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Kritik zu „Blue Bayou“: Ein Film über Hoffnung, Liebe und Abschied

Als Justin Chon in mehreren Zeitungsartikeln von den Abschiebungen koreanischer Männer und Frauen las, die einst als Adoptivkinder in die vereinigten Staaten kamen, begann in ihm eine Idee aufzukeimen, eine Geschichte über einen Mann, der ein ebensolches Schicksal habe. Seit über dreißig Jahren in den USA lebend, Frau, Kind eine Familie zu haben und plötzlich vor der Abschiebung stehen – dem widmete er sich und schrieb ein Drehbuch, inszenierte es und spielte den Hauptcharakter selbst und so kam am 10. März sein daraus entstandener Film „Blue Bayou“ in die Kinos. Er selbst wuchs mit einigen koreanischen Adoptivkindern auf und die Artikel und die darin beschriebenen wie tragischen Schicksale haben ihn zutiefst berührt, und das wird auch sicher seine filmische Aufarbeitung die Zuschauer.

Die Geschichte erzählt von Antonio LeBlanc, einem siebenunddreißig Jahre alten Mann, der mit seiner Frau Kathy verheiratet ist. Viel Geld haben sie nicht, es ist immer knapp und doch kommen sie um die Runden; in ihrem kleinen, ärmlicheren Haus wohnen sie und warten auf ihr gemeinsames Kind. Bevor sich Kathy und Antonio fanden, ihr Glück fanden, war diese bereits mit einem anderen Mann zusammen gewesen. Sie und Ace bekamen ein Kind, doch dann verließ er sie. Ihre Tochter Jessie wuchs deshalb mit Antonio als Vater auf. Er wurde ihr Vater. Doch Jahre später will Ace nun seine Tochter wiedersehen, sie ihn aber nicht, kennt sie ihn doch gar nicht.


Kathy und dahinter Ace, Vater von Jessie:

Bildnachweis: ©2021 Focus Features, LLC.


So leben die drei gemeinsam und warten auf den Zuwachs, doch ihre Vorfreude auf das eigene Kind wird endet schlagartig, als Antonio festgenommen wird und urplötzlich vor einer Abschiebung steht. Und gut steht es nicht gerade für ihn. Vorstrafen, seine Arbeit im Tattoo-Shop und sein ärmliches Auftreten sprechen gegen ihn – egal ist dabei, dass er nur die vereinigten Staaten kannte. Mit drei Jahren kam er nach Amerika, die USA sind seine Heimat, er ist Amerikaner.

In ihrer Not und der Verzweiflung wenden sie sich Hilfe suchend an einen Anwalt, Geld haben sie aber eigentlich keines und auch seine Einschätzung des Falles ist ernüchternd. Die Gefahr, für immer abgeschoben zu werden ist groß, doch Antonio will seine Familie nicht verlieren, nicht seine Heimat verlassen und so nimmer er mit Kathy den ungewissen Kampf um die Zukunft auf. Doch um eine Zukunft möglich zu machen, muss sich Antonio seiner Vergangenheit stellen...

Um in die Geschichte eintauchen zu können, wählte Justin Chon eine besondere Kameraführung. Eine suggestive, sich sehr nah an den Figuren schmiedende Kamera, die dadurch sehr echte und lebensnahe Bilder erzeugt. Auch sonst legte man nicht Wert auf cleane scharf gestochene Bilder, sondern filmte in leicht krisseligen Bildern und fand ein eigenes Format, welches wie eine nostalgische Reise durch Fotoalben wirkte.

„Ja, aber wie gesagt, ich lebe seit über 30 Jahren hier. Können Sie denen nicht sagen, dass ich von Weißen adoptiert worden bin?“

- Antonio LeBlanc


Bildnachweis: ©2021 Focus Features, LLC.


Justin Chon schrieb Antonio LeBlanc und verkörperte auch den tätowierten jungen Mann, der eine recht ambivalente Person bildet. Zwischen seiner liebevollen Art zu seiner Stieftochter und der verletzlichen, tragischen Seite gibt er Antonio vor allem den Charakter eines traurigen Mannes, der lange einen Anker in seiner Frau Kathy fand, die von der Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander gespielt wurde.

„I’m going back someday Come what may To Blue Bayou Where the folks are fun And the world is mine On Blue Bayou“

Auszug des Songtextes von „Blue Bayou“, den Alicia Vikander als Kathy gegen Mitte des Films selbst interpretiert. Eine stimmungsvolle Ode an die Hoffnung, rührselig, aber auch etwas kitschig. Alicia Vikander verkörpert Kathy sehr leidenschaftlich und gibt ihr eine emotionsgeladene und starke Art.


Gerade die zentralen Figuren wurden dabei recht tiefgründig beleuchtet, viele der anderen Figuren sind recht affektiv gezeichnet und ihre Probleme, Tiefen und Eigenschaften sind recht pathetisch und atmosphärisch gehalten, dabei sind sie aber auch immer wieder erwartbar. So zum Beispiel der recht polemisch überspitze Polizist, der von Randy Austin verkörpert wurde.


Bildnachweis: ©2021 Focus Features, LLC.


Roger Suen komponierte den Soundtrack, der mit seinen melodramatischen Klängen die Handlung begleitet. Von den Film einrahmenden „Ja Tan Uri“ über den Song „Blue Bayou“, bis zu den sich zuspitzenden, dramatischen Schlusstönen gelang ihm eine fabelhafte Untermalung, die nie aufdrängt, aber letztlich unabdingbar für den Film ist.

Fazit:

Justin Chon erzählt in seinem vierten Spielfilm von Abschiebung, aber auch von Rassismus, Familienzuwachs und darüber, dass man alle Kinder gleich behandeln sollte, auch wenn nur eines der zwei Kinder der Familie von Antonio entstammt. Außerdem geht es um den Missbrauch des Beamtenstatus, um Hoffnung, Liebe und Abschied.


7 von 10 Punkten


Bildnachweis: ©2021 Focus Features, LLC.

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