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Kritik zu „365 Days – Dieser Tag“: Ist die Fortsetzung genauso schlimm?

Nachdem Anfang 2020 „365 Days“ auf dem Netflix startete, löste der Film einen großen Aufschrei und enormen Hype aus. So gab es eine Menge Petitionen, die forderten, dass der Film vom Streaming-Dienst heruntergenommen werden müsste, da er gewaltverherrlichend sei. Auch die Message des Films, dass man wenn man reich und schön ist, alles erreichen könne, sei doch sehr fragwürdig. Auch die Kritiken waren fast ausschließlich vernichtend und doch löste der Film einen großen Hype aus und stürmte die Netflix-Charts, welche der Film dann eine Zeit lang anführte. Ob im positiven oder negativen - der Film war Gesprächsstoff und insgesamt ein großer Erfolg, so dass Netflix recht früh bekannt gab, dass man die Arbeit an einer Fortsetzung begonnen habe. Diese wurde inzwischen abgedreht und kam nun am 27. April 2022 auf Netflix - „365 Days – Dieser Tag“.

Der erste Film erzählte vom Mafiosi Massimo, der die polnische bildhübsche Laura entführen ließ und ihr dann erklärte, dass sie nun ein Jahr – 365 Tage – Zeit habe, um sich in ihn zu verlieben. Und nach der Entführung und und körperlicher und psychischer Gewalt verliebte sich Laura dann auch in den rigorosen Massimo und so steht die Fortsetzung an, die ihre Geschichte mit der gemeinsamen Hochzeit weiterführt.


Bildnachweis: Netflix/Karolina Grabowska


Im dramatischen Finale des ersten Films findet Laura heraus, dass sie schwanger ist, doch bevor sie es Massimo sagen kann, gerät sie in einen Hinterhalt in einem Tunnel. Nach dem spannenden Cliffhanger führt die Fortsetzung die Geschichte einige Zeit später weiter. Der Anschlag auf Laura wird dabei nur sehr knapp angeschnitten, doch das wichtigste ist: Laura hat überlebt, doch sie verlor ihr ungeborenes Kind...


Der zweite Film beginnt mit der Hochzeit von Massimo und Laura, wobei er zunächst einmal mit einer Sexszene startet. Mit den Klängen von „Ave Maria“ schreiten sie danach durch eine Kirche und heiraten. Bevor wir die sonnige Hochzeitsgesellschaft satt haben, gibt es die nächste Sexszene. Die Hochzeitsnacht. Ein Auftakt eines Filmes, der so wenig zu erzählen hat, dass er über eine halbe Stunde völlig substanzlos aneinander gereihte Ereignisse zeigt, die lose einen roten Faden ergeben wollen. Jeder Dialog wird dabei auf die kleinst mögliche Länge gekürzt und bleibt dabei meistgehend inhaltsleer. Sie sind lediglich Brücken zwischen den Sex-Exzessen, die dann immer wieder von sonnigen Popsongs untermalt werden. Da die Dialoge so knapp gehalten werden, beginnt der Film dann teilweise über Songs zu erzählen. Schon bizarr, wenn man dann anstatt der Stimmen der Schauspieler Untertitel der Songtexte liest und so zog sich schon sehr bald der inzwischen X-Mal gleiche, minimal jedoch veränderte Song und seine immer wieder selbe Art in die Länge. Denn neben Sexszenen und den konstruiert aufkommenden Spannungen passiert recht lange nichts.


Laura ist die Ehefrau von Massimo und weiter nichts, mehr muss sie nicht sein und dieser Umstand nervt auch sie selber, also konfrontiert sie Massimo und macht ihm klar, dass sie mehr Freiraum brauche, eine Herausforderung. Und will sie Freiraum, bekommt sie halt einfach eine Modefirma geschenkt. Warum auch nicht...

Während ein Pop-Song nach dem anderen abspielt, sehen wir manchmal minutenlang nur Sex, wohin die Kamera auch fährt. Einfach jeder im Hause Torricelli findet sich in wilden Sex-Exzessen wieder. Dabei ist es gerade die unpassende musikalische Untermalung, die jeder Sexszene das Romantische, das Liebende nimmt – denn der 08/15-Pop-Song sorgt zu keinem Moment für romantische Stimmung. Sie lassen die Romantik erst gar nicht zu. Viel mehr setzt der Film dann auf viel nackte Haut und verschiedene Sex-Spielchen, die ästhetisch inszeniert werden, aber nicht erotisch. Jedoch zeigt sich auch hier ein großes Problem zum ersten Teil auf:


Der erste Teil wurde von Netflix lediglich aufgekauft, der zweite wurde nun von Netflix selbst produziert, welche die Skandale um den ersten Teil wahrgenommen haben und einiges versucht haben, um dieses Mal nicht so Frauen verachtend zu sein. So übernimmt Laura in einem Sex-Spielchen dieses Mal den dominanteren Part und man versucht, mehr von Laura hinter der bildhübschen Fassade zu zeigen. So kommt ein Film heraus, der zwar nicht mehr so skandalös ist, aber noch immer Männer und Frauen in einem erschreckenden Stereotyp darstellt, und gerade durch die durchlaufenden Pop-Songs kommt ein völlig weichgespültes Soft-Porno-Drama hervor. Dafür ist es weniger grenzüberschreitend als noch der erste Teil...

So werden die weiblichen Figuren schaurig einfach gestrickt gezeigt und wie es Laura irgendwann im Film selbst feststellt, sind sie unfassbar naiv, man könnte auch sagen, dass Frauen in „365 Days – Dieser Tag“ sehr stupide dargestellt werden.


Bildnachweis: Netflix/Karolina Grabowska


Und diese Darstellungsweise ist durchaus in Frage zu stellen. Die männlichen Figuren werden dabei ebenfalls sehr gutaussehend und durchtrainiert dargestellt, die entweder gewalttätig oder verführend fungieren.

„365 Days – Dieser Tag“ zeigt uns dabei wunderschöne, italienische Kulissen, in denen dann die Schauspieler mit recht limitiertem Können die unfassbar nichtssagenden Dialoge während der platonischen Szenen sprechen.


Bildnachweis: Netflix/Karolina Grabowska

Über fünfzig Minuten plätscherte der Film so vor sich hin, bevor Laura plötzlich entdeckt, wie Massimo sie mit einer anderen Frau betrügt. Völlig außer sich läuft sie dann vom Grundstück, wo sie auf den gutaussehenden neuen Gärtner Nacho trifft, der ihr anbietet, sie weit weg zu bringen, weit weg von Massimo. Erst dann, nach einer knappen Stunde, offenbart sich, was der Film an dünner Handlung bieten wird und diese erzählt er dann sehr durchsichtig etwas weniger als eine Stunde weiter, um diese dann wieder in einem krassen Cliffhanger enden zu lassen...

Fazit:

Dass ist nicht mehr eine Romanze oder erotischer Film, dass ist ein Sex-Film mit Dialogen und limitiertem Schauspiel, welcher uns völlig substanzlos aneinander gereihte Ereignisse, die lose einen roten Faden ergeben wollen, zeigt. Die Geschichte hatte lange nicht mehr Inhalt als ein Porno, nur war „365 Days – Dieser Tag“ sehr viel länger. Schade dass selbst die Sexszenen völlig misslangen und zu keinem Zeitpunkt Erotik ausstrahlen konnten...


2 von 10 Punkten


Bildnachweis: Netflix/Karolina Grabowska

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