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Kritik zu „Captain America: Brave New World“: Marvels verpasste Chance

  • Autorenbild: Toni Schindele
    Toni Schindele
  • 14. Feb. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Die Welt verändert sich – und mit ihr die Helden, die einst als unantastbar galten. Inmitten eines schlingernden Genres betritt ein neuer Captain die Bühne. Doch kann er mehr sein als ein Symbol?


Kritik zu „Captain America: Brave New World“: Marvels verpasste Chance
Bildnachweis: © The Walt Disney Company / MARVEL

Lange galten Superheldenfilme als das Nonplusultra des Blockbuster-Kinos – kommerziell unschlagbar, kulturell omnipräsent, von den Kinoleinwänden kaum wegzudenken. Doch was einst als Garant für Milliardenumsätze und volle Säle funktionierte, steht inzwischen auf wackligen Beinen. Marvels einst unaufhaltsames Cinematic Universe schwächelt, die Erfolgsformel zeigt Risse, und Publikum wie Branche fragen sich: Hat das Genre seinen Zenit überschritten? Inmitten dieser Debatte erscheint nun „Captain America: Brave New World“ – ein Film, der vieles beweisen muss. Zum ersten Mal ohne Chris Evans in der ikonischen Rolle, soll er zeigen, ob das MCU fähig ist, sich neu zu erfinden. Die entscheidende Frage lautet also: Wie gut ist dieser neue Captain America wirklich?


Darum geht es:


Nach einem waghalsigen Einsatz in Mexiko legt Captain America den skrupellosen Söldner Sidewinder und seine berüchtigte Serpent Society in Schach. Als Zeichen des Dankes wird er zusammen mit seinem treuen Mitstreiter Joaquin Torres ins Weiße Haus eingeladen – doch was als freundschaftliches Treffen begann, eskaliert schnell zu einem globalen Machtspiel. Beim Zusammentreffen mit dem frisch gewählten US-Präsidenten Thaddeus Ross wird der legendäre Vibranium-Schild zum Zündstoff für einen Konflikt, der die Welt ins Chaos zu stürzen droht. Kann Captain America den drohenden Konflikt abwenden und den Frieden bewahren?


Die Rezension:


„Captain America: Brave New World“ markiert Anthony Mackies erstes Solo-Abenteuer im Kino als neuer Captain America und bemüht sich spürbar, ihm eine eigene Identität jenseits des von Chris Evans geprägten Originals zu geben. Doch bereits der Einstieg offenbart ein grundlegendes Problem: Mackies Sam Wilson trägt buchstäblich und symbolisch ein schweres Erbe, dem der Film dramaturgisch und erzählerisch kaum gerecht wird. Obwohl Mackie recht charismatisch agiert, offenbart Julius Onahs Inszenierung – solide, aber weitgehend uninspiriert – deutlich, dass die fünfköpfige Autorenschaft hinter dem Drehbuch ohne einheitliche Vision arbeitete.


Kritik zu „Captain America: Brave New World“: Marvels verpasste Chance
Bildnachweis: © The Walt Disney Company / MARVEL

Immer wieder werden vielversprechende erzählerische Ansätze eingebracht, etwa die politische Verantwortung eines Superhelden in globalen Krisen, doch statt diese konsequent auszuleuchten, lässt das Drehbuch sämtliche Ansätze fallen, sobald ein neuer Plotpunkt ansteht. So hangelt sich die Geschichte ohne echte dramaturgische Tiefe von Wendung zu Wendung, verliert die potenzielle Kernbotschaft aus dem Blick und bleibt erzählerisch oberflächlich. Selbst das hochspannende Sujet von Korruption und Machtmissbrauch auf globalpolitischer Ebene bleibt derart zurückhaltend behandelt, dass die Frage aufkommt, ob die Produktion bewusst Kontroversen vermeiden wollte, um möglichst keinem Zuschauenden unangenehm aufzufallen.


