz sitzt in einer Szene aus „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ im grauen Mantel auf einer Wiese.
Bildnachweis: © ZDF/Brendan Uffelmann

Carmen-Maja Antoni steht seit mehr als sieben Jahrzehnten vor der Kamera und auf der Bühne. Schon als Kind stand die gebürtige Berlinerin vor der Kamera, später spielte sie an der Volksbühne und fast vier Jahrzehnte am Berliner Ensemble, drehte für die DEFA und blieb auch nach der Wende in Kino und Fernsehen präsent. Seit 2019 ist sie als Renate Merz zudem fester Bestandteil von „Merz gegen Merz“ und damit einer Familie, in der kaum etwas lange unkompliziert bleibt. Nach drei Staffeln wechselte die Geschichte um Anne und Erik Merz ins 90-Minuten-Format. Mit „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ geht sie nun weiter: gewohnt komisch im alltäglichen Beziehungs- und Familienchaos, diesmal aber auch mit Fragen, bei denen das Lachen nicht ganz so leichtfällt. Unter anderem rückt das Thema Sterbehilfe in den Mittelpunkt.


Der Film Journalist: Sie haben einmal gesagt, dass Sie heute nicht mehr „jeden Mist“ annehmen möchten. Woran erkennen Sie, ob eine Rolle Ihre Zeit und Kraft verdient hat? Und warum gehört Renate Merz zu den Figuren, zu denen Sie gerne zurückkehren?


Carmen-Maja Antoni: Ich lese jedes Buch und jedes Angebot, das ich bekomme, ziemlich gründlich und überlege: Kann ich daraus eine Figur machen? Dabei ist völlig egal, wie groß oder

Carmen-Maja Antoni als Renate Merz sitzt in einer Szene aus „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ auf dem Beifahrersitz eines Autos und blickt zum Fahrer.
Bildnachweis: © ZDF/Brendan Uffelmann

klein die Rolle ist: die Hauptsache ist, ich kann sie vor mir vertreten. Das meine ich mit diesem „Mist“. Und dieses Genre von „Merz gegen Merz“ hat mir schon immer gefallen: Geschichten über normale Leute, über den Humor der kleinen Leute, aber auch den großen, überhöhten Humor. Eigentlich geht es die ganze Zeit um Lebenskunst: Man möchte etwas, und von außen kommt irgendeine Störung, die alles in eine andere Richtung bringt. Da beginnt vielleicht eine romantische Szene und plötzlich wird sie radikal unterbrochen, sie kippt in Komik, in eine kleine Katastrophe oder gleich in die nächste große.


Gleichzeitig geht es darum, zu begreifen, wie ein anderer Mensch tickt, Geduld aufzubringen und sich näherzukommen. Das sind diese großen, kleinen Missverständnisse des Lebens. Man kann sie vielleicht nicht beseitigen, aber durch mehr Sensibilität zumindest besser verstehen. Und dabei sind die Filme so differenziert und gleichzeitig so saukomisch. Diese Lebenskomik interessiert mich immer: Es passiert eben nie genau so, wie man es sich erträumt. Irgendein Wahnsinn kommt immer dazwischen. Deshalb sind das für mich richtige kleine Dramen.


Der Film Journalist: „Merz gegen Merz“-Schöpfer Ralf Husmann hat auch diesen neuen Film gemeinsam mit Annekathrin Lang geschrieben. Was macht seine Drehbücher für Sie besonders?


Carmen-Maja Antoni: Ralf Husmann hat einen großen Wortwitz, eine groteske Komik, aber gleichzeitig auch einen sehr zarten Humor. Seine Sprache hat ein unglaubliches Tempo und ist

Carmen-Maja Antoni als Renate Merz sitzt in „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ gemeinsam mit einem Mann auf einem Sofa in einem hellen Wohnzimmer.
Bildnachweis: © ZDF/Brendan Uffelmann

trotzdem intelligent und lebensnah. Vor allem wiederholt er sich nicht. Dafür braucht man eine große Neugier auf Sprache, Wortspiele und Konstruktionen. Die Pointen sitzen so, dass, wenn man über die eine noch lacht, schon die nächste kommt. Das ist sein Tempo. Und das gefällt mir. Ich bin auch eine schnelle Berlinerin und war schon am Theater immer schnell mit Texten und bei seinen Dialogen muss man einfach wach sein.


