Kritik zu „Charlie der Superhund“: Vom Haustier zum Helden
- Toni Schindele

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Was passiert, wenn aus dem treuen Familienhund plötzlich ein fliegender Held wird? Diese Frage beantwortet der kanadische Animationsfilm „Charlie der Superhund“.

Animationsfilme gehören seit einigen Jahren zu den verlässlichsten Zugpferden an den Kinokassen. Kaum ein anderes Genre erreicht ein derart breites Publikum über Altersgrenzen hinweg, ebenso wie sich Menschen jeden Alters für Geschichten um Superhelden begeistern können. Figuren wie Batman oder Spider-Man stehen für einfache, zeitlose Fragen: Was ist richtig, was ist falsch, und wie geht man mit Verantwortung um? Das kanadische ICON Creative Studio aus Vancouver hat nun beides miteinander verbunden und einen Superhelden-Animationsfilm für Kinder und die ganze Familie produziert. Sollte man dafür ins Kino gehen – wie gut ist „Charlie der Superhund“?
Darum geht es:
Danny und sein treuer Golden Retriever Charlie sind unzertrennlich – bis Charlies Kräfte langsam schwinden. Doch eines Nachts ändert sich alles: Außerirdische entführen Charlie und verleihen ihm unglaubliche Superkräfte. Plötzlich wird aus dem alten Familienhund ein junger, fliegender Held. Endlich kann Danny seinen Traum leben: gemeinsam mit seinem besten Freund Gutes tun und die Welt ein kleines Stück besser machen. Doch während Charlie mutig Menschen hilft, verfolgt Nachbarskater Puddy jedoch ganz andere Pläne und will sich die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Die Rezension:
Eigentlich hätte „Charlie der Superhund“ alle notwendigen Zutaten für einen unterhaltsamen Animationsfilm für die gesamte Familie. Es wirkt jedoch fast so, als hätte man es darauf angelegt, sämtliche Bausteine eines beliebten Films aus dem Bereich Family Entertainment zusammenzulegen. Doch wie es sprichwörtlich heißt, verderben zu viele Köche den Brei, und so wird auch Shea Wagemans Werk zu einem Sammelsurium grundsätzlich interessanter Ideen, die am Ende zu einem generischen Brei zusammengerührt werden. Besonders deutlich wird die Beliebigkeit im Humor, der zwar in vielerlei Form und Art für Komik zu sorgen, echte Pointen bleiben aber rar. Zwar bleibt der Humor dabei überwiegend kindgerecht und vermeidet grobe Überforderung, der Einsatz von Ekel-Elementen für einfachen Klamauk ist allerdings gewöhnungsbedürftig und kann – je nach persönlichem Geschmack – dazu führen, dass man lieber für einen Moment wegsieht.

Die Farben sind warm, die Figuren bewusst niedlich gestaltet, und Charlie selbst ist als tierischer Held leicht ins Herz zu schließen. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass die Welt um ihn herum erstaunlich leblos bleibt. Gras bewegt sich kaum, Bäume stehen still, der Himmel wirkt wie aufgeklebt. Zwar ist Charlies Fell ordentlich ausgearbeitet und sieht in Nahaufnahmen durchaus realistisch aus, doch insgesamt fehlt der Umgebung die Lebendigkeit. Man merkt schnell, dass hier kein großes Studio mit riesigem Budget am Werk war. Im direkten Vergleich mit Großproduktionen von Disney oder Pixar kann und will sich „Charlie der Superhund“ offensichtlich nicht messen. Während aktuelle Studiofilme mit Budgets im dreistelligen Millionenbereich operieren, stand dem Team um Regisseur Shea Wageman Berichten zufolge lediglich ein Bruchteil dieser Mittel zur Verfügung.
Anders als der formal radikale Low-Budget-Erfolg „Flow“ sucht „Charlie der Superhund“ aber ebenso auch nicht nach einer eigenen Bildsprache, sondern nach Anschlussfähigkeit an einen etablierten Mainstream-Stil. So erfüllen die Bilder durchaus ihren Zweck, bleiben aber auch selten im Gedächtnis. Ernüchternd ist dabei vor allem, dass der Film auch erzählerisch deutlich kleinere Brötchen backt, als seine lange Entwicklungszeit vermuten ließe. Statt eine eigenständige Geschichte zu entfalten, verlässt sich „Charlie der Superhund“ fast vollständig auf bekannte Muster: eine klassische Heldengeschichte, nur leicht variiert und mit einem neuen Aufhänger versehen. Zudem hat der Film auf dem Papier auch eine übernatürliche Note, aber die eingeführten Aliens dienen primär als erzählerisches Vehikel zur Legitimation von Superkräften, ohne darüber hinaus eine eigenständige narrative Funktion zu übernehmen.