Zugleich hadert der Film kontinuierlich mit der zentralen Frage, was Sam Wilson überhaupt als Captain America definiert. Mackies Wilson verfügt über scheinbar beliebige Fähigkeiten, ohne dass der Film überzeugend darlegt, warum gerade er für diese Rolle prädestiniert sein sollte. Diese Lücke versucht das Drehbuch nur unzureichend mit patriotischen Moralansprachen für eine bessere Welt zu füllen, wodurch die Charakterentwicklung Wilsons stagniert. Die faszinierende Möglichkeit, seine Figur als Brücke zwischen alten Idealen und neuen Realitäten zu inszenieren, bleibt ungenutzt. Am deutlichsten zeigt sich das verschenkte Potenzial in der Aufarbeitung der tragischen Geschichte von Isaiah Bradley, die im Film zwar angeschnitten, jedoch letztendlich zugunsten einer naiv wirkenden Botschaft der allgemeinen Versöhnung relativiert wird.


Anstatt sich einer ernsthaften Auseinandersetzung mit rassistischen und gesellschaftlichen Missständen zu widmen, reduziert „Captain America: Brave New World“ diese komplexen Themen auf eine triviale Lösung, die kaum überzeugen kann. Punktuell bieten zumindest die Figurendynamiken gelungene Momente: Die Beziehung zwischen Sam Wilson und seinem Mitstreiter Joaquin Torres bringt frischen Wind ins MCU und birgt Potenzial für künftige Entwicklungen. Dennoch wirken die emotionalen Konflikte insgesamt zu kalkuliert und zu halbherzig abgearbeitet, sodass ihnen echte emotionale Tiefe fehlt. Harrison Fords Auftritt als Präsident ist routiniert und professionell souverän, fügt der Handlung jedoch wenig Überraschendes hinzu.


Kritik zu „Captain America: Brave New World“: Marvels verpasste Chance
Bildnachweis: © The Walt Disney Company / MARVEL

Tim Blake Nelson verliert zudem durch sein verunglücktes Make-up-Design, das mehr grotesk als bedrohlich wirkt, erheblich an Überzeugungskraft und untergräbt dadurch die Glaubwürdigkeit seiner Figur. Auf visueller Ebene überzeugt „Captain America: Brave New World“ in Teilen, vor allem, wenn Sam Wilsons verbesserter Fluganzug rasant und nachvollziehbar zur Geltung kommt. Die Action wirkt zu Beginn erfreulich geerdet und geradezu greifbar, sodass Fans, die bodenständige Superhelden-Abenteuer mögen, einige ansprechende Szenen genießen können. Doch je weiter der Film fortschreitet, desto mehr scheint sich dieses Konzept selbst zu verwässern, und die CGI-Qualität nimmt zum Finale hin merkbar immer weiter ab.


Fazit:


„Captain America: Brave New World“ liefert solides, jedoch weitgehend belangloses Unterhaltungskino, das nach der generischen Marvel-Formel gestrickt ist – und deshalb dieselben dramaturgischen Schwächen aufweist, die das MCU ohnehin von Ableger zu Ableger immer uninteressanter macht. Der 35. Marvel-Film zeigt vieles, aber sicher keine schöne neue Welt.


>>> STARTTERMIN: Ab dem 13. Febrauar 2025 im Kino.


Wie hat Dir der Film gefallen? Teile Deine Meinung gerne in den Kommentaren!

Weitere Informationen zu „Captain America: Brave New World“:

Genre: Action, Abenteuer, Fantasy

Laufzeit: 119 Minuten

Altersfreigabe: FSK 12


Regie: Julius Onah

Drehbuch: Rob Edwards, Malcolm Spellman, Dalan Musson, Julius Onah und Peter Glanz

Besetzung: Anthony Mackie, Danny Ramirez, Harrison Ford und viele mehr ...


Trailer zu „Captain America: Brave New World“:


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