Der Film Journalist: Der neue Film heißt „Entscheidungen“, Ihre Autobiografie „Im Leben gibt es keine Proben“. Gibt es Entscheidungen in Ihrem Leben, bei denen Sie heute besonders froh sind, sie genauso getroffen zu haben?


Carmen-Maja Antoni: Meine Entscheidungen waren immer aus dem Bauch heraus. Ich habe nie etwas gemacht, nur weil es mir etwas bringen oder mich vorwärtsbringen könnte, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Dadurch habe ich manchmal auch etwas verloren, weil ich konsequent eine Entscheidung für mich getroffen habe. Aber es gab eben auch Entscheidungen, die mich sehr glücklich gemacht haben. Ich habe einmal ein tolles Angebot für ein Engagement ausgeschlagen, da ich mich an meinem Theater mit der Arbeit damals wohlfühlte. Meine Kollegen haben damals gesagt, ich sei verrückt. Für mich war es trotzdem richtig. Natürlich liegt man mit Entscheidungen auch einmal daneben. Dann verliert man halt eine Runde. Aber ich möchte mich mit mir gut fühlen und das ist mir bisher immer gelungen.


Der Film Journalist: Nach mehr als sieben Jahrzehnten im Beruf: Können Kolleginnen, Kollegen oder eine Szene Sie überhaupt noch überraschen?


Carmen-Maja Antoni: Oh ja, unbedingt sogar. Ich habe so viel Spaß am Spielen. Wenn ein Kollege plötzlich etwas anders darstellt, als ich es erwartet habe, kann ich darauf reagieren und auf einmal entsteht eine ganz andere Szene. Das ist doch das Tollste an der Arbeit. Bei diesem Ensemble, das sind alles hinreißende Schauspieler, kann man sich das auch leisten, weil wir uns inzwischen kennen und wissen, wie die anderen ticken. Das Wichtigste ist, dass man diesen Spaß an der Arbeit behält. Wenn es noch zehn Teile geben würde, wäre ich gerne weiter dabei.


Der Film Journalist: „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ behandelt trotz aller Komik mit der Sterbehilfe auch ein ausgesprochen ernstes Thema. Was hat Sie gerade an diesem Film gereizt?


Carmen-Maja Antoni: Mich reizen und interessieren die Tiefe und der Ernst dieses Films sowie gleichzeitig diese Brüche von der Tragödie zur Komödie. Die Sterbehilfe ist ein großer Punkt in diesem Film, aber ringsherum kommen all die anderen menschlichen Krisen dazu, die ebenfalls

Carmen-Maja Antoni als Renate Merz sitzt in „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ gemeinsam mit einem Mann bei einem Gespräch an einem Schreibtisch.
Bildnachweis: © ZDF/Brendan Uffelmann

gelöst werden müssen. Die Figuren treffen Entscheidungen, denken über sich nach und ändern ihre Haltungen und trotzdem ist am Ende vieles wieder wie vorher. Die jungen Charaktere in diesem Film meinen, sie kennen sich und wissen genau, was sie wollen. Plötzlich begreifen sie, dass sie eigentlich etwas anderes wollen, und dadurch entwickeln sie Verständnis füreinander durch das nächste Missverständnis.


Für mich ist das normales Leben: Du stehst morgens auf und der Tag läuft nicht so, wie du gedacht hast. Und genau dieses Anderslaufen ist interessant. Ich wünsche mir jedenfalls, dass der Film wieder ein Erfolg wird und wir vielleicht noch einmal die Chance bekommen, weitere 90 Minuten zu zaubern: Schalten Sie am 20.08. unbedingt ein oder schauen den Film in der Mediathek und überzeugen sich selbst.

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