Ob man letztlich wirklich erklären hätte müssen, warum Charlie zum Superhund wird, wenn es für die Handlung letztlich recht wenig peripher von Bedeutung ist, bleibt aber fraglich. Auch darüber hinaus gelingt es dem Film zu keinem Zeitpunkt, einen wirklichen roten Faden und einen runden Spannungsbogen zu schlagen. Zu Beginn scheint es um Dankbarkeit, gemeinsame Zeit und die Angst vor Verlust zu gehen, bevor die Themen gänzlich herausgenommen werden und sich Action an Actionszene reiht, bevor der Film schlussendlich gegen Ende wieder einen anderen Ton anschlägt und erklärt, dass man kein Superheld sein muss, um gut zu sein. Für sich genommen wären viele Botschaften dabei gewesen, aus denen man eine spannende wie lehrreiche Geschichte hätte machen können, im Drehbuch von „Charlie der Superhund“ bleibt aber vieles recht beliebig zusammengewürfelt.
Shea Wagemans Film will vieles zugleich sein, verliert dabei jedoch immer wieder den Blick für das Wesentliche. Beispielsweise versucht sich der Film auch an einer sehr plakativen Politik-Allegorie, aber neben dem Bedienen der entsprechenden Klischees scheint das Drehbuch keine wirkliche Aussage parat zu haben. Charlies Rolle als übergeordneter Beschützer der Welt führt zu einer Entfremdung von Danny. Statt sich damit zu beschäftigen, wie sich ein Hund fühlt, der plötzlich sprechen, denken und handeln kann wie ein Mensch, hetzt der Film die meiste Zeit von einer Actionsequenz zur nächsten, priorisiert Spektakel vor Figurenentwicklung und folgt damit einem bekannten Muster des kommerziellen Animationskinos, das pompöse Action über innere Prozesse stellt.

Was als persönliche Geschichte beginnt, weitet sich rasch zu einem globalen Bedrohungsszenario aus, in dem spektakuläre Rettungsaktionen die zwischenmenschliche – beziehungsweise zwischenmenschlich-tierische – Beziehung zunehmend verdrängen. Während Danny also irgendwann fast für eine gewisse Zeit aus der Handlung verschwindet, wird dem sympathischen Superhund das exakte Pendant als Antagonist entgegengestellt, und so gibt es Puddy – einen überdimensionierten Kater mit Weltherrschaftsplänen. Die klare Zuordnung von Gut und Böse mag für ein junges Zielpublikum nachvollziehbar sein, wirkt jedoch in ihrer Konsequenz erstaunlich plump, da während die klassische Schwarz-Weiß-Konfrontation weitgehend die Handlung einnimmt, ansonsten wenig übrig bleibt.
Fazit:
„Charlie der Superhund“ ist ein gut gemeinter, aber überladener Animationsfilm, der sich aus vielen vertrauten Versatzstücken speist, daraus jedoch weder eine eigene Handschrift noch einen klaren erzählerischen Kern entwickelt und sich stattdessen in austauschbarer Action, lebloser Animation und plakativen Motiven verliert. „Charlie der Superhund“ bleibt so harmloses, letztlich aber beliebiges Family-Entertainment ohne bleibenden Eindruck.
>>> STARTTERMIN: Ab dem 29. Januar 2026 im Kino.
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Weitere Informationen zu „Charlie der Superhund“:
Genre: Animationsfilm, Familienfilm, Fantasy, Komödie
Laufzeit: 92 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Regie: Shea Wageman
Drehbuch: Steve Ball, Raul Inglis und Shea Wageman
Sprecher (Originalton): Owen Wilson, Dawson Littman, Tabitha St. Germain und viele mehr ...
Trailer zu „Charlie der Superhund“:





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